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Informationstafel mit Text, drei Porträtfotos und einer schwarz-weißen Zeichnung eines Gebäudes, montiert vor einer Sandsteinfassade
Fassade eines historischen Gebäudes mit Säulen und einer Geschichtstafel auf dem Bürgersteig

Wilhelmstraße 64

Map Wilhelmstraße 64

Wilhelmstraße 64

1893 wurde die ehemalige Villa des Bankiers Gerson
von Bleichröder von seinen Erben an den preußischen
Staat verkauft. Dieser ließ auf dem Grundstück einen
Neubau errichten. Zwischen 1900 und 1918 war hier
der Sitz des Geheimen Zivilkabinetts des preußischen
Königs und deutschen Kaisers, das den Geschäftsverkehr zwischen
Monarch und Regierung abwickelte. In der Weimarer Republik gehörte
das Gebäude zum preußischen Staatsministerium.
Von 1922 bis 1932 diente es dem preußischen
Ministerpräsidenten Otto Braun (SPD) als Amts- und
Wohnsitz. 1932 bis 1933 nutzte der Präsident des
Preußischen Staatsrats, der Zentrumspolitiker und
Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer, hier
eine Dienstwohnung.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde
das Gebäude Berliner Amtssitz des Stellvertreters des
Führers Rudolf Heß und seines Stabs, der Gesetze
und Personalentscheidungen auf ihre Übereinstim-
mung mit der nationalsozialistischen Ideologie
zu überprüfen hatte. Auch das von Joachim von
Ribbentrop geleitete Büro Ribbentrop und der Verbindungsstab der
NSDAP, der das Verhältnis zwischen Regierung und Partei regeln sollte,
richteten hier ihre Büros ein. 1941 zog Martin Bormann, Chef der
Parteikanzlei und Nachfolger von Rudolf Heß, ein.
Nach 1945 wurde das teilzerstörte Gebäude instand
gesetzt und als Studentenwohnheim genutzt. Bis 1970
war hier das Staatssekretariat für Fach- und Hoch-
schulwesen der DDR untergebracht, von 1970 bis
1990 der Staatsverlag der DDR.
Nach der Wiedervereinigung wurde das Gebäude
saniert. Seit Januar 2000 befindet sich hier der Ber-
liner Dienstsitz des heutigen Bundesministeriums für
Ernährung und Landwirtschaft.

In 1893 the former town mansion of the banker
Gerson von Bleichröder was sold by his heirs to the
Prussian state, which erected a new building on the premises. Between
1900 and 1918 it housed the Privy Civil Cabinet of the Prussian King
and German Emperor, which handled the business
transactions between the monarch and the govern-
ment.
During the Weimar Republic the building was part of
the Prussian Ministry of State. From 1922 to 1932
Prussian minister president Otto Braun (Social Demo-
crat Party) lived and worked here. From 1932 to
1933 a government apartment here was used by the
president of the Prussian Council of State, Konrad
Adenauer, who was a Center Party politician and
chief mayor of Cologne.
After the Nazis came to power, the "Führer's deputy",
Rudolf Hess, and his staff used the building for their
Berlin office. Its function was to monitor whether laws
and public appointments were in line with Nazi ideology.
The building also housed the Ribbentrop Office under Joachim von
Ribbentrop and the office of the Nazi Party Liaison Staff, which was
formed to regulate the relationship between the government and the
Party. In 1941 Martin Bormann, head of the Party Chancellery and
successor to Rudolf Hess, moved in.
After 1945 the war damage to the building was repaired and it was
used as a student residence. The East German State Secretariat for
Professional Schools and Universities was based here until 1970,
followed by the East German state publishing house up until 1990.
The building was renovated after German reunification. Since January
2000 it has been the Berlin office of the Federal Ministry of Food and
Agriculture.

Die Informationstafel ist Teil der „Geschichtsmeile Wilhelmstraße“, initiiert von der Stiftung Topographie des Terrors, die entlang der Wilhelmstraße an 30 Stationen die Geschichte der Gebäude des historischen Regierungsviertels präsentiert. Eine Übersicht ist hier verfügbar.

Die Ausstellung wurde 1996 im Auftrag des Senators für Bauen, Wohnen und Verkehr konzipiert und 2007 mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erweitert sowie umfassend überarbeitet. Die Gestaltung lag bei Helga Lieser.

Ganz oben befindet sich eine Abbildung des geheimen Zivilkabinetts mit der Bildunterschrift: „Das Geheime Zivilkabinett“. Rechts darunter ist eine Abbildung der Dienstwohnung im Geheimen Kabinett mit der Bildunterschrift: „Die Dienstwohnung des Chefs des Geheimen Zivilkabinetts, Grundriß“ aus der Plansammlung der Technischen Universität Berlin. Direkt darunter befinden sich drei weitere Bilder: erstens ein Bild von Otto Braun mit der Bildunterschrift: „Otto Braun (1872–1955), 1920–1932 Preußischer Ministerpräsident“ aus dem Archiv der sozialen Demokratie, Bonn; danach eine Abbildung von Konrad Adenauer mit der Bildunterschrift: „Konrad Adenauer (1876–1967), 1921–1933 Präsident des Preußischen Staatsrats“ von Ullstein Bild, Berlin; und als drittes eine Abbildung von Rudolf Heß mit der Bildunterschrift: „Rudolf Heß (1894–1987), 1933–1941 Stellvertreter des Führers der NSDAP, 1946 zu lebenslanger Haft verurteilt“ von der Landesbildstelle Berlin.

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