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Tafel mit Text zur Erinnerung an jüdische Familien, die bis 1938 in einem Haus lebten, mit mehreren Absätzen und Überschriften.
Eingangstür mit zwei dunkelroten Flügeln und der Hausnummer '21' über dem Bogen, umgeben von einem hellgelben Rahmen und einer hellen Fassade mit einem Informationsschild rechts

Jüdische Bewohnerinnen und Bewohner Siegmunds Hof 21

Map Siegmunds Hof 21

Zur Erinnerung an die jüdischen Familien, die bis 1938 in diesem Haus lebten

Familie Brasch 1905–1933
Im Hochparterre lebt seit 1905 Amalie Brasch, Witwe
des Magistratsrats Fritz Brasch, mit den Kindern
Hans (1892–1950), Adelheid (1895–1977) und Wolfgang
(1898–1942). Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1927
wohnen Adelheid und Wolfgang weiterhin im Haus.
Adelheid ist Sekretärin, ihr Bruder Gerichtsassessor.
1933, kurz nach der Machtergreifung durch die Natio-
nalsozialisten, emigriert Adelheid in die Niederlande.
1940 besetzen deutsche Truppen die Niederlande. Um
der Deportation in die Vernichtungslager zu entge-
hen, lebt Adelheid unter falschem Namen an verschie-
denen Adressen. Ihr gelingt schließlich die Flucht
nach England. Nach dem Krieg kehrt sie in die Nieder-
lande zurück.
Ihr Bruder Wolfgang wird aufgrund des »Gesetzes zur
Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« aus der
Berliner Justiz entlassen. Wolfgang und seine Frau
Margarete Brasch, geb. Dickmann (1895–1942) ziehen
aus und leben von da an zur Untermiete in der Dahl-
mannstraße 26. Am 15. August 1942 werden sie nach
Riga deportiert und dort drei Tage nach ihrer Ankunft
ermordet.
Der Ingenieur Hans Brasch ist Professor an der Techni-
schen Universität. Nach dem Verlust der Lehrbefugnis
emigriert er mit seiner Frau Trude Brasch, geb. Nehab
(1894–1989) und den Kindern Ines (*1925) und Stefan
(*1930) 1933 nach Alexandria, Ägypten, und 1939 nach
Melbourne, Australien, wo er 1950 bei einem Auto-
unfall stirbt.

Familie Levy 1930–1938
Zur Familie des Kinderarztes Jacob Levy (1889–1977)
gehören seine Frau Rachel Levy, geb. Katz (1894–1982)
und die Kinder Erich, Mirjam, Ruth und Rita. Von 1935
bis 1938 leben auch Jacobs Vater Joseph und seine Mut-
ter »Gustava« in ihrer Wohnung.
Jacob Levy ist Mitglied und Schularzt der Israeliti-
schen Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel), die in dem
ehemaligen Atelierhaus im Siegmunds Hof 11 eine
Synagoge und eine Schule eingerichtet hatte.
Mit der »Vierten Verordnung zum Reichsbürgergesetz«
vom 30. September 1938 verlieren alle jüdischen Ärzte
ihre Zulassung – Jacob darf nicht mehr als Kinder-
arzt arbeiten. Am 8. Januar 1939 wandert er mit seiner
Frau, den Kindern und der Mutter nach Palästina aus;
sein Vater war im Dezember gestorben. 1941 stellt die
Familie Levy Einbürgerungsanträge in Palästina – am
gleichen Tag wie die Familie von Jacobs Bruder, dem
Arzt Fritz Levy.

Isidor und Julie Löwenthal 1920–1938
Der Kaufmann Isidor Löwenthal (1859–1942) lebt mit
seiner Frau Julie, geb. Böhm (1859–1934) in der zwei-
ten Etage. 1939 zieht er aus und wohnt als Untermieter
in der Oranienburger Straße 87 – vermutlich musste
er auf Grundlage des »Gesetzes über Mietverhältnisse
mit Juden« seine Wohnung zugunsten »arischer«
Mieter aufgeben. Isidor stirbt 1942 im Jüdischen Kran-
kenhaus. Er ist auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-
Weißensee neben seiner Frau begraben.

Familie Reschofsky 1928–1936
Alexander Reschofsky (1869–1935) wohnt mit seiner
Frau Regina Reschofsky, geb. Abrahamson (1881–?) und
den Kindern Heinz (1902–76) und Johanna (1904–? ) in
der ersten Etage. Mit seinem Schwager Alfred Abra-
hamson führt er die Pelzhandlung Abrahamsohn und
Reschofsky in der Rosenstraße, später gründet er wei-
tere Geschäfte in Leipzig.
Nach dem Tod ihres Mannes zieht Regina zu ihrer
Schwester Thekla Graetz in deren Wohnung am Kur-
fürstendamm. 1939 emigriert sie mit ihrem Sohn nach
Brasilien. Heinz »Henrique« Rechofsky ist auf dem
jüdischen Friedhof von Porto Alegre begraben. Seine
Schwester Johanna und ihr Mann Walter Fabian wan-
dern nach Palästina aus, wo 1939 ihr Sohn Mikhael
geboren wird.

Die Gedenktafel wurde am 2. Juni 2026  in Kooperation mit dem Meerbaumhaus im Eingangsbereich des Hauses eingeweiht. 

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