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Gedenktafel mit Text, Karte der optischen Telegrafenlinie von Berlin nach Koblenz, historischen Abbildungen und einem QR-Code

Königlich-Preußische Optische Telegraphenlinie

Map Königin-Luise-Straße 66

Königlich-Preußische Optische Telegraphenlinie
Berlin - Koblenz (1832-1849/1852)
Station Nr. 2
St.-Annen-Kirche in Berlin-Dahlem

Die Telegrafenlinie
Beim Wiener Kongress 1815 wurden Preußen Gebiete
im Rheinland zugesprochen, die von Berlin weit ent-
fernt lagen. Deshalb wurde eine schnelle Nachrichten-
übermittlung über große Strecken notwendig. Friedrich
Wilhelm III. (1770-1840) aber zögerte mit der Errich-
tung einer Telegrafenlinie. Als die Revolution 1830
von Paris aus auf die Rheinprovinz übergriff, musste in
höchster Eile eine Telegrafiermethode entwickelt und
eine Telegrafenlinie gebaut werden. Eine Übernahme
des bereits bewährten französischen Systems war aus
politischen Gründen undenkbar. Mit dem allerhöchsten
Befehl vom 21. Juli 1832 begann der Bau von 62 Sta-
tionen zwischen Berlin und Koblenz auf 588 km. An
Entwicklung, schnellem Aufbau und späterem Betrieb
machte sich Major F.A. O'Etzel (1783-1850) beson-
ders verdient. Das Telegrafisten-Korps rekrutierte sich
aus ausgeschiedenen Militärs. Es war als militärische
Einheit dem Großen Generalstab unterstellt. Aber be-
reits 1846 wurde eine elektromagnetische Verbindung
in Betrieb genommen, und so wurde die Station 2 zwi-
schen Berlin und Potsdam kaum noch genutzt.

Nachrichtenübermittlung
Die Signalanlage wies paarweise angebrachte Flügel
in drei Ebenen (A, B, C) auf. Diese Indikatoren er-
möglichten 4096 Signale, die in einem Wörterbuch
aufgelistet waren. Sie entsprachen ganzen Sätzen,
Wörtern, Silben oder Buchstaben. Die Einzelsignale
wurden mit einfachen und kombinierten Zahlenreihen
(Chiffren) beschrieben, wie z.B. A4.3, B4.1, C4.2 für
den Namen O'Etzel (siehe unten rechts). Die Tele-
grafisten gaben nur diese Chiffren weiter, ohne deren
Sinn deuten zu können.
Das Telegrafisten-Korps bestand aus Oberbeamten
(Direktor, Oberinspektoren und Inspektoren) und den
Unterbeamten mit mindestens je einem Ober- und
Untertelegrafisten pro Station. Die Nachrichtenüber-
mittlung war von den Sichtverhältnissen abhängig,
Tageslicht (im Sommer weit über 12 Stunden) und
klares Wetter waren Voraussetzung. In jeder Station
mussten die durchgegebenen Signale in einem Jour-
nal mit genauer Uhrzeit (Berliner Zeit) dokumentiert
werden. Im Idealfall war eine telegrafische Depesche
von Berlin ins Rheinland innerhalb von 1 h Stunden
durchgewunken, meist dauerte es aber länger.

Station 2
Obwohl Staatsminister Carl Friedrich von Beyme
(1765-1838) auf seinem Grund und Boden in Dahlem
den Bau der Telegrafenstation erlaubt hatte, erwies sich
die Aufstellung auf dem hohen sechseckigen Turm der
St.-Annen-Kirche als günstiger. Der Telegraf wurde
von den Gläubigen „Deibelswerk" genannt, dennoch
musste man die Lärmbelästigung bei Gottesdiensten in
Kauf nehmen.
Nach Demontage des Telegrafen erhielt die Kirche
anstelle des Turmes zunächst nur einen Reiter, der
zeitweise farbig gestaltet war. Als eine Besonderheit
der Station gibt es eine Schwarz- Weiß-Lithografie
mit Telegrafen-Inspektoren vor der Kirche mit aufge-
setzter Telegrafenstation (siehe unten). Die Signatur
W. Grünberg gibt den Künstler mit Premier-Leutnant
und Telegrafist an, der in Dahlem in Adressbüchern
von 1835/36 verzeichnet ist. Dass dieser Künstler über
Interna informiert war, zeigt sich in der Bedeutung des
eingestellten Signals. Es entspricht Krauseneck, so hieß
der Generalstabschef, der oberste Dienstherr des Tele-
grafen-Korps. Die Grünbergsche Vorlage wurde später
in verkleinerter Form, aber farbig und ohne Signatur
nochmals lithografiert und 1983 mr farbige Postkarten
und eine Briefmarke der Bundespost verwendet.

Eine Anekdote über die Station mit historischem
Hintergrund stammt aus Zeiten der Berliner Revolu-
tion 1848. Auf Forderung der Revolutionäre musste
das Militär aus Berlin abgezogen werden, was mr die-
se Soldaten einer Degradierung gleichkam. Und dann
stand da noch ein stummer Telegraf, der nicht grüßte:
„Die erste Wichtigkeit in dieser schauerlichen Wüste ist
das Dorf Dahlem auch merkwürdig durch einen Tele-
graphen. Ob dieser Telegraph es für eine Schande hielt,
ein ins Feld rückendes Garde-Regiment anzusehen?
Wenigstens rührte er sich nicht. Wir Gardisten sind so
in der Achtung der Welt gefallen, daß selbst ein Dorf-
telegraph keine Notiz von uns nimmt. Eine kleine Strecke
hinter Dahlem, bei einem kleinen Gehölz im Angesichte
des brutalen Telegraphen, im Angesichte Berlins und
Charlottenburgs machten wir Halt. Unsere Ruhe daselbst
war von Wurst, Schinken, Branntwein und dergleichen
militairischen Nothwendigkeiten mehr begleitet."
(Die ewige Lampe, 22. April 1848)

Der Turm der St.-Annen-Kirche diente von 1832 bis 1849 als Station der Königlich-Preußischen Optischen Telegrafenlinie Berlin–Koblenz. Seit 2009 soll an den ehemaligen Standorten der insgesamt 62 Stationen dieser Telegrafenlinie durch Erinnerungszeichen erinnert. Initiiert und realisiert wurde die Tafel von der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Dahlem.

Die Bildunterschriften entsprechend der Einbettung im Text lauten:
[1] Königlich-Preußischer Unter- und Ober-Telegrafist bei der Arbeit.
Gestochen von Telegrafist Premier-Leutnant
W. Grünberg (1835/36)
[2] Lithografie von Telegrafist Premier-Leutnant
W. Grünberg (1835/36)
[3] Zum 150. Jahrestag
der Eröffnung 1983

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