zurück zur Suche

Johannes Schwartzkopff

Wolfsburg (Altmark) 2.8.1889 - Berlin 22.6.1968

Immanuelkirchstraße 1a

Das Heil kommt von den Juden.
Aus dem Johannes-Evangelium (Kapitel 4, Vers 22)
Schlusszitat in der Examensarbeit von Johannes Schwartzkopff (1912)
Pfarrer Johannes Schwartzkopff (1889-1968) war Mitbegründer der
Bekennenden Kirche in Mecklenburg und ein Freund Ernst Barlachs.
Er wurde durch Mitglieder der nationalsozialistischen Glaubens-
bewegung “Deutsche Christen” (DC) aus seinem Amt als Domprediger
zu Güstrow 1934 entfernt und von einem Gericht verurteilt.
Nach dem Tod von Pfarrer Walter Häfele (1900-1935), Mitglied des
Bruderrates der Bekennenden Kirche und Pfarrer an der Immanuel-
kirche, konnte durch den Einsatz von Gemeindehelferin Hildegard
Kurzawa und 709 Unterstützenden der Bekenntnisgemeinde Immanuel
die Berufung eines DC-Pfarrers verhindert werden.
Sie erreichten, dass 1937 Pfarrer Johannes Schwartzkopff an die
Immanuelkirche berufen wurde. Hier setzte er sich für die durch die
grausamen Rassengesetze Verfolgten ein. Er taufte und konfirmierte
in dieser Kirche jüdische Kinder, um sie vor Verfolgung zu schützen.
Eines von ihnen war Sigmar Schollak (1930-2012) aus der Christ-
burger Straße 31, Autor des Kinderbuches “Das Mädchen aus Harrys
Straße” (Berlin 1978).
Aufgrund seines Mutes und trotz mehrfacher Verhaftungen gelang es Johannes Schwartzkopff - zusam-
men mit weiteren Pfarrern der Bekennenden Kirche, seiner Ehefrau Helene, seiner Schwester Oberin Eli-
sabeth Schwartzkopff (Haus Gottesschutz), Gemeindehelferin Hildegard Kurzawa und der Bekenntnisgemeinde
Immanuel -, Verfolgte vor der Deportation zu schützen
und ihnen so das Leben zu retten.
Johannes Schwartzkopff setzte sich vergeblich für
seinen angeklagten Amtsbruder Pfarrer Friedrich
Heinrich Klein (Pfarrer an der Immanuelkirche) ein,
der 1943 wegen einer homosexuellen Beziehung nach
§ 175 StGB zu drei Jahren Haftstrafe verurteilt und
aus dem kirchlichen Dienst entfernt wurde.
Im Gedenken an die Opfer des
nationalsozialistischen Unrechts
Was ihr getan habt einem unter diesen
meinen geringsten Brüdern, das habt ihr
mir getan!
Aus dem Matthäus-Evangelium (Kapitel 25, Vers 40)
Zitat im von der Zensur freigegebenen
Nachruf auf Johannes Schwartzkopff im
Immanuel-Boten (September 1968)
Salvation comes from the Jews.
From th Gospel of John (Chapter 4, Verse 22)
Final quote in the exam paper by Johannes Schwartzkopff (1912)
Pastor Johannes Schwartzkopff (1889-1968) was co-founder of the Confessing Church in Mecklenburg and a
friend of Ernst Barlach. Together with the Confessional Community Immanuel, he stood up for Jewish People
persecuted during the time of National Socialism.
www.immanuelgemeinde.de/schwartkopff

In den Text der Inschrift ist links oben eingeblockt ein Portraitfoto des Pfarrers, der sich in der Bewegung "Bekennende Kirche" engagierte. Weiter unten findet sich auf der rechten Seite das Faksimile einer “Unterschriftenliste vom 18.6.1935". Darin wird von den “Für die Bekenntnisgemeinde Immanuel” Unterschreibenden “an den Evangelischen Oberkirchenrat das dringende Ersuchen” gerichtet, “unserer berechtigten Forderung nachdrücklich Rechnung zu tragen, damit einer weiteren Schädigung der Gemeinde Einhalt geboten wird.” Wie die Forderung konkret lautete geht daraus nicht hervor.

Die gerahmte, in Grautönen gestrichene Metalltafel steht aufgeständert auf dem Gemeindegrundstück in der Immanuelkirchstraße in unmittelbarer Nähe zur Prenzlauer Allee und wurde am 21.11.2018 von der Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates, Uta Motschmann, Bezirksbürgermeister Sören Benn und Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, enthüllt. An das Wirken und die Verdienste von Johannes Schwartzkopff erinnerten Pfarrer Mark Pockrandt und der Professor für ältere Kirchengeschichte an der Humboldt-Universität, Christoph Markschies. Die Inschrift ist von der Grundstücksseite aus zu lesen.

Straßenseitig steht  unter einem großformatigen Brustbild:
An der Immanuelkirche wirkte
Oberkonsistorialrat Johannes Schwartzkopff
geboren am 2.8.1889 in Wolfsburg (Altmark)
gestorben am 22.6.1968 in West-Berlin
als Pfarrer von 1937 bis 1958
Gemeinsam mit der Bekenntnisgemeinde
Immanuel setzte er sich für Menschen ein, die in
der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden.
In dankbarem Erinnern
Die Evangelische Immanuel-Kirchengemeinde
Enthüllt am Buß- und Bettag, 21. November 2018

zurück