Arvid und Mildred Harnack
Map Hasenheide 61
Harnack
24.5.1901 16.9.1902
22.12.1942 16.2.1943
ermordet in Plötzensee
In ihrer Wohnung im vierten Stock
dieses Hauses organisierte das Ehepaar
Harnack 1933/34 antifaschistische
Schulungskurse und politische
Gesprächskreise.
Dies war der Beginn des vielfältigen
Widerstandskampfes der Harnack/
Schulze-Boysen-Organisation gegen
Nazi-Diktatur und Krieg, für ein
humanistisches Deutschland.
Über 130 Mitglieder dieser von der
Gestapo 'Rote Kapelle' genannten
Gruppe wurden von Sommer 1942 an
verhaftet, 49 von ihnen hingerichtet,
drei weitere in den Tod getrieben.
Auf der Tafel finden sich unterhalb der Geburts- und Todesdaten Reliefportraits beider Geehrter.
Die von Volkmar Oellermann geschaffene Bronzetafel wurde am Freitag, den 16. Februar 1990, enthüllt. Anwesend waren der Bruder Arvid Harnacks, Falk Harnack, und Neuköllns Bürgermeister Frank Bielka. Eine Stunde zuvor bereits würdigten in einem nahegelegenen Café in der Lilienthalstraße 2 Kreuzbergs Bürgermeister Günter König, der Historiker Johannes Tuchel (Gedenkstätte Deutscher Widerstand) und als Zeitzeuge und ehemaliger Zimmernachbar des Ehepaares der Schriftsteller Stefan Heym die Widerstandskämpfer. Auf dem Städtischen Friedhof Zehlendorf, Onkel-Tom-Straße 30, befindet sich für beide eine symbolische Grabstätte (Abt. 22 U 400a [jetzt Feld 015]). Der Stein trägt die Inschrift:
IN MEMORIAM
ARVID HARNACK
DR. JUR. DR. PHIL.
1901 - 1942
MILDRED HARNACK
GEB. FISH
DR. PHIL. M.A.
1902 - 1943
Unmittelbar dahinter, über einen Weg hinweg, ist der 1991 gestorbene Falk Harnack beigesetzt.
Diese Tafel ist binnen des „Kreuzberger antifaschistischen Gedenktafelprogramms 1985 bis 1990“ entstanden, welche Geschichten des NS-Widerstands fokussierte. Der Begleitbroschüre ist zu entnehmen, dass Kreuzberg zwischen 1933 und 1945 ein Verwaltungszentrum des deutschen Faschismus war. Die Flächenbombardierungen durch die Alliierten gegen Kriegsende zerstörten insbesondere den Nordwesten des Bezirks nahezu vollständig und ließen viele historische Spuren verschwinden. Zugleich war Kreuzberg ein bedeutender Ort des Widerstands, getragen von Arbeiterinnen und Arbeitern, Angestellten, Studierenden und Intellektuellen, deren Biographien aufgrund der geringen Zahl von Überlieferungen und Zeitzeugnissen nur schwer rekonstruierbar sind. Die Gedenktafeln wurden von bildenden Künstlerinnen und Künstlern jeweils individuell gestaltet, um ortsspezifische und ästhetisch eigenständige Lösungen zu ermöglichen. Weitere Gedenkzeichen des Programms widmen sich der Bekennenden Kirche, Minna Fritsch, Franz Meyer, Willi Sänger, Wilhelm Leuschner, Ursula Goetze, Hanni Meyer, Wolfgang Thiess, Ernst Heilmann, Carl Herz, Wilhelm Lehmann und Fritz Siedentopf.
Zeitgleich entstanden die „Erinnerungszeichen an den Orten des früheren jüdischen Gemeinde- und Kulturlebens“ mit den Gedenktafeln- und Zeichen: Gedenkstein für die Orthodoxe Synagoge der Jüdischen Gemeinde am Kottbusser Ufer (heute Fraenkelufer), Granitstele für das Theater des Jüdischen Kulturbundes Berlin und einer Informationstafel für die Synagoge in der Lindenstraße (1988 am Grenzzaun installiert, nach der Wende nicht mehr vorhanden).




