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Stephanie Hüllenhagen

17.9.1893 - Berlin 15.1.1967

Bellermannstraße 14

In diesem Haus lebte von
1933 bis 1967
die Schneiderin
STEPHANIE HÜLLENHAGEN
17.9.1893 - 15.1.1967
Während des Zweiten Weltkrieges
versteckte sie in ihrer Wohnung eine
jüdische Bekannte Dr. Helene Leroi.
Sie konnte sie trotz großer Gefahr
von Januar 1943 bis Kriegsende
vor Deportation und Ermordung be-
wahren.
Berlin 2003

Zur Person der Geehrten schrieb der Vereins Aktives Museum in der Einladung: „Die 1893 in Berlin geborene Stephanie Hüllenhagen, geb. Kaiser, wohnte seit 1933 in der Bellermannstraße 14 in Berlin-Wedding. Die sozialdemokratisch eingestellte Schneiderin nahm im Januar 1943 eine von der Deportation bedrohte jüdische Bekannte, die 1894 geborene Dr. Helene Leroi, in ihrer Wohnung auf. Deren Unterbringung in der kleinen 1-Zimmer-Wohnung mit Außentoilette war sehr schwierig. Gelegentlich hielt sich die Verfolgte, die besonders gefährdet war, da sie keine falschen Papiere besaß, auch bei Bekannten von ihr, Erna und Paul Bothfeld, auch; dies war vor allem wohl dann der Fall, wenn der Ehemann einer Hausbewohnerin in der Bellermannstraße, der bei der SS war, auf Urlaub kam.

Stephanie Hüllenhagen wurde bei ihrer Hilfe von mehreren Personen unterstützt, denn aus eigenen Mitteln wäre es ihr nicht möglich gewesen, die hohen Schwarzmarktpreise zu zahlen, da Helene Leroi als ‚Illegale‘ natürlich keine Lebensmittelkarten besaß.
Eine Hausbewohnerin, Rosa Sichting, half gelegentlich mit Lebensmitteln aus, ebenso wie das Ehepaar Bothfeld. Darüber hinaus stellte Prof. Dr. Fritz Baade, der als Emigrant in der Türkei lebte und der Vater der beiden nach England ausgewanderten Kinder von Helene Leroi war, monatlich 100 Mark zur Verfügung. Auf diese Weise gelang es Stephanie Hüllenhagen, Helene Leroi zwei Jahre und vier Monate lang - bis zum Ende der NS-Herrschaft bei sich zu verstecken und zu versorgen.
Helene Leroi starb 1950; Stephanie Hüllenhagen 1967. Fünf Jahre zuvor, am 8. November 1962, wurde sie vom Westberliner Senat für ihre uneigennützige Hilfe der Verfolgten gegenüber als ‚Unbesungene Heldin‘ geehrt.
Im Frühjahr 2001 wurde sie posthum als ‚Gerechte unter den Völkern‘ durch die israelische Gedenkstätte Yad Vashem ausgezeichnet; die Medaille und Urkunde wurde am 11. Oktober 2001 an ihre Nichte, Prof. Hanna Papanek aus Boston/USA, überreicht.“

Zur Enthüllung am 13. November 2003 sprachen Christine Fischer-Defoy (Vorsitzende des Vereins Aktives Museum), Barbara Kisseler (Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung), Volker Hobrack (Vorsitzender der Gedenktafelkommission des Bezirks Mitte), Prof. Hanna Papanek (Nichte von Stephanie Hüllenhagen), Beate Kosmala (Zentrum für Antisemitismusforschung). Anwesend waren weiterhin Susan und Andrew Benesch (Enkel von Helene Leroi) aus den USA und Rabbiner James Baaden aus London (Enkel von Fritz Baade). Die Bronzetafel wurde durch Spenden der Mitglieder und Freunde des Vereins Aktives Museum ermöglicht. Ursprünglich war ihre Anbringung bereits für den 15. Januar 2003 vorgesehen.

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