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Heinrich Finkelstein

Leipzig 31.7.1865 - Santiago de Chile 28.1.1942

Reinickendorfer Straße 61

Hier wirkte als Ärztlicher Direktor
HEINRICH FINKELSTEIN
31.7.1865 - 28.1.1942
Er beeinflusste die Entwicklung der Kinderheilkunde in
Deutschland entscheidend. Sein »Lehrbuch der Säuglings-
krankheiten« wurde zum Standardwerk in der Pädiatrie
Weltweit genoss er hohes Ansehen. Mit seinen Forschungen
trug er maßgeblich zur Reduktion der Säuglingssterblichkeit bei
Von den Nationalsozialisten als Jude verfolgt, floh er 1939 ins
Exil nach Santiago de Chile, wo sich sein Grab befindet

Finkelstein, der die Bergwelt liebte, studierte in München und Leipzig Geologie und promovierte darin. Anschließend studierte er ab 1888 nach dem Tod seines Bruders - um die Familie besser unterstützen zu können - in seiner Heimatstadt Medizin und promovierte 1892 zum Doktor der Medizin. Während des Studiums war sein Lehrer u.a. Otto Heubner, den er schätzte und dem er nach Berlin folgte. Ab 1894 arbeitete er an der Kinderabteilung der Charité, 1899 habilitierte er. Sein Arbeits- und Forschungsschwerpunkt waren Säuglinge und deren Erkrankungen, wobei er den ganzen kleinen Menschen im Blick hatte und nicht nur eine einzelne Erkrankung. 1902 wurde er Chefarzt der Kinderabteilung des Städtischen Waisenhauses und des Kinderasyls in Berlin. Dort betrug die Säuglingssterblichkeit 87%. Finkelstein gelang es durch umfangreiche Maßnahmen, diese binnen zwei Jahren auf zehn Prozent zu senken. 1910 entwickelte er gemeinsam mit Ludwig Ferdinand Meyer die Eiweißmilch als erste künstliche Säuglingsnahrung, die unzähligen Kindern das Leben rettete. 1918 folgte er Adolf Baginsky (Ratibor/Oberschlesien [Racibórz/Polen] 22.5.1843 - [Berlin-]Charlottenburg 15.5.1918) als Leiter des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhauses bis zum Abschied aus Altersgründen am 1.3.1933. Wegen seiner jüdischen Herkunft war er den Verfolgungen durch das NS-Regime ausgesetzt. 1934 wurde ihm die Kassenzulassung genommen und 1936 die Lehrbefugnis aberkannt. 1936/37 folgte er einer Einladung an die University of Chicago, kehrte aber nach Deutschland zurück. Erst 1939 flüchtete er, der unverheiratet blieb, mit seiner Schwester ins Exil nach Santiago de Chile. Dort starb er hochverehrt von seinen dortigen Kollegen, aber einsam und unter Heimweh leidend. Auf dem Cementario General der chilenischen Hauptstadt ist er begraben.
Am 13.3.1942 erschien im „Aufbau” (S. 7) ein anrührender Nachruf von dem Chirurgen Dr. Moritz Borchardt (s. a.  Ärzte am Moabiter Krankenhaus) aus dem Exil in Buenos Aires, seines jahrzehntelangen ärztlichen Kollegen und Bergfreundes. Er schreibt darin über die Beisetzung des an einer Typhusinfektion Gestorbenen: „Mit grössten Ehren hat man Heinrich Finkelstein begraben. Sein blumengeschmückter Sarg wurde von Aerzten der Kinderklinik auf den Friedhof getragen. Den Begräbnisplatz hat die Chilenische[!] Regierung Finkelsteins überlebender Schwester geschenkt.”
Die Berliner Gedenktafel ist in einem Edelstahlrahmen links vom Eingang zu Haus 15 des Evangelischen Geriatriezentrums Berlin über der Tafel für Ludwig Ferdinand Meyer befestigt. Sie wurde am 1.8.2016 von Staatssekretärin Hella Dunger-Löper und dem Kinderarzt Dr. Thomas Lennert enthüllt. Frau Dunger-Löper berichtete ausführlich aus dem Lebenswerk des Geehrten, Dr. Lennert schilderte einfühlsam den Menschen (s. unter Material).
Vor dem Haus, auf einer Rasenfläche steht auf einem Sockel aus dunklem Granit der Bronzekopf Baginskys. Auf einer kleinen Tafel darunter steht: PROF. DR. ADOLF BAGINSKY / 1843 - 1918 / Gründer und Direktor des / Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinderkrankenhauses / 1890 - 1918

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