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Informationstafel mit historischen Fotos und Texten zum Großen Bunkerberg Mont Klamott im Volkspark Friedrichshain, umgeben von Graffiti
Parkteich mit Springbrunnen und von Bäumen umgebener Uferpromenade unter blauem Himmel

Mont Klamott

Map Am Schwanenteich

»Mont Klamott« - der »Große Bunkerberg« im Volkspark Friedrichshain

Zwei Anhöhen prägen den Volkspark Friedrichshain:
der Kleine Bunkerberg, 48 Meter hoch, und der
Große Bunkerberg, auch »Mont Klamott« genannt,
78 Meter hoch. Unter ihrem Grün verbergen sich die
Reste des Flakbunkers Friedrichshain und die nach
dem Zweiten Weltkrieg aufgeschütteten Trümmer der
umliegenden Stadtviertel.

Der Flakbunker Friedrichshain war Bestandteil der
Kriegsführung der NS-Diktatur, die den Zweiten
Weltkrieg 1939 begonnen hatte und mit ihm Europa
in ein Trümmerfeld verwandelte. Von April bis Sep-
tember 1941 wurde der Friedrichshainer Flakbunker
als einer von drei Berliner Flakbunkern errichtet; die
beiden anderen standen im Humboldthain und am
Zoo. Der Bunker im Volkspark Friedrichshain bestand
aus zwei Türmen: dem mit schweren Flakgeschützen
(Flugabwehrkanonen) bestückten Geschützturm und
dem kleineren Leitturm. Die Besatzungen sollten
feindliche Flugzeuge orten und abschießen. Außerdem
boten die Türme Schutzraum für die Zivilbevölkerung
der Umgebung. Über 50.000 Menschen fanden hier
während der Bombenangriffe einen sicheren Ort. Im
Leitturm befand sich seit Herbst 1942 ein Depot für
aus den Berliner Museen ausgelagerte Kunstwerke.

Auf den Flakstellungen wurden Jugendliche einge-
setzt, häufig noch halbe Kinder der Jahrgänge 1926
bis 1928, die an den Geschützen Krieg führten: Offi-
ziell »Luftwaffenhelfer« genannt, ersetzten sie oftmals
erwachsene Soldaten. Als »letztes Aufgebot« der NS-
Diktatur waren die Jungen der »Flakhelfergeneration«
Täter und Opfer zugleich. Aber auch Frauen und
Kriegsgefangene gehörten zu den Bunkerbesatzun-
gen.

1946 wurden die Bunker gesprengt. Der Landschafts-
architekt Reinhold Lingner entwarf eine Grünanlage,
»die Trümmerfrauen« schütteten bis 1950 die neuen
Berge auf: »Die Mütter dieser Stadt hab'n den Berg
zusamm gekarrt ... «, sang die Gruppe Silly später, und
der Sänger Wolf Biermann erinnerte sich an den »Früh-
ling auf dem Mont Klamotte«:

»Der Winter lag im Sterben, wir lebten immer noch.
Aus Mietskasernen dampfte ein warmer Nebel hoch.
Die Schornsteine erbrachen den fetten gelben Rauch.
Und aus den Hinterhöfen stieg zart ein Frühlingshauch.
Da ging ich mit der Dicken die ersten Kätzchen pflücken
Trotz Magistratsverbot zum Mont Klamott.«

"Mont Klamott" - the Big Bunker Hillock
in Volkspark Friedrichshain
Two raised areas characterise the Volkspark [public park]
Friedrichshain: the Little Bunker Hillock, 48 meters
high and the Big Bunker Hillock, also known as "Mont
Klamott" [Mont Junk], 78 meters high. They hide be-
neath their grass the remains of the Flak Bunker of Frie-
drichshain and the rubble of the surrounding city district,
piled up after the Second World War.
The Flak Bunker of Friedrichshain was a component of
the war making of the NS dictatorship, which had begun
the Second World War in 1939 and with that had trans-
formed Europe into a field of rubble. The Friedrichshain
Flak Bunker was erected between April and September
1941, as one of the three Berlin flak bunkers; the other
two stood in Humboldthain and at the Zoo.
The bunker in the Volkspark consisted of two towers: one
defense tower armed with heavy flak artillery (anti-air-
force cannon) and the smaller command tower. The task
of the personnel was to detect enemy aircraft and shoot
them down. In addition, the towers offered shelter to the
civilian population of the surrounding area. More than
50,000 people found safety there during the bombing
raids. Since autumn 1942 there had also been a depot
in the command tower where artworks rescued from the
Berlin museums were stored.

Young people were deployed in the flak positions, frequent-
ly almost children still, born between 1926 and 1928, who
carried out war with the artillery: officially called "Luft-
waffe Assistants", they often replaced adult soldiers. As
the "Last Draft" of the NS dictatorship, the boys of the
"Flak Assistant generation" were equally culprits and vic-
tims. Women and prisoners of war also formed part of the
bunker personnel.

In 1946 the bunkers were blown up. The landscape ar-
chitect Reinhold Lingner designed a park landscape, the
"Rubble Women" carried on heaping up the new hills un-
til 1950: "The mothers of this city 've carted together the
hills" sang the group Silly later and the singer Wolf Bier-
mann remembered "spring on Mont Klamott":
"Winter was dying, we were still alive.
From tenements a warm fog steamed upward.
The chimneys vomited the yellow greasy smoke,
and from the back courtyards a hint of spring arose gently.
So I went - despite the City Council ban - with the
chubby girl to pick the first catkins on Mont Klamott."

Heinz Reinhardt, Jahrgang 1928 - gestorben im Januar 2012, besuchte die
Mittelschule in Cottbus, Am 11. Januar 1944 wurde er mit seinen Mitschü-
lern als Luftwaffenhelfer einberufen. Nach der Grundausbildung und dem
ersten Dienst in einer Flakscheinwerfereinheit in Berlin-Steglitz wurde er im
September 1944 zur leichten Flak auf den Flakturm im Friedrichshain ver-
setzt. Neben der militärischen Ausbildung erhielten die Jungen dort weiterhin
Schulunterricht.

Wir hatten überlebt. Und deshalb: Nie wieder! Auch der Taschenkalender hat die Gefangenschaft überlebt.

Diese blaue Informationstafel geht zurück auf eine Idee des Landesdenkmalamts. Weitere Tafeln desselben Designs existieren im gesamten Stadtraum Berlins. Die Tafeln sind gerahmt von einem Stahlgestell, die Texte und Bilder befinden sich auf einer beschichteten Kunststoffplatte. 

Die Bildunterschriften entsprechend der Einbettung im Fließtext lauten:
[1] Panorama-Fotografie der Umgebung des Volksparks Friedrichshain, 1942 vom Leitturm aus aufgenommen.
Panoramic photography oft the area around the Friedrichshain
Park, taken from the control tower in 1943.
[2] Der 1941 fertiggestellte Geschützturm erhebt sich
ca. 40 Meter über der Idylle des Volksparks Friedrichshain.
The gun tower, finished in 1941, rises 40 metres above the
idyllic Friedrichshain park.
[3] Fliegeralarm!- Menschen strömen zum Eingang des Flak-
turms Friedrichshain (1944).
Air raid!-people surge toward the entrance of the Flak tower in
Friedrichshain (1944).
[4] Flak auf dem Geschützturm des Bunkers Friedrichshain,
um 1943.
Flak on the defense tower of the Friedrichshain Flak Bunker,
around 1943. 
[5] Der nach erfolgreicher Sprengung am 2 Mai 1946 durch
sowjetische Pioniere in der Mitte zerbrochene Geschützturm
Friedrichshain.
The gun tower in Friedrichshain, split down the middle after
Soviet military engineers succesfully blew it up on
2nd May 1946.
[6] Anwohner auf dem Trümmerberg des Bunkers im Juni 1946,
im Hintergrund eine Zwillingsflak auf einem der Türme.
Residents on the rubble hill of the bunker in June 1946, in the 
back- ground a double-flak-cannon on one of the towers.
[7] Eine Feldlorenbahn wurde 1947 zur Übererdung der Bun-
kerruinen im Friedrichshain mit Trümmerschutt eingesetzt.
A train system was used in 1947 in order to cover the bunker
ruins in Friedrichshain with rubble.
[8] Im Inneren der heutigen Ruine: Stalaktiten an den Unterzügen im
4. Obergeschoss des Geschützturms Friedrichshain.
Inside the ruin today: stalactites on the support beams of the 4th floor of
the gun tower in Friedrichshain.
[9] Heinz Reinhardt als Luftwaffenhelfer in Berlin-Steglitz.
Heinz Reinhardt as a "Flak Assistant" in Berlin-Steglitz.
[10] Junge Flakhelfer im Friedrichshain, im Hintergrund der Geschützturm.
Young "Flak Assistant" in the Volks park Friedrichshain, in the background
the defensive tower.

Aus dem Taschenkalender 1945 von Heinz Reinhardt:
26.2. Volltreffer (Bombe) am Geschütz Cäsar mit 11 Toten (Wachtmeister Ullrich und 10 Kanoniere.
Die Beisetzung erfolgte auf dem Standortfriedhof am U-Bhf. Südstern.
18.3. Brandbombentreffer 1 Toter (Oberinspektor Kempel, verantwortlich für Bewaffnung).
März/April Ausheben und Bauen von Schützengräben vor dem Turm.
11.4. Bombentreffer (Luftmine) bei Störangriff auf untere Plattform 3,7 cm Flak.
3 Tote (Wachtmeister Römer und 2 Kanoniere).
20.4. Zeugnisausgabe - Mittlere Reife-in sieben Fächern im Turm.
20.4. Musterung für den Reichsarbeitsdienst im Flakturm Humboldthain.
20.4. Letzter Störangriff.
21.4. Erster Artilleriebeschuss der Roten Armee aus dem Raum Bernau.
22.4. Schwere Turmflak beschießt mit hochgezogenen Sprengpunkten Ansammlungen der
Roten Armee im Raum Bernau.
22.4. Erdalarm, Stellungen vor dem Turm bezogen.
23.4. 3 Uhr Abmarsch zur Hauptkampflinie S-Bahn-Ring, Nähe Kniprodestraße,
als Melder zum Turm eingesetzt.
24.4. 2.10 Uhr Erdalarm, wieder Stellung vorm Turm bezogen. Zwei Klassenkameraden
fallen durch Katjuscha-Beschuss.
bis 30.4. Dienst auf der Plattform an den Waffen.
1.5. Sonderlager wird gestürmt, Feldflaschen werden mit Schnaps gefüllt. Am Abend wird
der Flakturm geräumt. Wir zogen durch das Bötzow-Viertel bis zur Schönhauser Allee.
Dort gab es heftige Kämpfe.
2.5. 14 Uhr Gefangennahme. Marsch durch Berlin. Am Zionskirchplatz übernachtet.
3.5. bis 6.5. Marsch in die Gefangenschaft nach Löhme bei Seefeld.
Marsch in weiteren Etappen bis Küstrin.
27.5. Bahntransport nach Posen, 3 verschiedene Lager in Posen.
18.7. Untersuchung durch Ärztekommission, Jugendkompanie zugeordnet.
6.8. Abmarsch Richtung Westen.
21.8. Im Lager Woldenberg Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, Fortsetzung
des Marsches Richtung Westen bis 25.8. Bei Widuchowa durch Rote Armee über die Oder gesetzt.
26.8. Fahrt im überfüllten Zug von Angermünde nach Berlin, übernachtet im Fichtebunker.
27.8. In Cottbus angekommen. Mutti war glücklich.

Angaben zu genutzten Quellen, Autorenschaft und Impressum:
Impressum:
Eine Informationstafel des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin
und des Berliner Unterwelten e.V., gestiftet von Stefan Detzel, Dr. Nicolai Kranz und dem Berliner 
Text: Dr. Detlinde Peters・Grafik: Uwe Friedrich・Realisierung: Dietmar Arnold, Adalbert-Maria Klees・Bildnachweise: Archiv Berliner Unterwelten e.V.; Abb. 1, 2, 3, 5, 8, 11; Bundesarchiv 4, 6, 7, 8; Privatbesitz H. Reinhardt Abb. 9, 10
www.berliner-unterwelten.de ・www. friedrichshain-kreuzberg.de・www.kreuzbergmuseum.de

 

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