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Gedenktafel aus Glas für Ossip Klarwein mit Text und einem Porträtfoto Klarweins.
Eine Person steckt Blumen in den Zaun neben der Fassade, an der die Gedenktafel hängt. 3 Personen schauen zu.
Jacqueline Hénard enthüllt die Gedenktafel, mehrere Personen schauen zu.
Mehrere Menschen stehen in einem Kreis um die Gedenktafel herum auf einem Gehweg.

Ossip Klarwein

Warschau 6.2.1893 - Jerusalem 9.9.1970

Map Joachim-Friedrich-Straße 47

Zur Erinnerung an
Ossip Klarwein
6. Februar 1893 - 9. September 1970

Der jüdische Architekt Ossip (auch: Joseph) Klarwein, in
Warschau geboren und aufgewachsen, lernte seinen Be-
ruf in Mainz, in München und ab 1921 bei Hans Poelzig an
der Technischen Hochschule Berlin. 1924 heiratete er
in Charlottenburg die evangelische Arbeitertochter und
Opernsängerin Martha Elsa Kumme.
Ende 1926 war Klarwein beruflich etabliert. Als Chefarchitekt im Büro von
Fritz Höger, dem bedeutendsten Vertreter des norddeutschen Backstein-
expressionismus, entwarf er unter anderem die ikonische Kirche am Hohen-
zollernplatz in Berlin-Wilmersdorf, die im Volksmund als »Kraftwerk Gottes«
bekannt ist.
Zum 1. Januar 1933 wurde er vom NSDAP-Mitglied Höger pro forma entlassen,
tatsächlich aber von ihm weiterhin mit Aufgaben betraut. Im November des-
selben Jahres emigrierte Klarwein aufgrund der fehlenden Perspektive im
nationalsozialistischen Deutschland ins Britische Mandatsgebiet Palästina.
Dort baute er neben Wohnhäusern auch Friedhofsanlagen, Bildungseinrich-
tungen, Industrie- und Verwaltungsgebäude. Sein bekanntestes Bauwerk ist
die Knesset, das israelische Parlament.
Von 1921 bis 1933 hatte Ossip Klarwein eine Wohnung in Berlin, zuletzt hier
im kriegszerstörten Nachbargebäude, der Joachim-Friedrich-Straße 47.
19.6.2025

Die Gedenktafel wurde am 19. Juni 2025 vor dem ehemaligen Wohnhaus Ossip Klarweins feierlich enthüllt. Da das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Haus heute nicht mehr existiert, ist die Tafel an der Fassade des angrenzenden Nachbarhauses angebracht.

Redebeiträge hielten die Initiatorin der Tafel, die Journalistin und Publizistin Jacqueline Hénard sowie Nora Hogrefe und Anna-Lena Janßen vom Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V., welcher sogleich die Umsetzung der Tafel realisierte.

Die Gedenktafel ist Teil eines umfassenden Ausstellungsprojekts zu Ossip Klarweins Werk und Geschichte. Vom 19. Juni – 16. Oktober 2025 wurde die erste monographische Ausstellung über den bedeutenden Architekten in der nach seinem Entwurf entstandenen Kirche Am Hohenzollernplatz gezeigt.

Die Gestaltung der Gedenktafel übernahm Petra Müller (museumsfreunde).

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