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Großes Informationstafel mit Texten, historischen Fotos und Karten zum Wonnegauviertel und Pfeddersheimer Weg
Informationstafel mit Text und Bildern zum Wonnegauviertel, befestigt an einem Metallrahmen im Freien
Brunnen mit Fontäne vor historischen Gebäuden und Bäumen auf einer Grünfläche unter blauem Himmel

Wonnegauviertel

Map Pfeddersheimer Weg 38

WONNEGAUVIERTEL

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war
das Gebiet zwischen der Rehwiese und
dem heutigen Studentendorf Schlacht-
ensee das letzte Waldstück der
Zehlendorfer Heide, die sich einst vom
Grunewald bis zur Parforceheide bei
Güterfelde erstreckte. Von diesem im
Volksmund „Mittelbusch“ genannten
Forst ist lediglich das parkartige Wald-
stück entlang des Jochen-Klepper-
Weges geblieben.
Friedrich der Große soll bei seinen
Fahrten zwischen Berlin und Potsdam
die unkultivierte Sandbrache westlich
von Zehlendorf unangenehm auf-
gefallen sein, sodass er auf den
Gedanken kam, hier eine Kolonie für
ausländische Soldaten, die sich um die
preußischen Armee verdient gemacht
haben, anlegen zu lassen. Die (bspw.
böhmischen) Siedler sollten nach
einem „rauhen Soldatenleben“ bei
Ackerbau und Viehzucht zur „Ruhe“
kommen.
Sechs Veteranenfamilien besiedelten ab
etwa 1775 diese neue Kolonie „Neu-
Zehlendorf" zwischen dem Königsweg
und der heutigen Tewsstraße.
Im Jahr 1905 verkauften die Klein-
bauern der Kolonie Neu-Zehlendorf
große Flurstücke der Zehlendorfer
Heide an den „Berliner Bodenverein“.
Der Bodenverein begann dann ab 1906
sukzessive auf seinem neuen Terrain
Straßen anzulegen und Grundstücke
zum Verkauf anzubieten. Durch Krieg
und Wirtschaftskrise verzögerte sich
aber der Baustart bis 1932. In den
Jahren 1933-1943 entstanden dann
viele zweigeschossige Einfamilien-
häuser zweierlei Typs (siehe Abb.
oben), in der von den National-
sozialisten als „Heimatschutzstil“ über-
nommenen, so genannten eigentlichen
„englischen Landhausbauweise“.
Die Architekten Paul Zimmerreimer
und Hanns Hirt entwickelten für den
Berliner Bodenverein den Entwurf für
die Bebauung der Einfamilienhaus-
siedlung auf dem Mittelbuschgelände.
Rund um den Albiger Weg baute die
,,Grundstücksgesellschaft Rehwiese-
Mittelweg mbH“ 1936 eine Mehr-
familienhaussiedlung, ebenfalls nach
Plänen der beiden Architekten.

Der „Berliner Bodenverein“ (später
„Berliner Bauland GmbH"), dessen
Vorsitzender Alexander Epstein (geb. 1890
in Tver bei Moskau) war, erhielt
Anfang der 1930er Jahre den Zuschlag
für die Bebauung des Mittelbusch-
geländes und begann sofort mit dem
Verkauf. Bis zum Jahresende 1933
waren bereits alle Grundstücke des
nördlichen neuen Wonnegauviertels
an private Bauherren veräußert. Die
Gesellschaft bot Baugrundstücke mit
günstiger Finanzierungsmöglichkeit
zum „Einführungspreis von 6,50
Reichsmark pro Quadratmeter“ an.

Epstein kooperierte auch mit der
Cöpenicker Bank und konnte so zins-
günstige Baukredite seinen Käufern
offerieren. Epstein musste allerdings
1938, da er Jude war, aufgrund der
Rassenpolitik der Nazis den Vorsitz
der Gesellschaft an seinen „arischen"
Mitgesellschafter Dass übertragen.
Epstein wurde vermutlich nach Ausch-
witz deportiert und kam dort ums
Leben.

Die Straßen im Wonnegauviertel
wurden zwischen 1935 und 1937
größtenteils nach Gemeinden in der
rheinhessischen Weinbauregion Won-
negau (Rheinland-Pfalz) benannt:
Dort findet man die Ortschaften Albig,
Guntersblum, Pfeddersheim, Osthofen
und Westhofen. Seit 2008 heißt
zudem ein kleiner Fußweg, der durch
das kleine Wäldchen zwischen dem
nördlichen und südlichen Teil dieses
Quartiers führt, ,,Wonnegausteig".

Der Grund, warum ausgerechnet
Wonnegauorte als „Namensgeber“ ge-
wählt wurden, ist nicht überliefert. Es
gibt aber im Wonnegau eine recht
einflussreiche Familie mit Nachnamen
„Haag". Hier könnte eine familiäre
Verbindung zum einstigen Nikolasseer
Gemeindevertreter Adolf Haag (es
gibt deshalb auch eine „Haagstraße“
im Wonnegauviertel) bestanden
haben. Noch heute gibt es einige enge
Kontakte zwischen den Politikern
des Wonnegaus und dem Zehlendorfer
Städtepartnerschaftsverein.

Zum Wonnegau gehören die Orte Eich
und Monsheim, die Stadt Osthofen, die
Verbandsgemeinde Westhofen und die
Stadt Worms mit ihrem Stadtteil
Pfeddersheim. Albig ist ein Dorf am
nordwestlichen Rand des Wonnegaus
und gehört zur Verbandsge(m)einde
Alzey-Land. Am nordöstlichen Rand
des Wonnegaus liegt der Weinbauort
Guntersblum, der seit dem Jahr 1947
namensgebend für den Weg in der sog.
„Reichsbeamtensiedlung“ ist.

Angaben zu genutzten Quellen, Autorenschaft und Impressum:

Diese Informationstafel wurde von der Verbands-
gemeinde Westhofen und der Stadt Worms im
Jahre 2009 gestiftet. Weitere Informationen zu den
beiden Gemeinden finden Sie nebenstehend.

Text (2014): Andreas Jüttemann. Westhofener Weg

Weitere Informationen: www.wonnegauviertel.de
und als Buch: Jüttemann, A. (2009): Nikolassee Ost.
Landhäuser und Villen. Aschenbeck-Verlag.
Erhältlich im Buchhandel, online und im Café Von Luck,
Von-Luck-Straße 27 (hier im Viertel).
 

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