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Informationsschild mit Text und historischen Fotos zu Wilhelmstraße 72 hinter Glas in einem blauen Rahmen an einem Straßenrand mit parkenden Autos und Bäumen im Hintergrund
Straßenszene mit großem Baum, Informationstafel, mehreren geparkten Autos, einem Fahrrad an einem Schildpfosten und zwei Fußgängern auf dem Gehweg vor einem mehrstöckigen Wohngebäude

Wilhelmstraße 72

Map Wilhelmstraße 72

Wilhelmstraße 72

Das 1735 errichtete Palais wurde 1816 vom preußischen
König Friedrich Wilhelm III erworben. Bis
1918 war es Wohnsitz von Hohenzollern-Prinzen.
Anschließend bezog das Reichsministerium für
Ernährung und Landwirtschaft das Gebäude. Es
übernahm auch die im Garten stehende, von den königlich preußischen
Hofmarschällen genutzte Villa. Sie war bis 1933 Dienstwohnung der
Reichsernährungsminister. Anschließend wurde sie
von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels
genutzt. Dieser ließ das Haus 1937 abreißen und
durch einen Neubau ersetzen.
Im Juni 1933 übernahm Reichsbauernführer Walther
Darré das Ministerium. Er leitete auch das SS-Rasse-
Siedlungshauptamt und galt als Theoretiker der
nationalsozialistischen Agrarpolitik. Er prägte das
Schlagwort »Blut und Boden« und sah im Bauern-
stand den Kern einer neuen ›Herrenrasse‹, den
es zu stärken galt. Diesen Zweck verfolgte das
1933 verabschiedete Reichserbhofgesetz, das die
Erbteilung landwirtschaftlicher Betriebe und den
Verkauf von Erbhöfen verbot.
Im selben Jahr wurden alle Landwirte und landwirtschaftlichen Verbände
im sogenannten »Reichsnährstand« zusammengeführt, einer von Darré
geleiteten Organisation, durch die er die Kontrolle
über den Agrarsektor gewinnen wollte. Darré verlor
nach Kriegsbeginn erheblich an Einfluss. 1942 wurde
er durch Staatssekretär Herbert Backe abgelöst.
Das Ministerium wurde gegen Kriegsende zerstört
und bis 1962 abgerissen. Das in Mauernähe liegen-
de Grundstück blieb unbebaut. Mitte der 1980er
Jahre begann die DDR an der Wilhelmstraße mit der
Errichtung hochwertiger Plattenbauten. Der ehemalige
Garten ist heute Teil des Denkmals für die ermordeten
Juden Europas.

In 1816 King Friedrich Wilhelm III of Prussia pur-
chased the palace originally built here in 1735. It
was the residence of the Hohenzollern princes until 1918 after which
the Reich Ministry of Food and Agriculture moved in
the ministry also took over the villa in the garden
that had housed the royal Prussian lord chamber-
lains. It was used as the government apartment of
the Reich Minister for Food until 1933, and then by
the Reich propaganda minister, Joseph Goebbels.
In 1937 he had the villa demolished to make way
for a new building
In June 1933 the Reich Farmers Leader, Walther
Darré, took over the Ministry. Darré also headed
the SS Office for Race and Settlement and was
regarded as a theorist of Nazi agricultural policy.
He coined the slogan "Blut und Boden" ("blood
and soil") and saw the peasantry as the core of a
new "master race" that should be strengthened. To promote this the
Reich Hereditary Farm Law was passed in 1933, prohibiting hereditary
farms from being sold or split up through inheritance.
That same year Darré took charge of all the farmers and farming federations, incorporating them into the "Reichsnährstand", a central
authority he set up to take control of the agricultural sector.
After the Second World War began, Darré lost much of his influence;
In 1942 he was replaced by undersecretary Herbert Backe.
The ministry was bombed towards the end of the war and demolished
by 1962. The site, which was near the Berlin Wall, remained vacant
until the mid-1980s when the East Germans started building
prefab high-rise blocks in Wilhelmstraße. Today the grounds [...]
garden have become part of the Memorial to the murdered Jews of Europe.

Die Informationstafel ist Teil der „Geschichtsmeile Wilhelmstraße“, initiiert von der Stiftung Topographie des Terrors, die entlang der Wilhelmstraße an 30 Stationen die Geschichte der Gebäude des historischen Regierungsviertels präsentiert. Eine Übersicht ist hier verfügbar.  

Die Ausstellung wurde 1996 im Auftrag des Senators für Bauen, Wohnen und Verkehr konzipiert und 2007 mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erweitert sowie umfassend überarbeitet. Die Gestaltung lag bei Helga Lieser. 

Teile der Tafel sind aufgrund ihres Alters schwierig zu entziffern, fehlende Passagen sind in der Transkription mit [...] markiert.

Oben ist eine Abbildung des ehemaligen Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, mit der gleichnamigen Bildunterschrift, aus dem Landesarchiv Berlin. Rechts darunter befindet sich ein Bild des Ministers für Ernährung und Landwirtschaft Walter Dorré mit der Bildunterschrift: „Walter Dorré (1895-1953), 1933-1942 Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft [...] 1949 zu [...] Haft verurteilt, [...] 1950“ aus dem Landesarchiv Berlin. Direkt darunter befinden sich drei weitere Abbildungen einmal ein Bild eines Buches mit der Bildunterschrift: „Titelblatt des Buches [...] „Blut und Boden“, München 1920“ aus Privatbesitz, danach eine Abbildung mit der Bildunterschrift: „Reichsernährungsminister Herbert Backer empfängt während des Erntedankfestes Mitglieder des Bundes Deutscher [...] und der Hitlerjugend, 1944“, Bayrische Staatsbibliothek München. Und nicht zuletzt eine weitere Abbildung des Reichsministerium mit der Bildunterschrift. „[...] des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft, 1949. Im Vorder- [...]“. 

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