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Ansicht Gedenktafel Otto Weidt
Ansicht Gedenktafel Otto Weidt - Bild 1
Ansicht Gedenktafel Otto Weidt - Bild 2

Otto Weidt

Rostock 2.5.1883 - Berlin 22.1.1947

Map Otto-Weidt-Platz

OTTO WEIDT
1883-1947
Otto Weidt wird 1883 in Rostock geboren
und wächst in armen Verhältnissen auf.
In Berlin erlernt er den Beruf des Malers
und Vergolders. Zu Beginn des 20. Jahr-
hunderts knüpft Otto Weidt Kontakte zur
anarchistischen Bewegung und engagiert
sich einige Jahre lang politisch sehr
aktiv. Er bezeichnet sich zeitlebens selbst
als „individualistischen Anarchisten“.
Otto Weidt heiratet 1913 in erster Ehe und
wird Vater von zwei Söhnen. Im Ersten
Weltkrieg gelingt es ihm, sich dem Dienst
mit der Waffe zu entziehen. Seine Bemü-
hungen, sich als Tapezierer und Deko-
rateur in Berlin zu etablieren, scheitern.
1936 heiratet er in dritter Ehe die 1902
geborene Else Nast. Auch sie stammt aus
armen Verhältnissen.

Nach seiner fast vollständigen Erblindung
wird Otto Weidt Bürstenmacher und
eröffnet 1939 eine erste Werkstatt in
Berlin-Kreuzberg. Da der Platz dort kaum
ausreicht, bezieht die Blindenwerkstatt
1940 die deutlich größeren Räume in der
Rosenthaler Straße 39.

Otto Weidt ist entschiedener Gegner des
Nationalsozialismus. Er beschäftigt haupt-
sächlich Juden und Jüdinnen. Viele von
ihnen sind seh- oder hörbehindert. Er ver-
sucht, ihnen das Leben unter dem natio-
nalsozialistischen Regime zu erleichtern.
Als er sie auch mit List und Bestechungen
nicht mehr vor der Deportation bewahren
kann, organisiert er Verstecke für einige
von ihnen. Er baut einen Kreis von
Helferinnen und Helfern auf, mit dessen
Unterstützung mehrere Menschen
überleben können.

Nach dem Krieg unterstützen Else und
Otto Weidt den Aufbau eines jüdischen
Kinder- und Altersheimes in Berlin-Nieder-
schönhausen. Otto Weidt stirbt im Dezem-
ber 1947 im Alter von 64 Jahren. Er wird
1971 posthum von der israelischen Gedenk-
stätte Yad Vashem als „Gerechter unter
den Völkern“ geehrt. Else Weidt stirbt 1974
im Alter von 71 Jahren.

In den ehemaligen Werkstatträumen
befindet sich heute das Museum Blinden-
werkstatt Otto Weidt.

OTTO WEIDT
1883-1947
Otto Weidt was born in Rostock in 1883
and grew up in poverty. He trained as a
painter and gilder in Berlin. At the begin-
ning of the 20th century, Otto Weidt
forged contacts to the anarchist move-
ment and was very politically active for
several years. He referred to himself as an
“individualist anarchist” throughout his life.
Otto Weidt married his first wife in 1913
and became the father of two sons.
During the First World War, he managed
to avoid military service. His attempts to
establish himself as a wallpaper-hanger
and decorator in Berlin failed. In 1936
he married his third wife, Else Nast, born
1902. She too came from a poor family.

After loosing his sight almost entirely, Otto
Weidt became a brush-maker and opened
his first workshop in Berlin-Kreuzberg
in 1939. Since there was barely enough
space there, the workshop for the blind
moved into significantly larger premises
at Rosenthaler Straße 39 in 1940.

Otto Weidt was resolutely opposed to
National Socialism. He employed mainly
Jewish workers. Many of them were
visually impaired or hard of hearing.
He attempted to make their lives under
the National Socialist regime easier.
When he could no longer protect them
from deportation through stealth and
bribery he arranged hiding places for
a number of them. He build up a circle
of helpers, with whose help several
people survived.

After the war Else and Otto Weidt sup-
ported the establishment of a Jewish
home for children and old people in
Berlin-Niederschönhausen. Otto Weidt
died in december 1947 at the age of 64.
The Israeli Holocaust memorial center
Yad Vashem honored him as Righteous
Among the Nations posthumously in 1971.
Else Weidt died in 1974 at the age of 71.

The former workshop premises now house
the Museum Otto Weidt’s Workshop for
the Blind.

Im Kopf der Stele steht
OTTO WEIDT
1883-1947

Der Text ist jeweils zweispaltig auf der Südseite der Stele in deutscher, auf der Nordseite in englischer Sprache. Er steht unter einem Foto mit den Bildunterschriften: 
Belegschaft der Blindenwerkstatt Otto Weidt
in der Rosenthaler Straße 39 in Berlin, 1941

Otto Weidt’s Workshop for the Blind
at Rosenthaler Straße 39, Berlin, 1941.

Rechts neben dem Text befindet sich jeweils ein Foto Weidts. Bildunterschriften: 
Otto Weidt, Berlin, um 1943

Otto Weidt, Berlin, around 1943.

Die fast zweieinhalb Meter hohe Stele steht am Otto-Weidt-Platz, neben der Heidestraße. Der Öffentlichkeit übergeben wurde sie feierlich am Montag, dem 9.3.2026, um 14 Uhr, in Anwesenheit von ca. 40 Gästen.  Ein Grußwort kam von der Staatssekretärin für Kultur, Cerstin Richter-Kotowski. Laudatorin war Dr. Karoline Georg, Leiterin des Museums Blindenwerkstatt Otto Weidt.

Der Tag der Einweihung war der vierte Todestag von Inge Deutschkron, die sich für die Erinnerung an ihren Beschützer Otto Weidt unermüdlich engagierte, von der die Initiative zur Bennenung des Platzes nach ihm wie auch der Schaffung der Stele ausging.

Links unter dem Text befindet sich jeweils eine Fassung des Textes in Braille (Blindenschrift). Rechts darunter stehen Sachinformationen zur Stele.

Der Text stammt von Dr. Karoline Georg, die englische Übersetzung von Katy Derbyshire, die Braille-Übersetzung vom Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverband Berlin gegr. 1874 e.V.  Die Gestaltung besorgte Braun Engels Gestaltung, Ulm, im Auftrag der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt und der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Bilder stammen aus der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Neben einem QR-Code befindet sich der Hinweis: Weitere Informationen finden Sie unter https://www.museum-blindenwerkstatt.de/

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