zurück zur Suche
Vorne stehen zwei Stelen und ein Mikrofonständer vor einer Grünfläche. Dahinter fährt eine U-Bahn.
Die Rückseite der zwei Stelen mit ihren Titeln, im Hintergrund Häuser, Bäume, Gehweg und eine Straße.

Menschenlandschaft Berlin - Kunst im sozialen Raum

Map Schlesische Straße/ Oberbaumstraße

Menschenlandschaft Berlin
Kunst im sozialen Raum

Der Titel „Menschenlandschaft Berlin“ des Skulpturenweges bezieht sich auf die Vergangenheit und Gegenwart des Quartiers im östlichen Kreuzberg. Leitidee des Projekts war es, Berlin als weltoffene Stadt zu sehen, deren sozialer und kultureller Reichtum durch die Menschen entstand, die aus vielen Teilen der Welt hierhergezogen sind. Die Gegend am Schlesischen Tor war historisch ein Ort, an dem sich Einwanderung nach Berlin vollzog, im 19. Jahrhundert vor allem aus Schlesien und anderen östlichen Provinzen. Nach 1945 entwickelte sich durch die Teilung der Stadt und den Mauerbau (1961) das ehemals belebte Quartier, nach seinem alten Postzustellbezirk „SO 36“ genannt, zu einer Randzone, abgeschnitten von der alten Innenstadt auf der anderen Spreeseite und vom nahen Treptow mit seinen Grünflächen. Die Gegend verödete und verwahrloste. Die historisch entstandene „Kreuzberger Mischung“, der für das Quartier charakteristische enge Zusammenhang aus Wohnen, Gewerbe, Handel und Kultur, ging mehr und mehr verloren. Zurück blieben einkommensschwache, sozial niedrig gestellte und alte Bewohnerinnen und Bewohner, hinzu zogen ab den 1970er-Jahren vor allem Arbeitsmigrantinnen und -migranten mit ihren Familien. Um 1986, als der Skulpturenweg entstand, betrug der migrantische Bevölkerungsanteil vor allem aus der Türkei rund um das Schlesische Tor 25 bis 30 Prozent.

Der Skulpturenweg „Menschenlandschaft“ war Teil eines Netzwerks von Aktivitäten, die dazu beitrugen, den urbanen Verfall aufzuhalten und durch „Hilfe zur Selbsthilfe“ die Handlungsfähigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner zu stärken. Wichtige Etappen waren der Wettbewerb „Strategien für Kreuzberg“ 1977 und die Planungen der Internationalen Bauausstellung 1984/87 zum Programm der „behutsamen Stadterneuerung“. Bei der Wiederbelebung der beschädigten Stadtquartiere spielte die Bürgerbeteiligung eine zentrale Rolle. Beteiligung von Anwohnenden war ein damals noch neues Konzept, auch bei der Entstehung der in SO 36 realisierten großen Kunstprojekte im Stadtraum, hier des Skulpturenwegs „Menschenlandschaft“, des Bildhauersymposions „Cuvrybrunnen“ 1983 und des Wandmalereiprojekts „Abenteuerspielplatz an der Spree“ für 14 Brandwände in den Jahren 1985¬–89. Dass nur wenig später, im November 1989, die Mauer geöffnet, der Verkehr über die Oberbaumbrücke wieder aufgenommen und die Gegend sich zum touristischen Brennpunkt und zum belebten, sozial durchmischten Raum entwickeln würde, war 1987 beim Entwurf der „Menschenlandschaft Berlin“ kaum vorstellbar.

---

Berlin‘s Humanscape)
Art in the Social Space

The title of the sculpture walk, Menschenlandschaft Berlin (Berlin‘s Humanscape), encompasses both the past and present of this part of eastern Kreuzberg. The project’s guiding principle was to portray Berlin as a cosmopolitan city that owes its social and cultural vitality to people who have moved here from many corners of the world. Historically, the area around Schlesisches Tor was a place where many newcomers arrived in the city, especially those migrating from Silesia and other eastern provinces of Prussia during the nineteenth century. Starting in 1945, when the city was divided into sectors, and even more after 1961, when the Berlin Wall was built, this once lively neighborhood, known by the nickname “SO36” after its former postal code, became an in-between zone, a borderland. Cut off from both the old city center across the river and the green spaces of nearby Treptow to the east, it fell into disrepair. The famous “Kreuzberg mix,” the neighborhood’s trademark blend of housing, industry, commerce, and culture, slowly fell apart. Most of the remaining residents were low-income, socially disadvantaged, or older adults. They were joined from the 1970s onwards by migrant workers and their families, primarily from Turkey. By 1986, when the sculpture walk was being designed, about 25 to 30 percent of the people living around Schlesisches Tor were immigrants and their families.

The Menschenlandschaft sculpture walk was one of a series of initiatives with the goal of halting urban decline and empowering neighborhood residents by helping people to help themselves. Key milestones included the Strategien für Kreuzberg (Strategies for Kreuzberg) planning competition in 1977 and the Behutsame Stadterneuerung (Careful Urban Renewal) program of the International Building Exhibition Berlin in 1984 and 1987. Grassroots participation played a central role in the revitalization of neglected urban areas. The idea of incorporating local residents in such projects, still a recent innovation at the time, was included in major public art projects in SO36, such as this Menschenlandschaft sculpture walk, the Cuvrybrunnen sculpture symposium (1983), and the Adventure Playground on the Spree project, for which fourteen windowless firewalls were painted with murals (1985–89). When Menschenlandschaft Berlin was first planned in 1987, it was unimaginable that the Berlin Wall would fall just two years later, in November 1989; that traffic would soon return to the Oberbaum Bridge; and that the area would be reborn as both a tourist destination and a vibrant residential neighborhood home to a wide diversity of Berliners.

Am 19. November 2025 hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg auf der Grünfläche Schlesische Straße/Oberbaumstraße in Berlin-Kreuzberg zwei neue Gedenktafeln zum Skulpturenweg „Menschenlandschaft Berlin“ eingeweiht. Das Design stammt von BAR PARCIFICO/Fabian Hickethier, die Texte von Stefanie Endlich. Auf der bronzefarbenen Rückseite steht zweisprachig „Kunst im sozialen Raum / Art in the social space“. Die zweite Tafel widmet sich der Menschenlandschaft Berlin - Ein Skulpturenweg.

Die Einweihung erfolgte durch Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann. Redebeiträge hielten Autorin und Ausstellungsmacherin, Dr. Stefanie Endlich sowie der Kunsthistoriker Dr. Gürsoy Doğtaş. Anwesend waren zudem Vertreterinnen und Vertreter des Städtepartnerschaftsvereins Kadıköy e.V. und weitere Unterstützende des Projekts.

Der Skulpturenweg entstand 1987 im Rahmen eines Bildhauersymposions als Beitrag zur 750-Jahr-Feier Berlins. Beteiligt waren Mehmet Aksoy, Andreas Frömberg, Schang Hutter, Azade Köker, Leslie Robbins, Louis Niebuhr, Rudolf Valenta und Andreas Wegner. Das Konzept einer Sequenz einzelner Skulpturen von der Schlesischen Straße bis zum Spreeufer entwickelte Azade Köker.

Die neuen Tafeln erläutern die Entstehungsgeschichte des Kunstprojekts. Hintergrund ist auch der seit Jahren schlechte Zustand der Skulpturen, für deren Reinigung und Restaurierung sich verschiedene Initiativen einsetzen.

Die Bildunterschriften lauten:
[Abb. 3] Blick auf den Standort des Symposions, im Hintergrund der U-Bahnhof, 1986 / View of the symposium site, with the U-Bahn station in the background, 1986
Foto / Photo: Stefanie Endlich

 

 

zurück