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Geiselhaft von Peter Lorenz

Berlin 22.12.1922 - Berlin 06.12.1987

Schenkendorfstraße 7

[linke Spalte]
Ort der Geiselhaft
von Peter Lorenz

Kurz vor der Abgeordnetenwahl in West-Berlin entführten
am 27. Februar 1975 Mitglieder der "Bewegung 2. Juni" den
CDU-Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten für das Amt
des Regierenden Bürgermeisters Peter Lorenz (1922-1987). Sie
erpressten die Freilassung inhaftierter und verurteilter Mitglieder
der "Roten Armee Fraktion" und der "Bewegung 2. Juni".
In diesem Wohnhaus Schenkendorfstraße 7 in Berlin-Kreuzberg
hatten Beteiligte der "Bewegung 2. Juni", die sich so nach dem
Tag der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg durch
einen Polizisten benannten, einen Laden angemietet. Den Keller
bauten die Entführer*innen für die geplante Geiselnahme um
und bezeichneten ihn als "Volksgefängnis". Hier wurde ein
Polaroid-Foto mit Peter Lorenz als "Gefangenem" aufgenommen.
Dieses wurde an die Deutsche Presse-Agentur weitergeleitet, um
den Forderungen der Freipressung in der Öffentlichkeit Nach-
druck zu verleihen.
Diese Entführung war die erste eines Politikers in der Geschichte
der BRD. Die Suche nach Peter Lorenz verlief erfolglos und es
folgte die bis dahin größte Fahndung in West-Berlin. Die Bundes-
regierung erfüllte die Forderungen, um das Leben von Peter
Lorenz zu retten. Die freigepressten Inhaftierten wurden in
Begleitung des Pastors und ehemaligen Regierenden Bürger-
meisters Heinrich Albertz (SPD) in den damaligen Südjemen
ausgeflogen. Nach seiner Rückkehr verlas er die von den
Terroristen vorgegebene Losung im Fernsehen und Peter Lorenz
wurde daraufhin am 4. März 1975 freigelassen. Den Ort seiner
Gefangenschaft konnte er nicht benennen; dieser wurde erst
mehrere Monate nach der Entführung zufällig entdeckt.


[rechte Spalte]
Site of the
Peter Lorenz
hostage situation

On February 27, 1975, shortly before the West Berlin parliamantary
elections, members of the "Bewegung 2. Juni" (2nd of June
Movement) kidnapped Peter Lorenz (1922-1987), the Berlin CDU
Chairman and front-runner for mayor of West Berlin. In return for
Lorenz's release, the abductors demanded the release of members
of the Red Army Faction and the 2nd of June Movement who had
been jailed and sentenced.
Individuals involved in the 2nd of June Movement - which had
named itself after the date the student Benno Ohnesorg was
killed by a police officer - had rented a storefront here, in this
residential building at Schenkendorfstraße 7 in Berlin-Kreuzberg.
In preparation for the planned hostage situation, the abductors
had converted the basement and named it the "people's prison".
It is here that the abductors took a Polaroid of their "prisoner"
Peter Lorenz, which was sent to the Deutsche Presse-Agentur
(German Press Agency) to lend more weight to the hostage takers'
demands.
It was the first-ever kidnapping of a politician in the history of the
Federal Republic of Germany. When the initial search for Peter
Lorenz remained fruitless, the authorities turned to the public,
launching the largest search in West Berlin up to that time. To
save Lorenz's life, the German government complied with the
abductor's demands. The ransomed prisoners were flown out to
what was then South Yemen, accompanied by the pastor Heinrich
Albertz (member of SPD), former governing mayor of Berlin. When
he came back, he read the code phrase that the terrorists had
given him on German TV, whereupon Peter Lorenz was released,
on March 4, 1975. Lorenz could not identify where exactly he had
been held captive; it was only by accident that the site was found
several months later.


[unten links]
Eine Gedenktafel des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg, Berlin 2021
www.fhxb-museum.de
Gestaltung: Petra Müller, museumsfreunde
Autorin: Heike Stange

A memorial plaque by the District Office of Friedrichshain-Kreuzberg, Berlin 2021
www-fhxb-musuem.de
Design: Petra Müller, museumsfreunde
Written by: Heike Stange

Rechts oben auf der Gedenktafel befinden sich zwei Fotos mit folgenden Bildunterschriften und Quellenangaben:

[links]

Schenkendorfstraße 7

FHXB Museum, Fotograf/photo: Jürgen Henschel

 

[rechts]

Polaroid von Peter Lorenz in Gefangenschaft

Polaroid of Peter Lorenz in captivity

Polizeihistorische Sammlung Berlin/ Police Historical Collection Berlin

 

Peter Lorenz wurde 1922 in Berlin geboren. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er nach dem Abitur in die Wehrmacht eingezogen und überlebte die Schlacht von Stalingrad. Nach Kriegsende arbeitete er als Journalist, Rechtsanwalt und Notar. 1949 wurde er Mitglied der militant antikommunistischen Organisation Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU). Von 1969 bis 1981 hatte er den Landesvorsitz der Berliner CDU inne, anschließend war er Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundeskanzler und Bevollmächtigter der Bundesregierung in Berlin. Er starb im Alter von 64 an Herzversagen.  Sein Grab auf dem Evangelischen Friedhof Nikolassee ist seit 1997 als Berliner Ehrengrab gewidmet.

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