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Gedenktafel mit der Überschrift 'BERLINER GEDENKTAFEL' und dem Namen 'LUDMILLA HERZENSTEIN' sowie biografischem Text zu ihrem Wirken als Architektin in Berlin.
Mehrstöckiges Wohnhaus mit hellrosa Fassade, mehreren Fenstern und einer rechteckigen Tafel an der Wand, davor Rasenfläche mit Laub und Sträuchern.
Drei Erwachsene enthüllen gemeinsam eine Gedenktafel an einer Hauswand, zwei halten Stoffbahnen zur Seite.
Drei Personen stehen nebeneinander vor einer Hauswand mit Gedenktafel und geschlossenen Rollläden, umgeben von Büschen.
Mehrere Menschen stehen auf einem Gehweg unter Bäumen und hören einer Person an einem Rednerpult zu.
Eine Person im langen Mantel spricht an einem Rednerpult im Freien vor mehreren Zuhörenden unter Bäumen

Ludmilla Herzenstein

Sankt Petersburg 6.4.1906 – Berlin 4.8.1994

Map Karl-Marx-Allee 104

LUDMILLA HERZENSTEIN
6.4.1906 – 4.8.1994
Mit den Laubenganghäusern, hier 1949–1951 entstanden,
knüpfte die Architektin und Stadtplanerin an das Neue Bauen
der Weimarer Republik an. Nach 1945 gehörte sie zum
»Planungskollektiv Berlin«, das die Neugestaltung der
zerstörten Stadt erarbeitete. Im Auftrag der Stadt Berlin, der
damaligen Hauptstadt der DDR, setzte sie die Realisierung der
»Wohnstadt Friedrichshain« um. 1966 entwarf sie auch das
Park-Café »Milchhäuschen« am Weißen See.
Herzenstein wurde in der DDR mehrfach ausgezeichnet.

Die Berliner Gedenktafel wurde am 8. Oktober 2026 im Beisein zahlreicher Gäste enthüllt. Grußworte kamen von Alexander Straßmeir, Staatssekretär für Gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie der Initiatorin der Tafel, Cornelia Lagrange, Aktives Museum e.V. Die Laudatio hielt Dimitri Suchin, Scharoun-Gesellschaft e.V.

Die Gedenktafel macht die Arbeit der Architektin und Stadtplanerin Ludmilla Herzenstein sichtbar. In der Nachkriegszeit ab 1945 gehörte sie zu dem Planungskollektiv, das die Neugestaltung von Berlins Mitte entwickelte. Ludmilla Herzenstein wurde am 6. April 1906 in St. Petersburg geboren. Bereits im Alter von 14 Jahren flüchtete sie mit ihrer Mutter und den beiden Geschwistern vor der russischen Revolution nach Berlin. Nach dem Abitur begann sie 1926 an der Technischen Hochschule in Charlottenburg mit dem Architekturstudium. Während des Studiums arbeitete sie als Werkstudentin in der Bauleitung für die Waldsiedlung Zehlendorf, die heute zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, und für den Architekten Alexander Klein. Das Studium schloss sie bei Heinrich Tessenow ab. Danach arbeitete sie für Architekten in verschiedenen Städten. 1935 wurde sie, die ein Leben lang staatenlos blieb, Mitglied der Reichskulturkammer. 1938 unterstützte Herzenstein ihre Mutter bei der Flucht aus NS-Deutschland, sie selbst blieb und verdiente ihren Lebensunterhalt als technische Angestellte in kleinen Architekturbüros.

Nachdem sie 1945 nach Berlin zurückgekehrt war, arbeitete Ludmilla Herzenstein zunächst als Übersetzerin. 1946 berief der Berliner Magistrat sie in ein Kollektiv, dass den Wiederaufbau Berlins planen sollte. Ihre Aufgabe war die spezifische Bevölkerungsentwicklung der Nachkriegszeit zu untersuchen. Diese Statistiken bildeten die Planungsgrundlage für Wohnungsbedarf und Wohnungsentwürfe. Ludmilla Herzenstein entwickelte die Laubenganghäuser in der Karl-Marx-Allee 102-104. Die Grundsteinlegung fand am 21. Dezember 1949 statt, die Fertigstellung erfolgte 1950. Damals fanden die modernen Bauten keine positive Resonanz. Die Parteiführung der DDR lehnte sie ab und favorisierte stattdessen eine repräsentative, historisierende Architektur. So wurden Ludmilla Herzenstein und ihre Bauten nahezu vergessen.

1958 übernahm sie die Stadtplanung im Bezirk Weißensee und erarbeitete Konzepte zur Altbausanierung in (Ost-)Berlin. 1966 entwarf sie die Parkgaststätte „Milchhäuschen“ am Weißen See, bis heute ein Kleinod. Ludmilla Herzenstein wurde mehrfach ausgezeichnet. Am 4. August 1994 starb sie in Berlin.

Den Text verfasste Heike Stange, biografische Recherchen führte Cornelia Lagrange aus. 

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