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Ansicht Gedenktafel Georg und Lisbeth Stern
Ansicht Gedenktafel Georg und Lisbeth Stern - Bild 1

Georg und Lisbeth Stern

Königsberg/Ostpr. (Kaliningrad/Russland) 11.6.1867 - Berlin 25.3.1934 / Königsberg/Ostpr. (Kaliningrad/Russland) 14.10.1870 - Berlin 17.7.1963

Map Ehrlichstraße 31

Familie Stern
An diesem Ort, ehemals Auguste-Viktoria-Straße 47, Ecke
Kaiser-Wilhelm-Straße, wohnte von 1921 bis 1931/32 das
Ehepaar Lisbeth und Georg Stern mit seinen vier Töchtern.
Im selben Haus kurzzeitig auch Max Wertheimer,
der Begründer der psychologischen Gestalttheorie.
Sie zählten im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu den
die Berliner und Deutschlands Wirtschaft, Wissenschaft
und Kultur prägenden Persönlichkeiten. Durch die ab 1933
gewaltsam durchgesetzte „völkische Politik“ der National-
sozialisten bleibt ihnen jedes weitere berufliche und
persönliche Wirken in Deutschland versagt.
GEORG STERN (11. Juni 1867, Königsberg/Ostpreußen -
25. März 1934, Berlin)
Der Sohn eines Großhändlers und promovierte Physiker
wird 1921 Direktor der AEG-Transformatorenfabrik in
Berlin-Oberschöneweide und bezieht 1922 eine Dienst-
villa in Karlshorst. Ab 1926 bis zu seinem Ruhestand
1930 ist er Mitglied im Vorstand der AEG. Darüber hin-
aus finden seine Kompositionen für Großes Orchester
deutschlandweite Aufmerksamkeit. Als Publizist und
Mitbegründer der Max–Reger-Gesellschaft erhalten seine
Beiträge über den weltbekannten Komponisten bis in die
Gegenwart Beachtung. Georg Stern ist in einem Familien-
grab auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde bestattet, in
dem Jahre später auch die Urne seiner Schwägerin Käthe
Kollwitz eingebracht wurde.
LISBETH STERN, geb. Schmidt (14. Oktober 1870, Königs-
berg/Ostpreußen - 17. Juli 1963, Berlin)
Aus einer freireligiösen Familie stammend treten sie
und ihr Ehemann 1896 aus ihren Religionsgemeinschaften
aus. In den „Sozialistischen Monatsheften“ publiziert
Lisbeth Stern ab 1903 über kulturelle Themen. Ihre
Geschwister sind die Grafikerin und Bildhauerin Käthe
Kollwitz (1867-1945) sowie der Ökonom, Philosoph
und Journalist Conrad Schmidt (1863 -1932).
1943 übersiedelt Lisbeth Stern mit ihrer gesundheitlich
geschwächten Schwester Käthe Kollwitz in das vom Bom-
benkrieg noch nicht betroffene Nordhausen. Nach 1945
lebt Lisbeth Stern im Westteil Berlins, wo sie auch stirbt.
Die Überführung ihrer sterblichen Überreste in das
Familiengrab in Friedrichsfelde schloss die Teilung
Berlins aus.
Im Wohngebiet „Carlsgarten” sind jeweils eine Straße
nach Georg und Lisbeth Stern benannt.

(Rückseite)
Die Stern Töchter
Alle vier Töchter des Ehepaars Stern schlagen zunächst
eine künstlerische Laufbahn ein. REGULA (1894-1978),
JOHANNA (1896-1988), KATHARINA (1897-1984) und
MARIA (1907-1993) erlangen Anerkennung als Tänzerin,
Schauspielerin oder Drehbuchautorin. Zwei von ihnen
glückt nach 1933 die Emigration
n die USA. Katharina “Katta Ster-
nas“ Flucht scheitert und sie er-
hält Auftrittsverbot. Regula Frisch
muss ihren ab 1929 ausgeübten
Arztberuf als „Halbjüdin“ aufge-
ben und kann ihn erst nach 1945
wieder aufnehmen.
Maria Matray und Johanna Hofer
sind nach ihrer Rückkehr aus den
USA in Film und Fernsehprodukt-
ionen als Drehbuchautorin oder
Schauspielerin erfolgreich.
Im Wohngebiet „Carlsgarten“ sind
Straßen nach Maria Matray und
Johanna Hofer benannt.

Max Wertheimer (15. April 1880, Prag -12. Oktober 1943,
New Rochelle, New York)
Der Begründer der Gestaltpsychologie wird als Kind
einer begüterten deutsch-jüdischen Familie in Prag
geboren. Nach Studien in Prag, Berlin, Tübingen und
Würzburg legt er in Frankfurt/Main den Grundstein
für diesen neuen Zweig der Psychologie.
1922 bis 1929 lehrt Wertheimer an der Berliner Uni-
versität. In dieser Zeit wohnt er bei dem befreundeten
Ehepaar Stern.
1933 emigriert er in die USA und erhält dort eine
Professur für Philosophie und Psychologie in New York.
1939 wird er US-Bürger. Es gelingt ihm mit seinen Mit-
arbeitern, die Gestaltpsychologie als eine weltweit aner-
kannte Disziplin zu etablieren.

Die von Helga Lieser gestaltete Stele wurde am 3.9.2025 um 17 Uhr auf dem Bürgersteig an der Südwestecke von Ehrlich- und Lehndorfstraße, am Standort des nicht mehr existierenden Wohnhauses der Familie Stern eingeweiht. Zur Enthüllung sprach Bezirksbürgermeister Martin Schaefer, die Laudatio hielt Prof. Michael Laschke von den Geschichtsfreunden Karlshorst. Der Vorsitzende der Gedenktafelkommission Lichtenberg, Manfred Becker, konnte nicht anwesend sein. Für ihn übernahm der ehemalige Leiter des Museums Lichtenberg, Dr. Thomas Thiele, die Moderation.  Für die musikalische Umrahmung der von zahlreichen Interessierten besuchten Veranstaltung sorgte Burkhardt Schmidt mit seinem Saxophon.
Die Inschriften befinden sich auf beiden Seiten der Stele. Dazu gibt es eine Reihe von Fotos. Die Bildunterschriften lauten auf der Frontseite (v.o.n.u.):
Dienstvilla in der ehem. Auguste-Viktoria-Straße 47
GeorgStern
Georg und Lisbeth Stern
Max Wertheimer, Begründer der Gestaltpsychologie

Die Bildunterschriften auf der Rückseite lauten (v.o.n.u. und eingeblockt):
Dienstvilla in der ehem. Auguste-Viktoria-Straße 47
Regula Frisch, geb. Stern
Johanna Hofer, geb. Stern
Katharina Stern, “Katta Sterna”
Maria Matray, geb. Stern
Katharina Stern, “Katta Sterna”

Finanziert wurde die Stele aus dem “Lichtenberger Fonds für Erinnerungskultur”.
Nach dem Eintrag Im Sterberegister starb Lisbeth Stern am 16.7.1963. Beigesetzt war sie auf dem Heidefriedhof Mariendorf, Reißeckstraße.
Auf die Einladungskarte zur Einweihung der Stele hat sich ein falsches Sterbejahr für Lisbeth Stern "geschlichen".

 

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