Kiautschoustrasse
Map Pekinger Platz
1905 wurde diese Straße nach der deutschen Kolonie Jiāozhōu 膠州 (Kiautschou [durchgestrichen: Wort] 1897 bis 1914) an der chinesischen Ostküste benannt. Die Verpachtung [durchgestrichen: Wort] dieses 552 km2 großen Gebiets, das unter der Verwaltung des deutschen Reichsmarineamts stand, wurde erzwungen, um direkten Zugang zu einem Hafen, dem chinesischen Markt und Bodenschätzen zu bekommen. In Qīngdǎo 青岛 (Tsingtau [durchgestrichen: Wort]), dem Zentrum der Kolonie, und dem umliegenden Gebiet lebten räumlich und sozial getrennt circa 140.000 Chines*innen und 5.000 Europäer*innen. 1900 wurde die kolonialadministrative Chinesenordnung [durchgestrichen: Wort] eingeführt, deren Nichteinhaltung Konsequenzen bis hin zu körperlicher Bestrafung vorsah.
In 1905, this street was named after the German colony of Jiāozhōu 膠州 (Kiautschou [deleted: word] 1897 to 1914) on the Chinese East Coast. The lease [deleted: word] of this 552 km2 large territory, which stood under the administration of the German Reichsmarineamt [Reich's Imperial Navy Office], was forced in order to achieve direct access to a port, the Chinese market and mineral resources. Circa 140,000 Chinese and 5,000 Europeans lived spatially and socially segregated in Qīngdǎo 青岛 (Tsingtau [deleted: word]), the center of the colony, as well as the surrounding area. In 1900, the colonial administration introduced the Chinesenordnung [deleted: word] [Chinese ordinances]. Non-compliance was met with penalties up to corporal punishment.
ANTIKOLONIALER WIDERSTAND
ANTI-COLONIAL RESISTANCE
Zahlreiche Chines*innen, darunter konfuzianische Gelehrte, kaiserliche Beamte sowie Bäuer*innen, leisteten Widerstand gegen das deutsche Kolonialregime. Zum Beispiel die ländliche Bevölkerung, die negativ vom kolonialen Bauprojekt einer Eisenbahntrasse betroffen war. Sie war zum Teil in den Yihétuán 義和團 Boxertruppen [durchgestrichen: Wort] und Dēng Zhào 燈照 “Leuchtenden Laternen” organisiert. Das deutsche Militär brannte widerständige Ortschaften nieder, verletzte und ermordete deren Bewohner*innen. Bis heute gibt es dafür keine Entschuldigung der deutschen Regierung bei den Nachkommen.
Numerous Chinese, including Confucian scholars, imperial officials as well as farmers, put up resistance against the German colonial regime. For instance, the rural population, which was negatively impacted by the colonial construction project of a railroad line. It was partly organized in the Yihétuán 義和團 Boxertruppen [deleted: word] and Dēng Zhào 燈照 "Shining Lanterns". The German military burned down rebellious villages, mutilated and murdered their inhabitants. To this day, the German government has never apologized to descendants.
Die Yihétuán und Dēng Zhào waren antikoloniale und antichristliche Bündnisse in Nordchina, deren Mitglieder Kampfkunst und spirituelle Rituale praktizierten.
The Yihétuán and Dēng Zhào were anticolonial and anti-christian alliances in Northern China whose members practiced martial arts and spiritual rituals.
1914 übernahm das Japanische Kaiserreich die Kolonie und 1919 formierte sich dagegen die urbane “4. Mai-Bewegung” 五四運動 (Wǔsì Yùndòng). Diese Bewegung ist der zentrale Bezugspunkt der Geschichte der chinesischen kulturellen Moderne, des Nationalismus, der Auseinandersetzung mit Imperialismus, an dem auch das Deutsche Reich beteiligt war. Die Umbenennung der Straße nach einer oder einem Intellektuellen dieser Bewegung würde zu einem dekolonialen Perspektivwechsel beitragen.
In 1914, the Japanese Empire took over the colony and in 1919, the urban "May Fourth Movement" 五四運動 (Wǔsì Yùndòng) was organized in response. This movement is the central reference point for the history of Chinese cultural modernity, nationalism, and the engagement with the imperialism that the German Reich was also involved in. Renaming this street after one of these movement's intellectuals would contribute to a decolonial change of perspective.
Die Tafel steht auf einem steinernen Sockel. Die Tafel zeigt im Hintergrund eine Fotographie “Fotografie patriotischer Studierender der Bejing Normal University nach der Rückkehr in die Hochschule am 7. Mai 1919. Sie waren während des großen Demonstrationszuges der Beijinger akademischen Kreise am 4. Mai 1919 verhaftet worden.” (Übersetzung nach chinesischer Beschriftung) (Bildnachweis Wikipedia). Auf der linken Tafelhälfte wird die ehemalige deutsche Kolonie Kiautschou beschrieben, wonach diese Straße seit 1905 benannt ist. Darunter ist eine Fotographie der Eisenbahn in Shandong abgebildet, welche als Mittel kolonialer Erschließung diente (Bildnachweis Wandervogel Archiv, Nachlass Karl-Fischer). Auf der rechten Tafelhälfte wird der breitflächige antikoloniale Widerstand im heutigen China beschrieben. Auch die brutale Reaktion der Deutschen und die bis heute fehlende Entschuldigung werden thematisiert. Daneben wird die Übernahme der Kolonie durch das Japanische Kaiserreich beschrieben und der Anspruch formuliert, diese Straße nach einer oder einem Intellektuellen des chinesischen Widerstands zu benennen. Darunter ist das Bild der chinesischen Studierenden erneut abgebildet. Die Gedenkstele wurde mit fünf weiteren am 25.09.2025 im Rahmen des Projektes “Dekoloniale - was bleibt?” des Teams Erinnerungsort Kolonialismus am Stadtmuseum Berlin unter dem Namen “Wege des Erinnerns” enthüllt.

