Hermann Geitner
Map Kemperplatz
Hermann Geitner wird am 3. März 1848
als Sohn eines Porzellanwarenfabrikanten
in Althaldensleben bei Magdeburg gebo-
ren. In seinen Jugendjahren absolviert er
in der Baumschule seines Geburtsortes
eine Gärtnerlehre. Die Baumschule gehör-
te mit zwei weiteren Standorten zur damals
deutschlandweit bekannten Handelsgärtnerei
zu Althaldensleben, Teil der 1811 gegrün-
deten Nathusius'schen Gewerbeanstalten
von Johann Gottlob Nathusius (1760 –
1835), einem Magdeburger Kaufmann
nd Tabakfabrikanten, Besitzer der Güter
Althaldensleben und Hundisburg.
In der Baumschule Althaldensleben werden
vorwiegend nordamerikanische Baumarten,
die in Europa noch wenig bekannt sind, wie
Ahorn, Akazien, Eschen und Tannen, für den
Handel herangezogen.
Nach seiner Lehre begibt sich Hermann
Geitner auf Gesellenreise und erweitert in ver-
schiedenen Gartenbaubetrieben seine Fach-
kenntnisse, bis er 1870 beim 2. Infanterie-
Garderegiment seinen Kriegsdienst antritt
und am Feldzug gegen Frankreich teilnimmt.
Nach dessen Ende kehrt er 1871 nach Berlin
zurück und erhält bei Tiergartendirektor
Eduard Neide (1818-1883) eine Anstellung
als Gehilfe im Großen Tiergarten. Hier
und in vielen Privatanlagen seines ge-
schätzten Lehrers und Mentors erweitert er
sein gärtnerisches Wissen, das er, mittlerweile
Königlicher Tiergartengärtner, bei den anste-
henden Umwandlungen im Tiergarten nutz-
bringend einzusetzen versteht. 1880 schlägt
Neide ihn für den frei gewordenen Platz
des Tiergarten-Obergärtners vor. In dieser
Funktion, und befähigt durch die Aneignung
weiterer Fachkenntnisse, unter anderem im
Feldmessen und Zeichnen, ist Geitner an der
Ausführung der schmuckgärtnerischen An-
lagen an den Denkmälern auf der Luiseninsel,
bei der Anlage des Wintergartens am
Goethe-Denkmal und bei der Herstellung
des Zeltenplatzes beteiligt. 1884 veröffent-
licht Geitner zu Ehren des ein Jahr zuvor ver-
storbenen Eduard Neide in „Ausgeführte
Gartenanlagen" zehn von ihm selbst gezeich-
nete und erläuterte Plantafeln, die der deut-
schen Gärtnerwelt einen Einblick in die vielfäl-
tige Arbeit Neides geben und die Erinnerung
an ihn wach halten sollen.
Mit dem Aufstieg zum Königlichen Tiergar-
teninspektor im Jahr 1889 nimmt Geitner zu-
nächst eine Reihe praktischer Neuerungen
vor. Unter seiner Ägide entstehen Spielplätze,
Milchhallen und Bedürfnisanstalten; die
Hauptpromenaden erhalten Mosaikpflaste-
rungen, Rasenflächen eine Einfassung mit
Tiergartengittern. Ab 1895 ist er maßgeblich
an der Planung und Ausführung der Garten-
anlagen in der Sieges-Allee beteiligt - ein von
Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) beauftragter
und finanzierter 750 m langer Prachtboulevard
zwischen Kemper- und Königsplatz (heute
Platz der Republik). Insgesamt 32 Denkmäler
vormaliger Herrscher Brandenburg-Preußens
zusammen mit je 2 bedeutenden Zeitgenossen
säumen die Allee. Für die erhöht auf Bank-
plätzen stehenden marmornen Skulpturen
sieht Geitner eine Rahmung mit geschnitte-
nen, dunklen Eiben-Hecken vor, dazwischen
ordnet er in symmetrischer Abfolge Gehölz-
und Blumenbeete an.
In diese Zeit fällt seine Ernennung zum
Königlichen Gartendirektor des Tiergartens,
dieses Amt er von 1896 bis zu seinem Tod im
Jahr 1905 innehat. Auslichtungen, nach
der Devise Wilhelm II. „Im Park muss die
Axt regieren", verbunden mit der Schaffung
von Rasenflächen und der Pflanzung zahl-
reicher Rhododendren zählen dabei zu den
Hauptaufgaben Geitners. Darüber hinaus ge-
staltet er das Umfeld verschiedener Denkmäler
neu und nimmt die Umgestaltung größerer
Plätze, darunter Königsplatz und Opernplatz,
sowie des Lustgartens vor.
Für seine Verdienste um den Großen Tiergarten
wird Geitner 1903 mit dem roten Adlerorden
IV. Klasse ausgezeichnet. 1904 erhält er an-
lässlich der Enthüllung der Jugendstatue des
Großen Kurfürsten von Kaiser Wilhelm II.
persönlich die Krone zu diesem Orden.
Neben seinen gärtnerischen Ausführungen im
Tiergarten wirkt Hermann Geitner zudem bei
der Gestaltung namhafter Berliner Plätze und
Grünanlagen mit. Entwürfe zu den Erstanlagen
des Friedrich-Karl-Platzes (Klausener Platz),
des Steinplatzes und des Savignyplatzes so-
wie Pläne zur Umgestaltung der Straße
„Unter den Linden" und des Grunewalds in
einen Volkspark tragen seine Handschrift,
ebenso wie Veränderungsmaßnahmen im
Landesausstellungspark in Berlin-Moabit, da-
mals ein Ort für Gewerbe- und internationale
Kunstausstellungen.
Auch außerhalb Berlins ist Geitner landschafts-
gärtnerisch tätig. Die Besitzer großer Land-
sitze in den preußischen Provinzen betrauen ihn
mit Neuerungs- und Umgestaltungsarbeiten in
ihren Gärten; unter anderem in Pommern im
Schlosspark Ralswick auf Rügen des Grafen
Douglas, in der Provinz Posen (heute Polen)
im Schlosspark Wasowo des Kammerherrn von
Hardt sowie in der Provinz Brandenburg in den
Parkanlagen von Schloss Vinzelberg (Jordan
von Kröcher), Schloss Marquardt (Kommer-
zienrat Ravené) und Schloss Hubertushöhe
(Kommerzienrat Büxenstein) am Dollgensee
bei Storkow.
Die Umgestaltung des Wilhelm- und
Zietenplatzes in Berlin-Mitte (gemeinsam
mit Stadtgartendirektor Hermann Mächtig
(1837-1909)), erlebt Geitner nicht mehr. Er
stirbt drei Jahre zuvor nach schwerer Krank-
heit am 28. Oktober 1905. Sein Grab befin-
det sich auf dem Dorotheenstädtischen
Friedhof II in der Liesenstraße in Berlin-Mitte.
In „Die Gartenkunst", der Verbandszeitschrift
es Vereins der Gartenkünstler, kurz VdG
(seit 1995 die Deutsche Gesellschaft für Gar-
tenkunst und Landschaftskultur - DGGL), in
dem Hermann Geitner Mitglied war, wird er
in einem Nachruf als Autodidakt, dessen
Tatkraft und Tüchtigkeit ihm den Weg zu der
von ihm bekleideten Stellung bahnten, und als
„einer unserer bedeutendsten Landschaftsgärtner,
ein trefflicher Organisator, ein Mann von weitem
Blick und gesundem Menschenverstande" gewür-
digt (Gartenkunst 1905, VII/12, S. 211).
Eine Bronzebüste, die ihm zu Ehren im Großen
Tiergarten aufgestellt wurde, ist im Zweiten Weltkrieg
eingeschmolzen worden. Sie stand
nach Familienberichten mit zwei weiteren
Büsten anderer verdienter Berliner vermut-
lich am südlichen Rand des Kurfürstenplatzes
(heute Zeltenplatz), wo verschiedene Alleen
zusammentreffen.
The Royal Tiergarten Director Hermann
Geitner (1848-1905)
Hermann Geitner was born on 3 March 1848
in Althaldensleben near Magdeburg. The son
of a porcelain manufacturer, he trained as a gar-
dener at the famous nursery of Johann Gottlob
Nathusius (1760-1835) in Althaldensleben.
The tree nursery there specialised in cultivating
North American varieties of maple, acacia, ash,
and fir trees for the market, which were not
well known in Europe at that time.
After completing his apprenticeship Geitner
set off as a travelling journeyman. After his re-
turn from the Franco-Prussian War in 1871,
he was taken on by Tiergarten Director Eduard
Neide (1818-1883) as an assistant in the
Grosser Tiergarten park. There, as well as in
many private gardens of his respected teacher
Neide, Geitner, who in the meantime had be-
come a Royal Tiergarten gardener, broadened
his knowledge and later used it to good effect
in implementing the changes that were plan-
ned for the Tiergarten. In 1880 Neide recom-
mended him for the vacant post of head gar-
dener in the Tiergarten. While in this position
Geitner created ornamental gardens on the
Luiseninsel and at Goethe's monument; he was
also involved in the creation of the Zeltenplatz.
In honour of his teacher Neide, who had died
the year before, in 1884 Geitner published ten
plans in the book Ausgeführte Gartenanlagen
giving a representative overview of Neide's
iverse oeuvre.
Promoted to Royal Tiergarten Inspector in
1889, Geitner first embarked on a series of
practical innovations in the park. Playgrounds
were laid out, milk bars and public conveni-
ences built, cobblestones paved the main pro-
menades, and lawn areas were bordered by dis-
tinctive Tiergarten fences. From 1895, Geitner
played a prominent role in the planning and
construction of the gardens on the Sieges-
Allee, a 750 metres long impressive boulevard
between Kemperplatz and Königsplatz, which
is today the Platz der Republik. The thirty-two
marble statues of past rulers of Brandenburg
and Prussia standing elevated above spaces with
benches Geitner framed with dark yew hedges,
and between them designed a symmetrical
sequence of beds with shrubs and flowers.
During this period Geitner was appointed
Royal Garden Director of the Tiergarten, a
position he held from 1896 until his death in
1905. Landscaped vistas, true to the dictum
of King Wilhelm II., "In parks the axe must
rule", combined with lawn areas and rhodo-
dendron groves were among his main projects.
In addition, Geitner designed the plantings
around various monuments and redesigned
public plots of land. In recognition of his con-
tributions to the Grosser Tiergarten, in 1903
Geitner was decorated with the Order of the
Red Eagle 4th Class.
Parallel to his work in the Tiergarten, Geitner
was involved in the landscape design of many
famous squares and gardens, for examp-
le, at Schloss Ralswick/Rügen of Graf Dou-
glas and Schloss Vinzelberg of Jordan von
Kröcher. Geitner did not live to see the
completion of his redesign of Wilhelm-
platz and Zietenplatz in Berlin-Mitte (to-
gether with Municipal Gardens Director
Hermann Mächtig (1837-1909)). He died
after a serious illness on 28 October 1905.
December 1905 issue of Die Gartenkunst, the
journal of the Verein der Gartenkünstler – VdG
(today DGGL, German Society for Garden
Design and Cultural Landscapes), paid tribute
to its member Hermann Geitner as "one of our
most important landscape gardeners, a splen-
did organiser, a far-sighted man endowed with
great common sense."
Diese blaue Informationstafel am Zugang in den Großen Tiergarten geht zurück auf eine Idee des Landesdenkmalamts. Weitere Tafeln desselben Designs existieren im gesamten Stadtraum Berlins. Die Tafeln sind gerahmt von einem Stahlgestell, die Texte und Bilder befinden sich auf einer beschichteten Kunststoffplatte.
Die Bildunterschriften entsprechend der Einbettung im Fließtext lauten:
[1] Hermann Geitner, Porträt um 1902 (Foto: Familienbesitz)
Hermann Geitner, portrait ca. 1902 (photo: courtesy of the Geitner family)
[2] Umgebung des Luisendenkmals im Königl. Thiergarten
b. Berlin, Ausführung E. Neide und H. Geitner (in:
„Ausgeführte Gartenanlagen", 1884, Tafel VII)
Surrounding area of the monument to Queen Louise of
Prussia, Royal Thiergarten park in Berlin, designed by
E. Neide and H. Geitner (in: Ausgeführte Gartenanlagen, 1884,
Plate VII)
[3] Ansicht von Althaldensleben aus etwa südlicher
Richtung, Kupferstich W. Ries, um 1835
Vor den Rauch emittierenden Steingut- und Porzellanmanufakturen
neben dem ehem. Klosterkomplex verschiedene Anpflanzungen
der Baumschule
View of Althaldensleben from the south, engraving by
W. Ries, ca. 1835
In front of the smoking chimneys of the pottery and porcelain
factories next to the former monastery complex are various sections
of the tree nursery
[4] Königsplatz in Berlin, Ausführung E. Neide und
H. Geitner (in: „Ausgeführte Gartenanlagen", 1884, Tafel III)
Königsplatz in Berlin, designed by E. Neide and
H. Geitner (in: Ausgeführte Gartenanlagen, 1884, Plate III)
[5] Plan der Sieges-Allee mit den 32 Figurengruppen
(in: Griebens Reiseführer Berlin und Umgebung 1902)
Map of the Sieges-Allee featuring statues of 32 past rulers
of Brandenburg and Prussia (in: Griebens Reiseführer Berlin
und Umgebung 1902)
[6] Bronzebüste Hermann Geitners im Großen Tiergar-
ten, im 2. Weltkrieg eingeschmolzen (Foto: Familienbesitz)
Bronze bust of Hermann Geitner in the Grosser
Tiergarten, melted down during World War II. (photo:
courtesy of the Geitner family)
[7] Berlin, Sieges-Allee am Denkmal des Großen Kurfürsten, Postkarte um 1900
Berlin, Sieges-Allee, monument of the Great Elector, postcard ca. 1900
Angaben zu genutzten Quellen, Autorenschaft und Impressum:
Literatur:
Ausgeführte Gartenanlagen von E. Neide, Königlicher Garten-
director in Berlin. Herausgegeben von H. Geitner, Kgl.
Thiergarten-Obergärtner in Berlin. Paul Parey Verlag, Berlin 1884
Dittmer, A.; Krummacher, Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-
kirche: Eine Erinnerung an den Königlichen Tiergarten-Direktor
Hermann Geitner. Druckerei des Sonntagsblattes, Berlin S W. 13.
Dittmer, A., Königl. Tiergarten-Obergärtner: Eine Erinnerung an
Gartendirektor Hermann Geitner. In: Gartenflora, 54. Jg. 1905.
S.644-646
Impressum:
Finanzierung Tafel / Information Board founded by:
Landesdenkmalamt Berlin, Gartendenkmalpflege
Text, Bildauswahl / Text, Selection of Photographs:
HORTEC Berlin, Esther Bertele
Redaktion/Editorial:
Landesdenkmalamt Berlin, Klaus Lingenauber,
Wolfgang und Monika Heiß geb. Heylandt (Urenkelin
von Hermann Geitner). Bad Krozingen
Layout:
HORTEC Berlin
Oktober 2015
