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Ansicht Gedenktafel Gutshaus Neu-Kladow
Ansicht Gedenktafel Gutshaus Neu-Kladow - Bild 1

Gutshaus Neu-Kladow

Map Neukladower Allee 10

GUTSANLAGE NEU-KLADOW

1313
Erste urkundliche Erwähnung Neu-Cladows als slawische Siedlung.
1799
Die Gutsanlage gelangt in den Besitz des preußischen Königs Friedrich-
Wilhelm III., der sie seinem Kabinettsrat Anastasius Ludwig Mencken
überläßt.
1800
Errichtung eines Wohnhauses durch den Architekten David Gilly
und Entstehung des Gutsparkes, dessen Gestalter bisher nicht bekannt ist.
1801
A. L. Mencken stirbt, seine Tochter Luise Wilhelmine lebt noch bis
1806 auf den Gut. Sie heiratet später Ferdinand von Bismarck und wird
die Mutter Otto von Bismarcks.
1806-87
Neu-Cladow wechselt siebzehnmal den Besitzer.
1887
Robert Guthmann, Bauunternehmer und Begründer der Rüdersdorfer
Zementindustrie übernimmt die heruntergewirtschaftete Gutsanlage und
läßt sie für seine Familie herrichten.
1909
Der Sohn und Kunsthistoriker Dr. Johannes Guthmann übernimmt das
Gut. Es bleibt aber weiterhin im Besitz des Vaters.
1909-12
Die Gutsanlage wird durch den Architekten Paul Schultze-Naumburg
umgebaut, der die Architektur Gillys im wesentlichen erhält. Hinzugefügt
wird die halbkreisförmige, von schlanken Säulen getragene Terrasse,
deren zwei geschwungene Treppenläufe in den Park führen. An
Neubauten werden die Torhäuser, das Naturtheater, der Gartenpavillon
und die den Park umgebende Mauer ergänzt.

Gleichzeitig werden der alte Baumbestand freigelegt, die zugewachsenen
Blickleziehungen zur Havel geöffnet und die historischen Parkstrukturen
herausgearbeitet. Durch die Ausnutzung der natürlichen Topographie formt
Schultze-Naumburg eine einzigartige Parklandschaft.

Die Fläche des ehemaligen Wirtschaftshofes wird in ein regelmäßiges Blumen-
parterre mit achsialem Wegekreuz umgestaltet. Ein tieferliegendes, recht-
eckiges Wasserbecken betont die Mitte der vier Beete. Die Bepflanzung
wird durch Johannes Guthmann selber in den Farben Rot, Weiß, Violett
goldenes Gelb bestimmt.

Erst später wird er vom Staudenzüchter Karl Foerster beraten. Das Blumenparterre
zieht sich bis zum Gartenpavillon mit der anschließenden Pergola hin, in welche acht
Tierbronzen von August Gaul integriert sind.

Karl Foerster legt eine mehrere hundert Quadratmeter große Blütenkaskade als
Wildrosenhang an. Unterhalb desselben liegt der „Elsengrund“, ein versiegter
Havelarm. Durch die Entfernung des Aufwuchses kommt ein wunderschönes abfal-
lendes langgezogenes Wiesental zum Vorschein. Umsäumt wird es von
Solitärbäumen und Gehölzgruppen.

Unter Dr. Johannes Guthmann entwickelt sich die Gutsanlage zum Musenhof. Zu
den engeren Freunden gehören Gerhard Hauptmann und der Maler Max Slevogt, der
auch den von Schultze-Naumburg gestalteten Gartenpavillon mit Wandbildern aus-
schmückt.
1919
Aufstellung eines Gedenksteines im Elsengrund von dem Bildhauer August Gaul für
die 1910 verstorbene Schwester Johannes Gutmanns.
1920
Groß-Berlin wird gebildet, Neu-Kladow gehört nun zum Bezirk Spandau.
1921
Die Gutsanlage wird vom Vater an seine jüngste Tochter Mary übereignet. Bevor
Johannes Guthmann Neu-Kladow verläßt, macht er die wertvollen Slevogtschen
Fresken der Nationalgalerie zum Geschenk,
1924
Das schwierige Unterfangen der Freskenübertragung in das
Kronprinzenpalais kommt zum Abschluß. Im Zweiten Weltkrieg wird das
Kunstwerk zerstört.
1929
Das Gut Neu-Kladow wird an die Stadt Berlin verkauft.
Ab 1932
Die Gutsanlage geht in Reichsbesitz über. In den darauffolgenden Jahren
entstehen die heute noch vorhandenen Baracken und Behelfsbauten, die während
des Krieges als Lazarett dienen. Die alte Scheune mit dem Gartenpavillon und der
angrenzenden Pergola muß 1954 dem Bau des Kasinos weichen, die
Fläche des Blumenparterres wird aufgefüllt.
1951-95
Die ehemalige Gutsanlage wird von der Arbeiterwohlfahrt, die zugleich
ein großes Interesse an der Erhaltung des historischen Ensembles zeigt,
als Erholungsheim genutzt.

Denkmalpflegerische Wiederherstellung
Bereits 1980 hat die Berliner Gartendenkmalpflege eine Grundlagen-
forschung in Auftrag gegeben. Es folgten umfangreiche Gehölzpflege-
maßnahmen, Wiederherstellung der artenreichen Naturwiesen und die
Durchführung gartenarchäologischer Grabungen. Das historische
Wegenetz wurde darüberhinaus durch das Naturschutz- und
Grünflächenamt Spandau schon weitgehend instandgesetzt.
Seit 1.1.1996 wird die 16 Hektar große öffentliche Parkanlage, die mit
ihren Bauten wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und
wissenschaftlichen Bedeutung unter Denkmalschutz steht, vom
Naturschutz- und Grünflächenamt gepflegt und weiterentwickelt. Wissenschaftlich-
konservatorisch betreut werden die Arbeiten vom Landesdenkmalamt Berlin,
Gartendenkmalpflege. Die Anlage befindet sich in Bundes- und Landesbesitz.

Diese blaue Informationstafel geht zurück auf eine Idee des Landesdenkmalamts. Weitere Tafeln desselben Designs existieren im gesamten Stadtraum Berlins. Die Tafeln sind gerahmt von einem Stahlgestell, die Texte und Bilder befinden sich auf einer beschichteten Kunststoffplatte. 

Die Bildunterschriften entsprechend der Einbettung im Fließtext lauten:
[1] [Das Gutshaus von der Südseite, um 1925
[2] Blick durch die Pergola auf das Verwalterhaus, 1925, Ullstein Bilderdienst
[3] Rekonstruktionsplan des Gutsparks Neu-Kladow, Zustand um 1912. Bildarchiv Kleeberg
[4] Der Blumengarten in Neu-Kladow, Max Slevogt, 1912
Original im Westfälischen Landesmuseum für Kunst- und
Kulturgeschichte in Münster
[5] Der Gartenpavillon mit den Wandbildern von Max Slevogt, o.D.

 

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