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Joseph Ekwe Bilé

Douala 13.12.1892 - 1959

Bülowstraße 39

In diesem Haus wohnte 1929
JOSEPH EKWE BILÉ
13.12.1892 - 1959
Geboren in Douala (Kamerun), kam Bilé 1912 zu einem
Ingenieurstudium nach Thüringen. Am Ersten Weltkrieg nahm
er als Freiwilliger teil. Danach engagierte er sich politisch.
In Berlin war er 1929 Mitbegründer und Sekretär der
deutschen Sektion der »Ligue de Défense de la Race Nègre«.
Als Mitglied der KPD organisierte er globale Kampagnen
gegen Kolonialismus und Rassismus. Über Paris gelang dem
Schwarzen Aktivisten 1935 die Rückkehr nach Kamerun.

Die Berliner Gedenktafel ist in einem Edelstahlrahmen über der Hauseinfahrt befestigt. Sie wurde am 21.4.2022 eingeweiht. Grußworte sprachen Christine Regus, Leiterin des Referats Gedenkstätten, Museen, Einrichtungen Bildender Kunst sowie Anna Yeboah, Gesamtkoordination Dekoloniale Erinnerungskultur in der Sadt, die zudem einen Brief von Bilés Enkel Dominique Eyidi verlas. Die Laudatio übernahm Robbie Aitken, Historiker an der Sheffield Hallam University mit dem Fachgebiet afrodeutsche Geschichte. Abdou-Rahime Diallo und Feven Yoseph Kabada von der Band Sauti é Haala begleiteten die Veranstaltung musikalisch.

Der Kameruner Joseph Ekwe Bilé war einer der wichtigsten Schwarzen politischen Aktivisten der Weimarer Zeit. Durch sein Engagement innerhalb der transnationalen Netzwerke der Kommunistischen Internationalen und des Panafrikanismus gab er der Schwarzen Community in Deutschland eine politische Stimme. Er arbeitete mit prominenten und einflussreichen Schwarzen Aktivisten wie George Padmore, Tiemoko Garan Kouyaté, James Ford und Jomo Kenyatta zusammen, prangerte öffentlich die Gewalt der europäischen Imperien an und forderte gleiche Rechte für Schwarze Menschen weltweit. Gleichzeitig war er ein begabter Künstler und teilte die Theaterbühne mit Weltstars wie Josephine Baker in Wien und Paul Robeson in Berlin. Bilé machte seine Ausbildung in Hildburghausen und konnte 1914 nach Beginn des Krieges nicht in seine Heimat zurückkehren. Sein politisches Engagement in der deutschen Sektion der französischen Liga, die mit der KPD verbunden war, führte ihn 1932 nach Moskau. Von dort konnte er 1934 nicht nach Deutschland und auch nicht in das französische Mandatsgebiet Kamerun zurückkehren. Frankreich gestattete ihm erst 1935, nachdem er sich vom Kommunismus distanzierte, die Einreise dorthin. Er zog sich von politischen Aktivitäten zurück, gründete eine Familie und war als Architekt tätig. 1941 kam seine jüngste Tochter Grace Eyango Ekwe zur Welt, deren Sohn Dominique Eyidi berichtet in seinem bei der Einweihungsfeier der Gedenktafel verlesenen Gruß, dass auch er bisher keine Informationen zu Bilés Tochter Gertrud hat, die Helene Lück 1929 in Berlin zur Welt brachte. Joseph Ekwe Bilé starb 1959, nur ein Jahr bevor Kamerun die Unabhängigkeit erlangte.

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