Simon Dubnow
Map Ruhlaer Straße 8
10.9.1860 - 8. 12. 1941
Russisch-jüdischer Historiker,
Begründer des Autonomismus, Wegbereiter einer
jüdischen Diasporavertretung, verwirklicht 1936
im Jüdischen Weltkongress.
Seine »Weltgeschichte des jüdischen Volkes«
erschien 1925-1929 in Berlin.
Hier lebte er von 1930 bis 1933 mit seiner Frau
Ida Dubnow, geb. Frejdlin.
Er wurde von den Nazis im Rigaer Ghetto ermordet.
Die Berliner Gedenktafel wurde am 24. August 2026 enthüllt, sie ist an der Hausfassade rechts von der Eingangstür befestigt. Zur Enthüllung sprachen Alexander Straßmeir, Staatssekretär für Gesellschaftlichen Zusammenhalt; Prof. Dr. Jörg Deventer, Stellvertreter der Direktorin, Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow und Prof. Dr. Gertrud Pickhan, Historikerin.
Den Text der Gedenktafel verfasste Dr. Grit Jilek.
1922 floh der 62-jährige jüdische Historiker Simon Dubnow mit seiner Frau Ida vor Hunger, Not und politischer Verfolgung aus Sowjetrussland nach Berlin, dem Zentrum der russisch-jüdischen Emigration und Brücke zwischen West- und Ostjudentum. Hier vollendete er sein Hauptwerk, die zehnbändige „Weltgeschichte des jüdischen Volkes“ (1925–1929) – doch mit wachsender Sorge sah er den Aufstieg des Nationalsozialismus.
Geboren 1860 in Mstislawl, hatte er als junger Mann mit der rabbinischen Orthodoxie gebrochen; dort schloss er sich einem Aufklärungskreis im Hause von Ida Frejdlin, seiner späteren Frau, an. Ausgangspunkt seines Lebenswerks war ein historischer Fund: die Protokollbücher der Gemeinden, der Kreisräte, des Vierländerrates und des Parlaments der Juden Litauens. Darin sah er eine jahrhundertealte Fähigkeit zur jüdischen Selbstorganisation in der Diaspora – Grundlage seines Autonomismus: säkulare Selbstverwaltung, abgesichert durch Minderheitenrechte. Fast zwangsläufig führte dies in die Politik: 1906 gründete er die Folkspartei, deren Forderungen sich weiterverbreiteten und später die Weimarer Jüdische Volkspartei prägten. Er unterstützte die Arbeit des Comité des Délégations Juives für Minderheitenrechte auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 und wurde 1927 in Zürich ins Präsidium des Council for Jewish Minority Rights gewählt. Angesichts des erstarkenden Nationalsozialismus planten Dubnow und Mitstreiter den Jüdischen Weltkongress als Bollwerk gegen den „neuen Kreuzzug des Hakenkreuzes“; seine geplante Eröffnungsrede musste 1932 in Genf aus gesundheitlichen Gründen verlesen werden.
Von der Ruhlaer Straße 8 aus wirkte er in Berlin als Unterstützer des YIVO und Verfechter jüdischer und allgemeiner Minderheitenrechte, bevor er 1933 mit Ida nach Riga floh. Dort starb ein Jahr später seine „rebellische Gefährtin“ aus Jugendtagen – die hochgebildete Frau, die ihm bei seiner historischen Forschungsarbeit half. Dubnow vollendete in Riga die russische Weltgeschichte und seine Memoiren, bevor er 1941 bei der Liquidierung des Rigaer Ghettos durch die deutschen Nazis und ihre lokalen Helfershelfer ermordet wurde.




