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Eine Stele aus Acrylglas mit Text und Fotos zu Karl Wolffsohn, im Hintergrund sind Wohnhäuser, Gehweg und Autos.

Karl Wolffsohn und die Gartenstadt Atlantic

Wollstein (Wolsztyn/Polen) 16.5.1881 - Berlin 6.12.1957

Map Behmstraße 15

Karl Wolffsohn
und die Gartenstadt Atlantic
Diese Informationstafel ist Karl Wolffsohn gewidmet

Sie stehen vor der Wohnanlage „Gartenstadt
Atlantic“. Diese erstreckt sich beidseitig der
Heidebrinker Straße über die Bellermannstraße,
Zingster Straße und Behmstraße.
Karl Wolffsohn war Mitbegründer und ab 1937
Eigentümer der Gartenstadt Atlantic. Diese
wurde 1925 bis 1930 vom deutschjüdischen Architekten Rudolf
Fränkel erbaut. Sie ist seit 1995 denkmalgeschützt und wurde
von der Familie Wolffsohn in den Jahren 2001 bis 2005 voll-
ständig modernisiert.
Karl Wolffsohn, deutschjüdischer Pionier der
Filmpublizistik und -wirtschaft. Geboren 16.5.
1881 in Wollstein (Posen), gestorben 6.12.1957
in Berlin. 1911 Gründer und bis 1933 Eigentümer
des Verlags Lichtbildbühne (Berlin, Friedrich-
straße 225). Von 1933 an wurde sein gesamtes
Eigentum schrittweise „arisiert", - also von den
NS-Machthabern geraubt und nach 1945/49
in der Bundesrepublik und DDR nur minimal
erstattet oder entschädigt.
Unter seiner Regie wurde das Wochenblatt Lichtbildbühne zur
bedeutendsten illustrierten Zeitschrift des deutschen Films. Kino-
kalender, Reichskino-Adressbuch und Jahrbuch der Filmindustrie
waren ebenfalls von großer Bedeutung. Anfang
der 30er Jahre war die LB das größte verlags-
gewerbliche Unternehmen der deutschen Kine-
matografie. Die LB-Fach- und Filmbibliothek,
ergänzt durch das öffentlich und kostenlos
zugängliche Ausschnitt- und Bildarchiv, war
Anstoß zur Filmforschung.
1919 war Karl Wolffsohn Mitbegründer und
Miteigentümer des „Scala“- (Berlin-Schöne-
berg) und seit 1929 des „Plaza“-Variétés im
Berliner Ostbahnhof. Karl Wolffsohn besaß in
ganz Deutschland zahlreiche Filmtheater und Variétés.
Gute, gesunde Wohn- und Lebensqualität mit Kinokultur - auch
für geringer Verdienende - das sollte die Reform-Wohnanlage
Gartenstadt Atlantic verwirklichen. Diesem
Anliegen diente das damals weltberühmte
Großkino „Lichtburg“ in Berlin-Gesundbrunnen,
Behmstraße 1-7 und Heidebrinker Straße 1-3.
Es bot 2.000 Sitzplätze.
Karl Wolffsohn hoffte, die Lichtburg halten zu
können, indem er 1937 die Gartenstadt Atlantic
kaufte - trotz des für Juden von den National-
sozialisten verhängten Verbots, deutsche
Immobilien zu erwerben. Er widersetzte sich
der Enteignung von Lichtburg und Gartenstadt
Atlantic und kam vom 15. August 1938 bis zum 13. Februar 1939
in Gestapo-„Schutzhaft“. Dort wurde ihm die Übereignung der
Gartenstadt Atlantic AG an „Arier" aufgezwungen. Im März
1939 flüchtete er mit seiner Frau Recha nach
Palästina. 1949 kehrten Karl und Recha
Wolffsohn trotz allem nach Berlin zurück.
Ihr Sohn Max folgte mit seiner Familie 1954.
Um die Rückerstattung der Gartenstadt
Atlantic mussten Karl und Max Wolffsohn
von 1949 bis 1962 kämpfen.
Im Sinne des ursprünglichen Konzepts
„Wohnen plus Kultur“ fördert die gemein-
nützige Lichtburg-Stiftung Kultur- und
Integrationsangebote im Mikrokosmos
Gartenstadt Atlantic.

Die 2018 eingeweihte Acrylglastafel befindet sich an der Ecke Behmstraße und Zingster Straße. Zur Enthüllung sprach Bezirksbürgermeister Christian Hanke, Design und Realisierung lagen bei Helga Lieser. Initiiert wurde die Tafel von der Gartenstadt Atlantic AG.

Mit Stand September 2025 wurde die Gedenktafel von Unbekannten gewaltsam zerstört.

 

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