Rudolf Bahro
Map Streustraße 53
RUDOLF BAHRO
18.11.1935 – 5.12.1997
Philosoph Dissident Politiker
Mit seinem 1977 in der Bundesrepublik erschienenen Buch
»Die Alternative« übte Bahro scharfe Kritik an der DDR,
die zu seiner Verhaftung führte und ihn weithin bekannt machte.
1978 verurteilt, verließ er nach seiner Amnestie 1979 die DDR.
Bis 1985 prägte Bahro »Die Grünen«. Auch nach dem Parteiaustritt
widmete er sich sozialökologischen Ideen und deren Umsetzung.
Die Gedenktafel wurde am 26. Oktober 2026 im Beisein zahlreicher Gäste enthüllt. Grußworte kamen von Cerstin Richter-Kotowski, Staatssekretärin für Kultur, Stefan Hadré, Finanzvorstand der GASAG AG, sowie Evelyn Zupke, SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag. Die Laudatio hielt Dr. Guntolf Herzberg, Philosoph. Der Gedenktafeltext stammt von Ines Weber, Sozialwissenschaftlerin.
Rudolf Bahro war überzeugter Sozialist und deshalb ein für die DDR unbequemer Kritiker des real existierenden Sozialismus. Schon als Student forderte er 1956 eine konsequente Entstalinisierung im Sinne des XX. Parteitags der KPdSU, zehn Jahre später beendete die eigenmächtige Veröffentlichung eines Textes von Volker Braun seine Karriere als Chefredakteur des „Forum“. Endgültig mit dem System, nicht aber mit der sozialistischen Idee, brach er nach der Niederschlagung des Prager Frühlings. Fortan schrieb er an seiner „Alternative“, die 1977 in der Bundesrepublik erschien, die Strukturen in der DDR theoretisch erklärte und Ansätze zu ihrer Demokratisierung entwickelte. Interviews mit ARD und ZDF sowie ein vorab im SPIEGEL abgedruckter Auszug führten am 23. August 1977 zu Bahros Verhaftung, die international Proteste auslöste. Zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, wurde er anlässlich des 30. Jahrestages der DDR amnestiert und reiste im Oktober 1979 in die Bundesrepublik aus.
Dort wurde er rasch zu einer prägenden Figur der entstehenden Partei DIE GRÜNEN, in der er sich für eine grundlegende Abkehr vom Wachstums- und Kapitalismusdenken sowie für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen einsetzte. Nach seinem Parteiaustritt diskutierte und erprobte er in Worms und der Eifel kommunitäre und ökospirituelle Ansätze. Im Dezember 1989 sprach er auf Einladung seines früheren Anwalts Gregor Gysi auf dem Sonderparteitag der SED/PDS über eine grundlegend andere Wirtschaftspolitik, hat die Genossen aber nicht von seinen Standpunkten überzeugen können. Nach der Wende setzte Bahro sein Engagement in Berlin als außerplanmäßiger Professor am neu gegründeten Institut für Sozialökologie an der Humboldt-Universität fort und rief das LebensGut Pommritz in Bautzen ins Leben. Bis zu seinem Tod plädierte Bahro für eine grundlegende Umgestaltung der Lebens- und Wirtschaftsweise, um die drohende ökologische Katastrophe abzuwenden. Bahro liebte klassische Musik und verfasste zeit seines Lebens Gedichte. Am 5. Dezember 1997 starb er in Berlin.






