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Gedenktafel für Walter Lübcke mit Audio-Informationen in verschiedenen Sprachen, einem Porträt und Text.
Bronzetafel für Walter Lübcke, umringt von Blumen, Kerzen und einem Porträt von Lübcke.
Bronzetafel mit einem Text über Demokratie und die Ermordung von Walter Lübcke.
Bronzestatue von Walter Lübcke mit einer Hand in der Hosentasche, der anderen ausgetreckt. Umgeben von Kerzen, Blumen und weiteren Andenken.
Bronzestatue von Walter Lübcke steht inmitten von Blumen, Kerzen und weiteren kleinen Andenken.
Eine graue Stele markiert den "Walter-Lübcke-Platz" auf einer Grünfläche vor einer Straße.

Walter Lübcke

Bad Wildungen 22.8.1953 - Wolfhagen-Istha 2.6.2019

Map Corneliusstraße / Klingelhöferstraße

WALTER LÜBCKE
(1953-2019)

Der CDU-Politiker und Regierungspräsident Walter Lübcke war ein Mann von entschiedener Haltung.
Er predigte Menschlichkeit nicht nur — er lebte sie.
Für ihn war Anteilnahme nicht Schwäche, sondern: die Stärke einer freien Gesellschaft.

ERMORDUNG
Am Abend des 1. Juni 2019 saß Walter Lübcke auf der Terrasse seines Hauses in Istha, einem kleinen
Ort bei Kassel. Wenige Minuten später fiel ein Schuss. Ein rechtsextremer Anhänger der AfD erschoss
Walter Lübcke aus nächster Nähe.
Es ist der erste politische Mord an einem aktiven Amtsträger in der Geschichte der Bundesrepublik.
Der Attentäter hatte zuvor für die AfD Wahlplakate aufgehängt, Flyer verteilt, an Veranstaltungen
teilgenommen (u. a. in Chemnitz am 1.9.2018) und Geld an sie gespendet.

SEINE PARTEI
Nach dem Mord war die Betroffenheit groß — und das Schweigen größer. Bundeskanzler Friedrich Merz
schwieg 17 Tage lang, bevor er sich äußerte. Andere in der CDU mahnten zu „Sachlichkeit“. Heute halten
manche Christdemokrat*innen eine Zusammenarbeit mit der AfD für „denkbar“.
Aber wer die Brandmauer zu einer rechtsextremen Partei einreißt, verrät nicht nur Walter Lübcke — er
verrät die Demokratie. Denn Walter Lübcke wurde ermordet, weil er sich von den Extremisten abgrenzte.

ABGRENZUNG ZUR AfD
Laut den Experten Daniel Ziblatt und Steven Levitsky überleben Demokratien überall dort, wo
Konservative sich den Extremisten entschieden in den Weg stellen und sie konsequent von der Macht
fernhalten, statt mit ihnen Gespräche zu führen.
Ziel müsse laut den beiden Autoren sein, jede Zusammenarbeit mit Verfassungsfeinden als unvereinbar
mit der Parteimitgliedschaft zu deklarieren und Politiker*innen auszuschließen, die Verständnis für
extremistische Ansichten zeigen.
In der CDU mehren sich die Stimmen, die die Brandmauer zur AfD einreißen wollen. In vielen Städten in
Brandenburg und Sachsen gibt es eine offene Zusammenarbeit. Kritiker warnen vor einer schleichenden
Normalisierung der Extremisten.
Wer Lübcke kennt, baut Brandmauern. Wer Lübcke ehrt, hält stand.

Die Errichtung des Gedenkorts für Walter Lübcke geht auf eine Initiative des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS) zurück, eines politischen Künstlerkollektivs, das das Mahnmal im Dezember 2025 vor der Parteizentrale der CDU in Berlin‑Tiergarten aufstellte. Die Gedenkstätte wurde am 2. Dezember 2025 offiziell eröffnet. An der Einweihung nahmen verschiedene politische Akteure und Rednerinnen teil, darunter der Publizist Michel Friedman. Ein Grußwort hielt Stefanie Remlinger, die Bezirksbürgermeisterin von Berlin‑Mitte (Bündnis 90/Die Grünen).

Die Gedenktafel für Walter Lübcke ist Element eines mehrteiligen Mahnmals auf einem kleinen Grünstreifen unmittelbar gegenüber dem Gebäude des Konrad-Adenauer-Hauses. Zentrales Element ist eine lebensgroße Bronzefigur Lübckes auf einem schlichten, niedrigen Sockel. Lübcke steht aufrecht, in Alltagskleidung, mit Brille und Schnurrbart; am Revers trägt er einen „Refugees-Welcome“-Pin. In den Sockel ist eine Bronzetafel eingelassen mit der Inschrift:

WALTER LÜBCKE (CDU)
ERMORDET AM 2. JUNI 2019
VON EINEM ANHÄNGER DER
„ALTERNATIVE FÜR DEUTSCHLAND“

Unmittelbar neben der Figur befindet sich die Gedenktafel, die den historischen und politischen Kontext erläutert. Zur linken Seite der Tafel ist unter dem Namen und den Lebensdaten Lübckes in den drei Sprachen Deutsch, Englisch und Spanisch per Knopfdruck eine Audiodatei abrufbar, die über Lübckes Leben, Tod und Partei informiert. Oberhalb des Textes ist das Zitat von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vom 2. Juni 2024 eingelassen:

„Ich habe in den vergangenen Monaten oft an Walter Lübcke gedacht. Er kam mir immer wieder in den Sinn, als wir alle
die Recherchen zu den Vertreibungsphantasien bei jenem Geheimtreffen in der Potsdamer Villa gelesen haben.
Ich glaube, Walter Lübcke hätte sich gefreut zu sehen, wie hunderttausende Menschen im ganzen Land gemeinsam auf die Straße
gegangen sind, um den Rechtsextremen entgegenzutreten. […] Wir bräuchten ihn jetzt hier unter uns.“

Rechts mittig befindet sich ein Foto von Walter Lübcke (Bildnachweis: Regierungspräsidium Kassel, Wikimedia Commons, Lizenz CC BY‑SA 3.0).  Unten rechts ist ein weiteres Zitat zu finden, von Michael Brand (CDU) in seiner Bundestagsrede „Mein Versprechen an Walter Lübcke“ am 27.06.2019:

„Wir werden die Freiheit unserer offenen Gesellschaft
verteidigen, wir werden nicht nachgeben, und wir werden
gewinnen. Das verspreche ich dir, lieber Walter.“

Hinter der Statue ist eine zweite Bronzetafel eingelassen, auf der steht:

DIE TAT TRAF NICHT DEN MENSCHEN ALLEIN, SIE
TRIFFT DAS GANZE LAND. GERICHTET IST DIE
BLUTTAT GEGEN DIE DEMOKRATIE. EIN ANSCHLAG
AUF DIE NATION. EIN VERBRECHEN AN UNS ALLEN.

Ergänzt wird das Ensemble durch eine einfache Sitzbank sowie eine graue Stahlstele mit der Bezeichnung „Walter-Lübcke-Platz“. 

Entgegen der auf der Tafel implizierten Zuschreibung eines Bundeskanzleramts bekleidete Friedrich Merz zum Zeitpunkt des Mords keine staatliche Amts- oder Regierungsposition; seit Juni 2019 war er Vizepräsident des Wirtschaftsrats der CDU e. V.

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