Wilhelmstraße 75
Map Wilhelmstraße 89
1738 bezog Ober-Bau-Direktor Johann Carl Stolze
hier sein neues, zweigeschossiges Palais. Dieses
wurde 1795 an den Königlichen Hofbuchdrucker
Georg Jakob Decker verkauft, der dort bereits seit
längerem eine Druckerei betrieb. Im Garten errichtete
Deckers Sohn eine Villa, die der Familie als Wohnhaus diente. 1866
mietete das benachbarte Auswärtige Amt aufgrund seines ständig
wachsenden Platzbedarfs in der oberen Etage des Vorderhauses Büro-
räume an. Elf Jahre später erwarb der Staat das
Gebäude, das von 1882 an vollständig vom Aus-
wärtigen Amt genutzt wurde. Seither wurden Pferde-
wagen für den Aktentransport zwischen beiden
Gebäuden eingesetzt.
Die von Decker im Garten errichtete Villa diente ab
1878 zunächst dem ersten Leiter der Reichskanzlei,
Christoph von Tiedemann, als Dienstwohnung.
Nach 1881 war das Haus Wohnsitz des jeweiligen
Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes, seit 1919
der jeweiligen Außenminister. Als letzter nutzte
Konstantin von Neurath die Villa, die 1938 im Zuge
der Bauarbeiten für die Neue Reichskanzlei abge-
rissen wurde.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde das
Gebäude schwer beschädigt und 1950 komplett abgerissen. Das in
Mauernähe liegende Grundstück blieb zunächst unbebaut. In den 1980er
Jahren errichtete die DDR hochwertige Plattenbauten.
In 1738, Chief Building Director Johann Carl Stolze
moved into his new two-storey mansion here. In
1795 it was sold to the royal court book printer,
Georg Jakob Decker, who had operated a printing
press here for some time. Decker's son built a villa
in the garden for the family to live in. In 1866 the
Foreign Ministry next door, which constantly needed
more space, rented offices on the upper floor of the
front building. The state purchased the building eleven
years later and the Foreign Ministry took it over
entirely in 1882. Horse-drawn carts were used
to carry files between the two adjacent ministry
buildings.
The villa that Decker built in the garden was used as
a government apartment from 1878 by the first head
of the Reich Chancellery, Christoph von Tiedemann. After 1881 it was
the official residence of the secretary of state at the Foreign Ministry,
who held the title of foreign secretary after 1919.
The villa's last resident was Konstantin von Neurath.
It was demolished in 1938 during the con- struction
of the New Reich Chancellery.
The mansion was badly damaged during the Second
World War and completely demolished in 1950.
Close to the Berlin Wall, the site remained vacant until
the 1980s, when the East Germans built quality
prefab high-rise blocks here.
Die Informationstafel ist Teil der „Geschichtsmeile Wilhelmstraße“, initiiert von der Stiftung Topographie des Terrors, die entlang der Wilhelmstraße an 30 Stationen die Geschichte der Gebäude des historischen Regierungsviertels präsentiert. Eine Übersicht ist hier verfügbar.
Die Ausstellung wurde 1996 im Auftrag des Senators für Bauen, Wohnen und Verkehr konzipiert und 2007 mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erweitert sowie umfassend überarbeitet. Die Gestaltung lag bei Helga Lieser.
Ganz oben befindet sich eine Abbildung des Auswärtigen Amtes aus 1910 mit der Bildunterschrift: „Dienstgebäude des Auswärtigen Amtes in der Wilhelmstraße 75, 1910“ aus dem landesarchiv Berlin. Rechts darunter befindet sich eine Abbildung eines Aktenwagens mit der Bildunterschrift: „Der Aktenwagen des Auswärtigen Amtes, vor 1926“ von dem Süddeutschen Verlag München. Direkt darunter befinden sich drei weitere Abbildungen einmal ein Bild eines Briefumschlags mit der Bildunterschrift: „Briefumschlag aus dem Jahr 1923“ von der Stiftung Topographie des Terrors, danach eine Abbildung von Konstantin von Neurath mit der Bildunterschrift: „Konstantin von Neurath (1873-1956), 1933-1938 Reichsaußenminister, 1946 zu 15 Jahren Haft verurteilt, entlassen 1954“ aus der bayerischen Staatsbibliothek München. Und nicht zuletzt eine Abbildung der zerstörten Wilhelmstraße mit der Bildunterschrift: „Die zerstörte Wilhemstraße, in Richtung Pariser Platz. Links die Ruinen des Auswärtigen Amtes, rechts das ehemalige Preußische Staatsministerium, 1946“ aus dem landesarchiv Berlin.

