Wilhelmstraße 65
Map Wilhelmstraße 54
Das von Oberstleutnant Peter Ernst von Pennavaire
1736 errichtete Palais bewohnte seit 1806 der
Hohenzollern-Prinz Ferdinand von Preußen. Sein
Sohn Prinz August ließ das Innere des Hauses bis
1817 durch Karl Friedrich Schinkel umgestalten
1844 ging das Palais in den Besitz des Staates über und wurde Sitz
des preußischen Justizministeriums. 1867 erhielt es ein zusätzliches
Stockwerk. Um die Jahrhundertwende entstand
im Garten der benachbarten Wilhelmstraße 64
ein Erweiterungsbau.
Unter den Nationalsozialisten wurde das preußische
Justizministerium mit dem von Franz Gürtner geführ-
ten Reichsjustizministerium zusammengelegt: Der Sitz
der Behörde befand sich in der Wilhelmstraße 65
Der bis 1941 amtierende Gürtner vereinheitlichte
das Justizwesen. Die von ihm erlassenen Rechtsver-
ordnungen zielten auf eine schärfere Kontrolle der
Bevölkerung und förderten die Entrechtung der Juden
und anderer mißliebiger Personen.
Sein Nachfolger Otto Thierack trat 1942 die Zu-
ständigkeit der Justiz für die Strafverfolgung von »Fremdvölkischen«
(Juden, Zigeuner, polnische und russische Zwangsarbeiter) an den
Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler ab.
Er war auch für die Auslieferung »asozialer« Straf-
gefangener »zur Vernichtung durch Arbeit« in die
Konzentrationslager verantwortlich.
Das Justizministerium wurde im Krieg schwer be-
schädigt und 1950 abgerissen. 1966 entstand hier
ein Kinderspielplatz. Heute befindet sich auf einem
Teil des Geländes eine Ausstellung über die Rolle
der Staatssicherheit in der DDR, auf dem übrigen
Teil entsteht ein Erweiterungsbau für das Bundes-
ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz.
In 1736 Lieutenant-Colonel Peter Ernst von Penna-
vaire erected a mansion on this site; in 1806 it
became the residence of the Hohenzollern Prince
Ferdinand of Prussia. In 1817 his son, Prince August,
commissioned the architect Karl Friedrich Schinkel
to redesign the interior. The Prussian state bought
the building in 1844 and the Prussian Ministry of
Justice moved in. In 1867 another storey, was added,
and around the turn of the 20th century an annex
to the ministry was built in the garden of the adjacent
property, Wilhelmstraße 64.
Under the Nazis the Prussian Ministry of Justice was
merged with the Reich Ministry of Justice headed by
Franz Gürtner. The ministry was based at Wilhelm-
straße 65. Gürtner brought the judicial system into
line. The regulations he enacted aimed at tighter
control of the population and furthered the depriva-
tion of civil rights of Jews and others considered "undesirable"; by the
Nazi regime.
Gürtner held office until 1941. In 1942 his successor, Otto Thierack,
handed over the judicial authority to prosecute "foreign elements"
(Jews, gypsies, Polish and Russian forced laborers) to the Reich SS
Leader and chief of the German police, Heinrich Himmler. Thierack was
also responsible for convicted prisoners regarded as "anti-social"; being
sent to the concentration camps for "extermination through work".
The Justice Ministry was badly damaged in the war and demolished
in 1950. In 1966 a children's playground was built here. Today there
is an exhibition about the role of the state secret police in communist
East Germany on part of the site; the remainder will house an annex
of the German Ministry of Food, Agriculture and Consumer Protection
Die Informationstafel ist Teil der „Geschichtsmeile Wilhelmstraße“, initiiert von der Stiftung Topographie des Terrors, die entlang der Wilhelmstraße an 30 Stationen die Geschichte der Gebäude des historischen Regierungsviertels präsentiert. Eine Übersicht ist hier verfügbar.
Die Ausstellung wurde 1996 im Auftrag des Senators für Bauen, Wohnen und Verkehr konzipiert und 2007 mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erweitert sowie umfassend überarbeitet. Die Gestaltung lag bei Helga Lieser.
Ganz oben befindet sich eine Abbildung des preußischen Justizministeriums mit der Bildunterschrift: „Das Preußische Justizministerium“ aus dem Bundesarchiv Koblenz. Rechts darunter befindet sich eine Abbildung des „blauen Salons“ mit der Bildunterschrift: „Der „blaue Salon“, um 1937, Der von Karl Friedrich Schinkel gestaltete Saal diente den Nationalsozialisten als Sitzungsaal“ aus dem Bundesarchiv Koblenz. Direkt darunter befinden sich drei weitere Abbildungen einmal ein Bild von Franz Gürtner mit der Bildunterschrift: „Franz Gürtner (1881-1941), 1932-1941 Reichsjustizminister“ aus der bayerischen Staatsbibliothek München, danach eine Abbildung von Otto Thierack mit der Bildunterschrift: „Dr. Otto Thierack (1889-1946), 1942-1945 Reichsjustizminister. Er beging 1946 Selbstmord“ aus der bayerischen Staatsbibliothek München. Und nicht zuletzt eine Abbildung des alten Reichsjustizministerium mit der Bildunterschrift: „Blick auf das Reichjustizministerium, 1942“ aus dem Landesarchiv Berlin.

