Gartenarbeitsschule Ilse Demme
Map Dillenburger Straße 57
Gartenarbeitsschulen blicken auf eine lange
Tradition zurück und das aus gutem Grund.
Hier erfahren Kinder bei der praktischen
Arbeit auf den Klassenbeeten oder in anderen
vielfältigen Unterrichtsprojekten wichtige
ökologische Zusammenhänge.
Umweltbildung mit allen Sinnen - eine
Investition in die Zukunft der Gesellschaft.
_PAUK- UND DRILLSCHULE VON EINST-
DOCH KINDER LERNEN ANDERS
In den Hungerjahren nach dem 1. Weltkrieg,
der Abschaffung des Kaisertums und der Grün-
dung der Weimarer Republik, gab es viele Ini-
tiativen, die Gesellschaft neu zu gestalten und
mit dem alten Denken zu brechen.
In diesem Zusammenhang wurden auch neue
Schulmodelle diskutiert. Obrigkeitshörigkeit,
die „Pauk- und Drillschule“, sollten der Ver-
gangenheit angehören. Der Einfluss der Re-
formpädagogen führte zur Gründung von mehr
weltlichen Schulen, Lebensgemeinschafts-
schulen, Waldschulen, in Berlin zur Schulfarm
Insel Scharfenberg. In Berlin initiierte der
Reformpädagoge August Heyn vom „Bund
Entschiedener Schulreformer“ die Gründung
von Gartenarbeitsschulen.
_STUNDE NULL -1945 - ILSE DEMME
Nach dem 2. Weltkrieg, dem Untergang des
NS-Regimes, gab es wieder einen Neuanfang. Die
Lehrerin Ilse Demme, aus dem KZ Ravensbrück
befreit, übernahm von 1946-1968 die haupt-
amtliche Leitung der Einrichtung. Schulklassen
kamen pro Woche einen ganzen Schultag in die
Gartenarbeitsschule, wobei sich Gartenarbeit und
Unterricht in den Klassenräumen abwechselten.
Dabei sollten sie einen Jahreszyklus vom Aussä-
en, Wachsen, Ernten und Verarbeiten miterleben.
Leitgedanke war das Prinzip des Lernens mit
„Kopf, Herz und Hand“. Der Leiterin zu Ehren
wurde der Garten im Jahre 2001 in „Garten-
arbeitsschule Ilse Demme“ umbenannt.
_GARTENARBEITSSCHULE HEUTE
Damals wie heute ist und bleibt handelndes
tätiges Lernen der „große Leitfaden“, doch
Ökologie, Themen wie Nachhaltigkeit und
Klimaschutz haben mehr Raum.
Noch immer gibt es Gemeinschaftsbeete,
aber auch Wind- und Solaranlagen, das
Grüne Klassenzimmer, die Kräuterspirale, den
Lehmbackofen, das Schilfklärwerk, den Boden-
garten für die Umwelterziehung. Auf diesem
Hintergrund gewinnt die Begegnung der
Großstadtkinder mit der Natur an Bedeutung.
Unterhalb des Gedenktafeltextes steht folgendes Zitat:
_SCHULBEHÖRDE DAMALS— „Wir stehen in der Zeit, da man sorgfältig auf das Keimen der Persönlichkeit im Kinde achtet und als wertvollste Aufgabe des Erziehers ansieht, dieses Keimen und Wachsen nicht durch frühzeitiges Biegen und Binden zu beeinflussen, sondern fernzuhalten, was dieses Wachsen behindern, und alles heranzutragen, was befördern könnte.“ Jens Nydahl 1928, Leiter der Berliner Schulverwaltung
Die Bildunterschriften v.l.n.r. lauten:
[1] Am 19. April 1921 wurde diese Gartenarbeitsschule gegründet.
Der Leiter und der Lehrer Otto Mehlan, hier bei der Ausbildung
von Lehrerinnen um 1920.
[2] Schulkinder auf den Feldern der Gartenarbeitsschule (20 Jahre)
[3] Lehrerin mit Schulkindern im Garten beim Beobachtungsunterricht (20 Jahren)
[4] Schulkinder beim Befüllen der Gießkannen (20 Jahre)
[5] Ilse Demme mit Schülern und Schülerinnen (50er Jahre). Mit ihrer großen
Bereitschaft ihre Überzeugungen und Ideen einzubringen und sich voll einzusetzen
prägte sie diesen Ort.
[6] Heute - inspiriert von den Anfängen. Durch handelndes,
tätiges Lehren in der Natur wird immenses Wachstum gefördert.
Am unteren Rand der Tafel steht geschrieben:
Gegründet am 19. April 1921
Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
LERNORT GARTEN - EINE SCHULE FÜR DAS LEBEN
GARTEN hieß im Altpersischen
„PARADAIDHA“
und fand in vielen europäischen Sprachen
Eingang als „Paradies“.
