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Blaue Infotafel mit Text und Bildern von historischen Objekten.
Die Blaue Infotafel ist mit Efeu umhüllt an einer Hauswand. Rechts ist eine Straße in der Altstadt.

Geschichte der Spandauer Juden im Mittelalter

Map Jüdenstraße 11

Geschichte der Spandauer Juden im Mittelalter

Die Kinkelstraße, in der Sie sich jetzt befinden, hieß bis in das
20. Jahrhundert Jüdenstraße. 1938 wurde sie von den Nazis,
wie die anderen Berliner Straßen mit jüdischem Hintergrund, um-
benannt. 1537 erscheint der Name Jüdenstraße erstmals in der
schriftlichen Überlieferung, der Zuzug von Juden nach Spandau
fand jedoch bereits viel früher statt. Unter den Zuwanderern, die
während der deutschen Ostsiedlung seit dem 12. Jahrhundert in
den Raum östlich der Elbe kamen, befanden sich zahlreiche
Juden. Sie waren in den westlichen Gebieten des mittelalter-
lichen Deutschen Reiches seit der Zeit der Kreuzzüge schweren
Verfolgungen ausgesetzt und ließen sich in der Hoffnung auf
bessere Lebensbedingungen in den entstehenden brandenbur-
gischen Städten nieder, so auch in Spandau um das Jahr 1200.

Die jüdische Gemeinde Spandaus war zunächst bedeutender als
die Berliner. Die in der Zitadelle aufgestellten jüdischen
Grabsteine aus dem Mittelalter sind weit über Spandau und
Berlin hinaus die wichtigsten Zeugnisse einer blühenden Ge-
meinde, die über eine Synagoge für den Gottesdienst und den
Unterricht sowie über einen Friedhof verfügte. Wahrscheinlich in
der Jüdenstraße befand sich die erstmals 1342 erwähnte
Synagoge, der jüdische Friedhof lag zwischen Stadtmauer und
Galgen (an der Hochgerichtsstraße, heute Seegefelder- / Zep-
pelinstraße). Ob es daneben noch weitere jüdische Friedhöfe
gegeben hat, bedarf eingehender wissenschaftlicher Erörterung.

Über 70 Grabsteine wurden bei Ausgrabungen im Bereich de
Palas auf der Zitadelle gefunden. Zahl und Datierung lassen
Schlüsse auf die jüdische Bevölkerung Spandaus zu. Der älteste
Stein stammt aus dem Jahre 1244, der jüngste von 1474. Gerade
dieser Grabstein für Kalonymus, den Sohn des Herrn Mosche, ist
von besonderer historischer Bedeutung, weil sein Besitzer auch
im Berliner Bürgerbuch genannt wird und eine Spandauer
Kämmereirechnung von 1464 ihn als denjenigen ausweist, der
die Abgaben für die Spandauer jüdische Gemeinde zahlte. Die
Spandauer Juden leisteten nicht nur in finanzieller Hinsicht einen
Beitrag für die Stadt, sie waren auch, ähnlich wie die Handwer-
kerzünfte, für einen Teil der Stadtmauer und deren Verteidigung
verantwortlich. Wahrscheinlich befand sich dieser Teil der
Stadtmauer einschließlich eines Wehrturmes (Judenturm) am
entgegengesetzten Ende der Jüdenstraße.

Obwohl die jüdischen Einwohner Spandaus von Anfang an am
Auf- und Ausbau der Stadt beteiligt waren, sahen sie sich seit den
in der Mitte des 14. Jahrhunderts auftretenden Pestepidemien
immer wieder schweren Anfeindungen und Verfolgungen
ausgesetzt. Im Jahr 1510 wurden alle Juden aus der Mark
Brandenburg vertrieben, so auch aus Spandau.

Vorangegangen war ein religiös motivierter Prozeß, der auf
zweifelhaften Beweismitteln und durch Folter erpreßten
Geständnissen beruhte und 42 Juden, darunter zwei Spandauern,
das Leben kostete.

Diese blaue Informationstafel geht zurück auf eine Idee des Landesdenkmalamts. Weitere Tafeln desselben Designs existieren im gesamten Stadtraum Berlins. Die Tafeln sind gerahmt von einem Stahlgestell, die Texte und Bilder befinden sich auf einer beschichteten Kunststoffplatte. 

Die Bildunterschriften entsprechend der Einbettung im Fließtext lauten:
[1] Urkunde von 1488 mit Erwähnung der Synagoge (Judenschule)
[2] Grabstein für Kalonymos von 1474
Foto:J. Burns
[3] Eintragung im Spandauer Stadtbuch von 1493 über
die an den Rat zu zahlenden Abgaben der Juden
[4] Eintragung im Spandauer Stadtbuch von 1518 über die
Vermietung der Judenschule an Bürger
[5] „PLAN Der Stadt Spandau Intra Moenia“ von 1728
mit Jüdenstraße und Stadthof
Fotografische Verkleinerung auf ca. M 1:4000
[6] Ausschnitt der Karte von Berlin mit der Kinkelstraße
(ehemals Jüdenstraße), 1992/1999
Fotografische Vergrößerung auf ca. M 1:4000

Angaben zu genutzten Quellen, Autorenschaft und Impressum:
Impressum
Text: Bezirksamt Spandau von Berlin Jugendgeschichtswerkstatt
Grafische Gestaltung: WERKSTATT ZWO, Büro für Landschaftsplanung
Fotos: Archiv des Stadtgeschichtlichen Museums Spandau Jeffrey Burns
Karten: „PLAN Der Stadt Spam Intra Moenia“, 1728,
Mca 1:1000. Original Berlin, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz.
G StA PK XI HA Kar E1238, Karte von Berlin, Blatt 425A, 1999 und Blatt 425B, 1992
M 1:5000. Bezirksamt Spandau von Berlin, Abteilung Bau- und Wohnungswesen - Vermessungsamt (Hrsg.). Berlin

 

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