Ofenbaufirma H. Kori GmbH
Map Dennewitzstraße 27-34
FIRMA KORI UND DER
NATIONALSOZIALISTISCHE
MASSENMORD
Die Dennewitzstraße 35 war seit 1905 Sitz der H. Kori GmbH.
Das von Heinrich Kori 1887 gegründete Unternehmen
produzierte neben Zentralheizungen auch Öfen zur Müll-
verbrennung. Letztere eigneten sich für infektiöse Abfälle
aus Krankenhäusern und Schlachthöfen.
Schon 1920 entwarf die Firma raum-
und kohlesparende “Reformöfen” für
Krematorien, die eine effizientere
Verbrennung in direktem Feuerkontakt
vorsahen. Diese entsprachen jedoch nicht
den gesetzlichen Pietätsvorgaben der
Einäscherung menschlicher Leichen in
heißer Luft.
Ab 1939 entwickelte sich Kori zu einem
Partner des nationalsozialistischen
Regimes. Die Firma bot an, ihr Verfahren
der direkten Feuerverbrennung auch für Leichname
einzusetzen. Kori installierte Öfen in sechs Krankenmord-
stätten, in denen Menschen mit geistigen, psychischen
oder körperlichen Beeinträchtigungen umgebracht wurden.
In rund 20 Konzentrations- und Vernich-
tungslagern wurden mit Hilfe der Öfen
Spuren des Genozids und millionenfachen
Massenmords beseitigt. Das Unternehmen
H. Kori beteiligte sich so neben der
Firma Topf & Söhne aus Erfurt an
den nationalsozialistischen Verbrechen und
förderte diese mit der Entwicklung
effizienterer Techniken.
Nach 1945 integrierte sich das Unter-
nehmen nahtlos in die westdeutsche
Wirtschaft und baute Heizungs- und
Lüftungsanlagen. Erst 1962 kam mit der
Publikation “Wir haben es gesehen”
die Mittäterschaft öffentlich zur Sprache. Die sich anschlie-
ßende Debatte währte aber nur kurz und blieb folgenlos.
In den 1970er Jahren zog die H. Kori GmbH nach Neukölln,
1999 meldete sie Insolvenz an. Das Gebäude in der
Dennewitzstraße wurde im Rahmen von Maßnahmen
der Stadterneuerung abgerissen, die Hausnummer 35
existiert heute nicht mehr.
Über dem Text und in diesen integriert befinden sich drei Fotos/Abbildungen. Deren Bildunterschriften lauten (v. o. n. u.):
Ein Kori-Ofen im ehemaligen
KZ Bergen-Belsen, 1945
Dennis Hardy
Fassade des Firmengebäudes in der
Dennewitzstraße 35, undatiert, vor 1945
Privatbesitz
Cover des bei Rütten & Loening
erschienenen Buchs von Gerhard
Schoenberner
Karl Horting
Unter dem Text befindet sich ein QR-Code und der Hinweis (auch in Blindenschrift):
Weitere Informationen
auf der Webseite
www.berlin.de/ba-ts/gedenktafeln
Auf dem linken, rot gehaltenen Teil der Tafel steht senkrecht von unten nach oben: Erzählen / Erinnern / Gedenken und TEMPELHOF-SCHÖNEBERG
Enthüllt wurde die an einem Metallpfosten befestigte Tafel am 20.3.2026 am Zugangsweg zum Gleisdreieckpark in der Verlängerung der Kurfürstenstraße.
