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Blaue Informationstafel mit Text und Bildern zum Michaelkirchplatz.
Der Michaelkirchplatz mit Rasen und Gehweg, mittig steht die rote Sankt Michael Kirche.

Michaelkirchplatz

Map Michaelkirchstraße / Michaelkirchplatz

DER MICHAELKIRCHPLATZ

Auf Grundlage des von Peter Joseph Lenné
(1789-1866) entworfenen „Bebauungs-Plan
des Cöpnicker Feldes zu Berlin" wird Mitte
des 19. Jahrhunderts der Luisenstädtische
Kanal als Schifffahrtskanal zwischen Spree
und Landwehrkanal im Zuge der baulichen
Erweiterung Berlins angelegt. Zugleich bildet
der Luisenstädtische Kanal das Kernstück
von Lennés Plan „Projektirte Schmuck-
und Grenzzüge von Berlin mit nächster
Umgegend" (1840). Nördlich der Kanalachse
ist vor dem Engelbecken ein großzügiger
Platz für die Anlage einer Kirche freigehalten.
Hier erhält auf Geheiß Friedrich Wilhelm
IV. im Jahr 1845 die katholische Gemeinde
den Bauplatz für eine Kirche, die gleichzeitig
auch als katholische Garnisonkirche dienen
soll.

Den Entwurf für den Kirchenbau liefert der
Geheime Oberbaurat August Soller (1805-
1853), ein Schüler und Mitarbeiter von Karl
Friedrich Schinkel (1781-1841). Mit dem
Bau wird 1850 begonnen und am 26. Oktober
1861 wird die Kirche St. Michael feierlich
geweiht. Die im italienisch-romanischen
Stil errichtete dreischiffige Backstein-Kirche
bildet den Blickpunkt, den Point de vue,
in der Achse des Luisenstädtischen Kanals.
Die malerische Wirkung mit der hohen

Bogenhalle und die reizvolle Situation mit
der Spiegelung der Kirchensilhouette in
dem breiten Wasserbecken davor ist mit
entscheidend für Theodor Fontanes Ansicht,
dass die Kirche St. Michael wohl die bei
weitem schönste Kirche Berlins sei.

Der um die Kirche gelegene Michaelkirch-
platz wird 1866 nach einem Entwurf von Peter
Joseph Lenné als rechteckige Platzanlage mit
zwei symmetrisch angeordneten formalen
Grünflächen gestaltet. Zwei Lindenalleen
fassen den Platz an den Längsseiten ein,
denen sich zwei breite, von Kieswegen
begleitete Schmuckstreifen mit Blumen-
und Gehölzflächen anschließen, die wiederum
von kleinkronigen Bäumen an den Innen-
seiten gesäumt sind. Ausgenommen von
der Gestaltung ist der von einem Gitter
eingezäunte engere Umkreis um die Kirche;
dieser gehört der katholischen Gemeinde,
wohingegen der Platz dem preußischen Staat
bzw. später der Stadt Berlin gehört. Diese
Eigentumsverhältnisse führen immer wieder
zu Auseinandersetzungen um die Pflege des
kirchlichen Platzteils.

1926/27 wird der Luisenstädtische Kanal
zugeschüttet und zwischen den alten
Kanalmauern entstehen nach Plänen des
Berliner Stadtgartendirektors Erwin Barth
(1880-1933) und der Gartenamtsleiter Hans
Martin und Leo Kloss Schmuckbecken,
blühende Gärten, Spielplätze und Prome-
naden. Den Michaelkirchplatz bindet Erwin
Barth gestalterisch unverändert als Point
de vue in die Hauptachse des Grünzuges
Luisenstädtischer Kanal ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Luisenstadt
um den Michaelkirchplatz weitgehend zerstört
und auch die Kirche St. Michael steht nur noch
als Teilruine. Einige Abschnitte des Grünzuges
werden teilweise mit Trümmerschutt aufgefüllt
und darauf neue Grünanlagen errichtet. Der
Michaelkirchplatz erhält Anfang der 1950er
Jahre eine Veränderung in seiner Struktur: der
Schmuckstreifen entfällt zugunsten eines
breiten Umgangsweges. 1952/53 wird in das
zerstörte Langschiff der Kirche St. Michael
ein Gemeindehaus eingebaut.

Mit dem Bau der Berliner Mauer widerfährt
dem Grünzug Luisenstädtischer Kanal etwa
30 Jahre lang ein getrenntes Schicksal: auf
der Kreuzberger Seite wird er in den 1980er
Jahren im Zusammenhang mit den Planungen
der Internationalen Bauausstellung (IBA)
umgestaltet, im Verwaltungsbezirk Mitte
entstehen die Grenzanlagen, die somit direkt
vor dem Michaelkirchplatz liegen. Durch
eine mutige Entscheidung der Berliner
Gartendenkmalpflege kommt es in enger
Abstimmung mit dem Bezirksamt Mitte von
Berlin kurz nach der Wende zur schrittweisen
Instandsetzung des Luisenstädtischen Kanals:
1991 werden die Promenaden im ehemaligen
Ostberliner Teil zwischen Waldemarbrücke
und Köpenicker Straße wieder mit den
Lennéschen Lindenreihen bepflanzt, auch
um die Anlage als Denkmal und Grünraum
vor der Umwandlung in eine Verkehrstrasse
zu schützen. 1993 erhält der ganze Kanalzug
Denkmalschutz und die im Bezirk Mitte
liegenden Gartenabschnitte werden auf der
Grundlage gartenarchäologischer Grabungen
wieder hergestellt.

Ab 2011 erfolgt mit Mitteln des Städte-
baulichen Denkmalschutzes die Umgestaltung
der Freiflächen auf dem Michaelkirchplatz.
Zur Wiederherstellung der Platzfläche nach
dem Lennéschen Vorbild gehören die Neu-
anlage von Wege-, Rasen- und Pflanzflächen
sowie die Neupflanzung von Bäumen gemäß
der historischen Konzeption, die Pflege der
vorhandenen Lindenreihen und die Neu-
ausstattung des Platzes mit Sitzbänken und
Papierkörben. Durch die Verschönerung und
Umgestaltung des Michaelkirchplatzes als
„grünes Herz" der Luisenstadt wird die
Verknüpfung des Platzes zum Engelbecken
wieder deutlich und auch die Bedeutung von
Platz und Kirche als Blickpunkt in der Nord-
Süd-Achse des Grünzugs Luisenstädtischer
Kanal herausgestellt.

Michaelkirchplatz (St. Michael's Church
Square)

The Luisenstadt Canal (Luisenstädtischer
Kanal) was built in the mid nineteenth century
based on the "Development Plan for the
Cöpnicker Field" drawn up by Peter Joseph
Lenné (1789-1866). Its main purpose was
to link the Spree River and Landwehr Canal
for shipping in the rapidly growing Prussian
capital Berlin. To the north of the canal's
main axis, in front of the "Engelbecken" – the
Angel's Pool, Lenné's plan reserves a spacious
plot for a church. In 1845, by royal command
of Friedrich Wilhelm IV, the site was given to
the Roman Catholic community to build a
church. The design for St. Michael's church
is by the architect August Soller (1805-
1853), a government building official who
was a student and colleague of Karl Friedrich
Schinkel (1781-1841).

St. Michael's church was consecrated on 26
October 1861; it is dedicated to the Archangel
Michael. The three-aisled brick-built church,
which is in Italian-Romanesque style, forms
the visual focus, the point de vue, of the axis of
the Luisenstadt Canal. The picturesque effect
created by the high round arch of the façade
and the mirroring of the church's silhouette in
the water of the wide pool in front of it were
probably among the grounds why Theodor
Fontane considered St. Michael's by far the
most beautiful church in Berlin.

In 1866 Michaelkirchplatz, the square upon
which the church stands, was laid out
according to a design by Peter Joseph Lenné
as a rectangle with two symmetrically aligned
formal green areas. Two lime tree avenues
framed the square on the long sides, next to
which were two wide ornamental strips with
flowers and shrubs flanked by gravel paths
with small-crowned trees on the inner sides.

In the years 1926/27 the Luisenstadt Canal
was filled in. Based on plans by the Berlin
Municipal Gardens Director Erwin Barth
(1880-1933), an ornamental pond, flower
gardens, playgrounds, and promenades
were laid out between the old canal walls.

[6] Wasserspiegelung: Ansicht der Kirche St. Michael von
der Waldemarbrücke aus, 1926 (Landesarchiv Berlin)
Reflection on the water: View of St. Michael's church
from the Waldemar Bridge, 1926

Erwin Barth's design retained Michaelkirch-
platz as the visual focus of the Luisenstadt
Canal's main axis after its transformation into
a green corridor.
In World War II, most of the Luisenstadt
district around Michaelkirchplatz was
destroyed, and only part of St. Michael's
church remained standing. With the building
of the Berlin Wall the Luisenstadt Canal
green corridor was divided and the two parts
experienced different fates for around thirty
years: on the Kreuzberg side of the border
restructuring took place in the 1980s in
connection with municipal redevelopment
and the International Building Exhibition
(IBA), while in the East Berlin district of
Mitte, the green corridor had to make way
for border installations.

Shortly after German reunification the Berlin
Historic Parks and Gardens Conservation
Department took the bold decision to
begin gradual restoration of the Luisenstadt
Canal in close collaboration with the Berlin
borough of Mitte. In 1991 the promenades
of the section between Waldemar Bridge and
Köpenicker Strasse (formerly in East Berlin)
were planted again with Lenné's rows of lime
trees – not least in order to protect the park
as a historic monument and green space and
prevent it from being turned into a road. In
1993 the entire canal strip was declared a
heritage-protected area. The garden sections
located in the borough of Mitte were restored
according to the findings of extensive garden-
archaeological research.

As of 2011, with funds from the Federal
programme for Urban Monument Protection,
the open areas on Michaelkirchplatz were
redesigned. To restore the square according
to Lenné's historic design it was necessary
to lay out paths, grass and plant beds, and
to plant new trees; further, the existing rows
of lime trees needed care, and new benches
and litter bins were required. Through the
enhancement and creative redesigning of
Michaelkirchplatz as the "green heart" of
the Luisenstadt district its connection to the
Angel's Pool becomes apparent again, and
underlines the significance of the square and
church as the visual focus of the north-south
axis of the Luisenstadt Canal green corridor.

Diese blaue Informationstafel geht zurück auf eine Idee des Landesdenkmalamts. Weitere Tafeln desselben Designs existieren im gesamten Stadtraum Berlins. Die Tafeln sind gerahmt von einem Stahlgestell, die Texte und Bilder befinden sich auf einer beschichteten Kunststoffplatte. 

Die Bildunterschriften entsprechend der Einbettung im Fließtext lauten:
[1] Der 1843 festgesetzte Bebauungsplan für das Köpe-
nicker Feld, bearbeitet von P. J. Lenné (Landesarchiv
Berlin)
The 1843 development plan for the Köpenicker Feld,
worked on by P. J. Lenné
[2] Teil der Luisenstadt mit Kirche St. Michael, Michael-
kirchplatz und Engelbecken, Luftbild 1919 (Förderver-
ein St. Michael e.V.)
Part of the Luisenstadt showing St. Michael's church, 
Michaelkirchplatz and Angel's Pool, aerial view 1919
[3] Der neu angelegte Schmuckplatz um die Kirche St.
Michael, 1866 (Archiv St. Michael)
The new ornamental garden square and St. Michael's
church, 1866
[4] Kirche St. Michael und Michaelkirchplatz, um 1916
(Kunst und Künstler, Jg. 1916, S. 539)
St. Michael's church and Michaelkirchplatz, ca. 1916
[5] Michaelkirchplatz, davor das verfüllte Engelbecken
mit Spuren der früheren Grenzanlagen, um das Be-
cken die neugepflanzten Lindenreihen, Luftbild 1992
(Archiv Landesdenkmalamt Berlin)
Michaelkirchplatz, in front of it the filled-in Angel's
Pool shows traces of the early border installations,
and around the pool are the newly planted rows of
lime trees, aerial view 1992
[6] Wiederherstellungsplanung Michaelkirchplatz
(HORTEC 2011)
Restoration plans for Michaelkirchplatz

Angaben zu genutzten Quellen, Autorenschaft und Impressum:
Impressum/Legal Notice
Fachbehörden/Public Authorities:
Landesdenkmalamt Berlin. Gartendenkmalpflege
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
Bezirksamt Mitte von Berlin, Tiefbau- und Landschaftsplanungsamt
Idee, Konzept, Text/ Idea, Concept, Text:
Landesdenkmalamt. Gartendenkmalpflege. K. Lingenauber
Bürgerverein Luisenstadt e. V., K. Duntze
Text, Bildauswahl, Redaktion/Text, Selection of Photographs,
Editing: HORTEC Berlin
Layout:
ringkamp kommunikationsdesign
Literaturhinweis/ Bibliographical references
Duntre, K., von Krosigk, K., Lingenauber, K.:
Der Luisenstädtische Kanal [The Luisenstade Canal], Berlin 2011,
Berlin Story Verlag, ISBN 13: 978-3-86368-014-5

 

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