Wilhelmstraße 77
Map Wilhelmstraße 92
Das 1736 für den Generalmajor Adolf Friedrich Graf
von der Schulenburg erbaute Palais wurde 1875
vom Deutschen Reich erworben und 1878 Reichs-
kanzler Otto von Bismarck als Wohn- und Amtssitz
übergeben. Dieser lud im selben Jahr die euro-
päischen Staatsmänner in den Festsaal seines Hauses
zum sogenannten »Berliner Kongreß« ein und versuchte, zwischen den
sich auf dem Balkan feindlich gegenüberstehenden europäischen
Großmächten zu vermitteln. Nach Bismarcks Entlas-
sung 1890 blieb das Palais Sitz der Reichskanzler.
Dort gab Ende des Ersten Weltkrieges Reichskanzler
Prinz Max von Baden am 9. November 1918 die
Abdankung Kaiser Wilhelm II. bekannt und übertrug
die Geschäfte des Reichskanzlers auf den Sozial-
demokraten Friedrich Ebert. Am selben Tag sprach
Philipp Scheidemann (SPD) zunächst von einem
Fenster der Reichskanzlei zu der in der Wilhelm-
straße versammelten Menge und rief wenig später
vor dem Reichstag die Republik aus.
Von 1933 bis 1945 diente das Palais Adolf Hitler als
Wohnsitz. Dieser ließ 1935 unter dem Gartensaal-
Anbau der Reichskanzlei einen Luftschutzbunker
errichten. Im Garten entstand von 1943 an der
sogenannte »Führerbunker«, in dem Hitler 1945
Selbstmord beging.
Die im Zweiten Weltkrieg beschädigte Reichskanzlei wurde 1949
abgerissen. Das an die Berliner Mauer grenzende
Gelände blieb unbebaut. Die DDR ließ Ende der
1980er Jahre Plattenbauten errichten.
Auf einem Teil des ehemaligen Gartengrundstücks
wurden nach der Wiedervereinigung die Landes-
vertretungen von Hessen, Rheinland-Pfalz, Nieder-
sachsen und des Saarlandes errichtet.
This site once contained a mansion built in 1736
for Major-General Adolf Friedrich Graf von der
Schulenburg. The German state bought it in 1875,
and it became the residence and offices of Reich
Chancellor Otto von Bismarck in 1878. That same
year, Bismarck invited the statesmen of Europe to the
Berlin Conference in the great hall of the palace in
an attempt to mediate between the hostile European
powers in the Balkan conflict. After Bismarck's dismissal in 1890 the
palace remained the official residence of the Reich Chancellor.
In a speech here at the end of the First World War,
on November 9, 1918, Reich Chancellor Prince Max
von Baden announced the abdication of Kaiser
Wilhelm Il and handed over the Reich Chancellor's
affairs to the social democratic leader, Friedrich Ebert.
That same day Philipp Scheidemann of the Social
Democratic Party (SPD) made a speech to the crowds
gathered on Withelmstraße from a window of the
Reich Chancellery. Shortly afterwards he proclaimed
the German Republic from a Reichstag balcony.
Adolf Hitler used the palace as his residence from
1933 to 1945. In 1935 he had an air raid shelter
built under the Reich Chancellery's garden annex.
In 1943 he had the "Führer's bunker" built in the
gardens, where he killed himself in 1945.
The Reich Chancellery was badly damaged in the Second World War
and demolished in 1949. Close to the Berlin Wall on the eastern side,
the site remained vacant. In the late 1980s the East Germans built pre-
fab high-rise blocks here.
After German reunification the Federal States of Hesse, Rhineland-
Palatinate, Lower Saxony and Saarland built their Berlin diplomatic
missions on part of the grounds of the old palace gardens.
Die Informationstafel ist Teil der „Geschichtsmeile Wilhelmstraße“, initiiert von der Stiftung Topographie des Terrors, die entlang der Wilhelmstraße an 30 Stationen die Geschichte der Gebäude des historischen Regierungsviertels präsentiert. Eine Übersicht ist hier verfügbar.
Die Ausstellung wurde 1996 im Auftrag des Senators für Bauen, Wohnen und Verkehr konzipiert und 2007 mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erweitert sowie umfassend überarbeitet. Die Gestaltung lag bei Helga Lieser.
Ganz oben befindet sich eine Abbildung der Reichskanzlei mit der Bildunterschrift: „Die Reichskanzlei, um 1900“ von der Stiftung für Topographie des Terrors. Rechts darunter befindet sich eine Abbildung eines Ölgemäldes mit der Bildunterschrift: „«Der Berliner Kongreß», Ölgemälde von Anton von Werner, 1878-1881“ aus dem Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin. Direkt darunter befinden sich drei weitere Abbildungen einmal ein Bild von Phillip Scheidemann mit der Bildunterschrift: „Phillip Scheidemann an einem Fenster der Reichskanzlei, 9. November 1918“ aus der Bayerischen Staatsbibliothek München, danach ein Bild von Adolf Hitler mit der Bildunterschrift: „Adolf Hitler (1889-1945), 1933-1945 Reichskanzler“ aus der Bayerischen Staatsbibliothek München. Und nicht zuletzt eine weitere Abbildung der Reichskanzlei mit der Bildunterschrift: „Die zerstörte Reichskanzlei, 1945“ aus dem Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin

