Wilhelmstraße 73
Map Wilhelmstraße 79
1737 errichteten die Grafen von Schwerin hier ein
Palais. 1858 erwarb König Friedrich Wilhelm IV.
den Besitz. Spätestens seit 1861 war hier der Wohn-
und Amtssitz des Ministers des Königlichen Hauses,
dem die Verwaltung des königlichen Privatvermögens
oblag. Nach dem Fall der Monarchie wurde das Palais 1919 Sitz der
Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Friedrich Ebert
residierte hier bis 1925, sein Nachfolger Paul von Hindenburg bis 1934.
Der Reichspräsident war das Staatsoberhaupt der
Republik. Er führte den Oberbefehl über die Streit-
kräfte, konnte Gesetze ausfertigen und verkünden,
den Reichskanzler ernennen und entlassen sowie den
Reichstag auflösen. Nach Artikel 48 der Weimarer
Verfassung konnte er im Fall einer Gefährdung
der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sogenannte Not-
verordnungen erlassen und wesentliche Grundrechte
außer Kraft setzen. Von diesem Recht machte Hinden-
burg seit 1930 zunehmend Gebrauch und trug so
zum Sturz der Weimarer Republik und zum Aufstieg
Adolf Hitlers bei.
Nach Hindenburgs Tod im August 1934 vereinigte
Hitler das Amt des Reichspräsidenten mit dem des
Reichskanzlers in seiner Person. Fortan diente das
Palais nur noch repräsentativen Zwecken. Seit 1939 nutzte Reichsaußen-
minister Joachim von Ribbentrop das Haus als Dienstwohnung.
Die DDR erklärte das am Ende des Zweiten Weltkriegs stark zerstörte
Palais zum Kulturerbe, und erwog seinen Ausbau
zum Gästehaus des Magistrats. 1960 erfolgte der
Abriß. Ende der 1980er Jahre ließ die DDR hier
Plattenbauten errichten. Das ehemalige Gartengrund-
stück des Palais ist heute Teil des Denkmals für die
ermordeten Juden Europas.
In 1737 the Earls of Schwerin built a palace here.
King Friedrich Wilhelm IV bought the property in
1858. By 1861 the building had become the resi-
dence and offices of the Minister of the Royal House,
who administered the royal family's private property.
After the fall of the monarchy the palace was the of-
ficial residence of the Reich President of the Weimar
Republic. Friedrich Ebert resided here until 1925,
and his successor Paul von Hindenburg until 1934.
The Reich President was the head of state of the Republic. He was
supreme commander of the armed forces and had the power to sign
and promulgate laws, appoint and dismiss the Reich
Chancellor and dissolve the Reichstag. Paragraph
48 of the Weimar Constitution enabled him to issue
emergency regulations in case of danger to public
security and order, and to repeal important basic
laws. From 1930 Hindenburg made increasing use
of these powers, which contributed to the collapse
of the Weimar Republic and the rise of Adolf Hitler.
After Hindenburg's death in August 1934, Hitler
amalgamated the offices of the Reich President and
Reich Chancellor and took on the post himself. From
then on the palace was only used for state occasions.
From 1939 Reich Foreign Minister Joachim von
Ribbentrop used the building as his government
apartment.
The palace was badly damaged in the Second World War. After the war
the East German state gave it cultural heritage status and considered
rebuilding it as a guesthouse for Berlin City Council; but it was eventu-
ally demolished in 1960. At the end of the 1980s the East Germans built
prefab high-rise blocks here. Today the site of the old palace gardens has
become part of the Memorial to the Murdered Jews of Europe.
Die Informationstafel ist Teil der „Geschichtsmeile Wilhelmstraße“, initiiert von der Stiftung Topographie des Terrors, die entlang der Wilhelmstraße an 30 Stationen die Geschichte der Gebäude des historischen Regierungsviertels präsentiert. Eine Übersicht ist hier verfügbar.
Die Ausstellung wurde 1996 im Auftrag des Senators für Bauen, Wohnen und Verkehr konzipiert und 2007 mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erweitert sowie umfassend überarbeitet. Die Gestaltung lag bei Helga Lieser.
Ganz oben auf der Gedenktafel befindet sich eine Abbildung des Reichpräsidentenpalais mit der Bildunterschrift: „Das Reichpräsidentenpalais, um 1924“ von der Stiftung Topographie des Terrors. Rechts darunter ist ein Bild des Festsaals des Palais mit der Bildunterschrift: „Der Festsaal im Reichspräsidentenpalais, um 1919“ aus dem Bundesarchiv Koblenz. Direkt darunter befinden sich drei weitere Abbildungen einmal ein von einem Auto Bildunterschrift: „Letzter Besuch von Kaiser Wilhelm II. im Reichspräsidentenpalais, 1918“ aus dem Uhu, Heft vom 12. September 1931, danach eine Abbildung der Ernennung Hitlers zum Reichspräsidenten mit der Bildunterschrift: „Hitler verläßt nach seiner Ernennung zum Reichskanzler das Reichpräsidentenpalais, 30. Januar 1933“ aus der Bayerischen Staatsbibliothek München. Und nicht zuletzt ganz unten rechts ein weiteres Bild des Reichspräsidentenpalais mit der Bildunterschrift: „Das zerstörte Reichspräsidentenpalais, um 1950“ aus dem Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin.

