zurück zur Suche
Informationstafel zum Invalidenfriedhof mit mehreren historischen Schwarz-weiß-Fotografien von Grabsteinen und dem Friedhofsgelände
Informationstafel zum Invalidenfriedhof neben einem von Bäumen gesäumten Weg mit Gräbern auf der rechten Seite

Invalidenfriedhof

Map Scharnhorststraße 32

Invalidenfriedhof

Der Invalidenfriedhof entstand 1748 im Zu-
sammenhang mit dem Bau des von Friedrich
II. befohlenen Invalidenhauses als Hospital
für seine „lahmen Kriegsleut“, das am 15.
November 1748 eingeweiht wurde. Dazu
gehörten auch eine evangelische und eine
katholische Kirche. Neben der Militärge-
meinde gab es eine immer größer werdende
Zivilgemeinde, die auch den Invalidenfried-
hof als Begräbnisstätte nutzte, so dass mehr
Zivilisten als Soldaten beigesetzt wurden.
Nach den Befreiungskriegen gegen Napo-
leon 1813-1815 wurde der Friedhof Begräb-
nisstätte für hochrangige Offiziere des
preußischen Heeres, wie z. B. Gerhard
Johann David Scharnhorst, dessen Grabmal
nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel
errichtet wurde.
Während der NS-Zeit ist neben einigen
Vertretern des Naziregimes, wie Reinhard
Heydrich, Leiter des Reichssicherheitshaupt-
amtes, und Fritz Todt, Reichsminister für
Bewaffnung und Munition, auch der letzte
Kommandant des Invalidenhauses und Ver-
treter des militärischen Widerstands gegen
Hitler, Oberst Wilhelm Staehle, bestattet worden.
In der mehr als 250jährigen Geschichte
des Friedhofs fanden etwa 30.000 Beiset-
zungen statt - Soldaten, Geistliche, Kultur-
schaffende, Wissenschaftler, Handwerker,
Industrielle und Arbeiter. Das Invalidenhaus
wurde nach dem Ersten Weltkrieg als mili-
tärische Einrichtung geschlossen, in eine
Stiftung „Invalidenhaus“ umgewandelt und
zog 1939 in eine Musterhaussiedlung nach
Berlin-Frohnau.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
wurde der Friedhof auf Beschluss des Alli-
ierten Kontrollrats als militärisches Objekt
beschlagnahmt, der Friedhofsbetrieb blieb
jedoch davon zunächst unberührt. Im Mai
1951 beschloss der Magistrat von Groß-
Berlin dann die Schließung des Friedhofs
und den Ablauf der Ruhefrist aller vor 1925
belegten Grabstätten sowie deren schritt-
weise Einebnung.

Mit der Errichtung der Berliner Mauer am
13. August 1961 wurde die systematische
Zerstörung des Friedhofs fortgesetzt. Wäh-
rend des nun folgenden DDR-Grenzregimes
wurde der Friedhof regelrecht geschändet,
denn alle Bereiche des Friedhofs wurden
„Grenzgebiet“. Das hatte zur Folge, dass von
den verbliebenen etwa 3.000 Gräbern nach
dem Fall der Mauer am 9. November 1989
nur noch knapp 300 vorhanden waren.
Trotz der immensen Zerstörungen bot der
Friedhof aber immer noch ein fast geschlos-
senes Bild der Berliner Sepulkralkultur der
letzten 200 Jahre. Der Friedhof wurde daher
noch 1990 unter Denkmalschutz gestellt,
und die Gartendenkmalpflege des Landes-
denkmalamts Berlin arbeitete erste Sanie-
rungs- und Restaurierungskonzepte aus.
Im November 1992 wurde der Förderver-
ein Invalidenfriedhof e. V. gegründet, der
seither die Arbeiten der staatlichen Stel-
len durch Einwerben erheblicher Mittel bis
heute unterstützend begleitet. So konnte
eine Vielzahl historisch und kulturell wert-
voller Grabstätten wieder restauriert, saniert
oder per Erinnerungsstein restituiert wer-
den. Parallel dazu wurde ein Begrünungs-
programm aufgelegt.
Der kultur-, militär- und sozialgeschicht-
lich bedeutsame Invalidenfriedhof wurde
als Denkmal der preußischen, deutschen
und Berliner Geschichte vor dem weiteren
Verfall bewahrt, behutsam restauriert und
ist heute wieder eine würdevolle Stätte
der Besinnung und Erinnerung.

Diese blaue Informationstafel geht zurück auf eine Idee des Landesdenkmalamts. Weitere Tafeln desselben Designs existieren im gesamten Stadtraum Berlins. Die Tafeln sind gerahmt von einem Stahlgestell, die Texte und Bilder befinden sich auf einer beschichteten Kunststoffplatte. 

Die Bildunterschriften entsprechend der Einbettung im Fließtext lauten:
[1] Grabmal für Ludwig Freiherr v. Falkenhausen, Zustand 1992 (restauriert 2001)
[2] Erste Restaurierung: Aufbau der Grabanlage für Generalleutnant Gustav v. Kessel,
Kommandant des Invalidenhauses; im Hintergrund die 1990 neu gepflanzte Lindenallee
entlang des 1992 wiederhergestellten Hauptwegekreuzes
[3] Das stark zerstörte Grabmal für Hans v. Seekt, Zustand 1991 (restauriert 1998)
[4] Grabmal für Julius v. Gross, genannt v. Schwarzhoff; Zustand 1992 (restauriert 2002);
die Skulptur zeigt den Erzengel Michael im siegreichen Kampf mit dem Drachen

Angaben zu genutzten Quellen, Autorenschaft und Impressum:
Impressum
Bezirksamt Mitte von Berlin,
Straßen- und Grünflächenamt Finanzierung:
v.-Hinckeldey-Stiftung Berlin Konzeption, Redaktion, Layout: HORTEC Berlin
Text und Fotos:
Förderverein Invalidenfriedhof e. V.
Auskünfte und Führungen:
Tel. 030/36 46 1609, E-Mail:
info@foerderverein-invalidenfriedhof.de

www.foerderverein-invalidenfriedhof.de 

 

zurück