Pekinger Platz
Map Pekinger Platz
Die Benennung des Pekinger Platzes 1905 sollte an die vermeintlichen Heldentaten der deutschen und anderer imperialer Truppen im Jahr 1900 in China erinnern. Anlass für deren Militäraktionen war die Belagerung des internationalen Gesandtschaftsviertels in Beijing durch die Yihétuán 義和團 Boxertruppen [durchgestrichen: Wort] und Soldaten der Qing-Regierung. Diese Belagerung ist als Widerstand gegen christliche Missionierung und Kolonisierung einzuordnen. Mit einer Umbenennung des Platzes - zum Beispiel nach Lin Hei´er (林黑兒), einer Anführerin des antikolonialen Widerstands - könnte ein dekolonialer Perspektivwechsel auf diese Ereignisse im öffentlichen Raum verankert werden.
The naming of Pekinger Platz (Beijing Square) in 1905 was intended to commemorate the supposed heroic deeds of German and other imperial troops in China in 1900. The pretext for their military campaigns was the siege of the international envoy quarter in Beijing by the Yihétuán 義和團 Boxertruppen [deleted: word] [boxer militia] and soldiers of the Qing government. This siege can be classified as resistance against Christian missionary work and colonization. Renaming the square - for instance after Lin Hei´er (林黑兒), a woman anti-colonial resistance leader - could establish a decolonial shift in perspective on these events within public spaces.
Yihétuán 義和團 wird mit „Verband für Gerechtigkeit und Harmonie“ übersetzt. Ein anderer Begriff ist Yihéquán 義和群 „Fäuste für Gerechtigkeit und Harmonie“.
Yihétuán 義和團 is translated as “Movement of Associations for Justice and Harmony”. A different name is Yihéquán 義和群 “Society of Righteous and Harmonious Fists”.
PERSPEKTIVWECHSEL
NEW PERSPECTIVES
Bereits seit dem ersten Opiumkrieg (1839-1842) war die chinesische Bevölkerung kolonialrassistischer Gewalt durch imperiale Mächte ausgesetzt. 1900 schlossen sich Großbritannien, Frankreich, das Deutsche Reich, Japan, Russland, die USA, Italien und Österreich-Ungarn zu einer imperialistischen Allianz zusammen, um ihre Interessen in und ihren Zugriff auf China gemeinsam durchzusetzen. Ihre Militäraktionen richteten sich im Anschluss an die Kämpfe um das Gesandtenviertel nicht nur gegen die Yihétuán und das chinesische Militär, sondern auch gegen die unbeteiligte Bevölkerung. Bis zur Unterzeichnung des Boxer-Protokolls [durchgestrichen: Wort] 1901 wurden in Nordchina tausende Chines*innen verletzt und ermordet, Kulturgüter zerstört und geplündert.
Imperial powers had already subjected the Chinese population to colonial-racist violence since the First Opium War (1839-1842). In 1900, Great Britain, France, the German Reich, Japan, Russia, the USA, Italy, and Austria-Hungary formed an imperial alliance in order to assert their interests and their access to China together. In the wake of the fights for the envoy quarter, their military campaigns were not just directed against the Yihétuán and the Chinese military, but also against uninvolved civilians. Before the Boxer-Protokolls [deleted: word] [Boxer Protocol] was signed in 1901, thousands of Chinese were injured or murdered in Northern China, cultural goods were destroyed and plundered.
1901 wurde vom Chinesischen Kaiserreich und der imperialen Allianz der acht Nationen das Boxer-Protokoll [durchgestrichen: Wort] zu Ungunsten Chinas unterschrieben. China musste unter anderem 450 Millionen Taels Silber an die imperialen Mächte zahlen.
In 1901, the Boxer-Protokoll [deleted: word] (Boxer Protocol) was signed by the Chinese Empire and the imperial alliance of the eight nations, to the detriment of China. China had to pay 450 million taels of silver to the imperial powers, among other things.
Die Tafel steht auf einem steinernen Sockel. Die Tafel zeigt im Hintergrund eine Fotographie der Yihétuán (Boxertruppen) aus dem Jahr 1900 in Beijing, welches kleiner auch auf der rechten Tafelhälfte abgebildet ist (Bildnachweis Album/Universal Images Group/Pictures From History). Auf der linken Tafel regt ein Text zur Neubennung des Platzes an, da der ehemalige Text die vermeintlichen Heldentaten imperialer Truppen zelebriert. Stattdessen wird eine Neubennung nach Lin Hei´er, einer Anführerin des antikolonialen Widerstands, angeregt. Auf der rechten Tafelhälfte wird zudem zu einem Perspektivwechsel angeregt, wobei in einem Text die kolonialrassistische Gewalt der imperialen Mächte thematisiert wird.
Zudem ist auch ein Bild von: „Lin Hei´er, die Anführerin der Roten Laternen, und ihre Mitkämpferinnen“ (Bildnachweis Wikimedia Commons, Bildtitel: 紅燈照的領袖黃蓮聖母和諸仙姑仙女) abgebildet. Die Gedenkstele wurde mit fünf weiteren am 25.09.2025 im Rahmen des Projektes „Dekoloniale – was bleibt?“ des Teams Erinnerungsort Kolonialismus am Stadtmuseum Berlin unter dem Namen „Wege des Erinnerns“ enthüllt.

