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Fußballroute - 3:10 Olympiastadion

Gutsmuthsweg nahe Olympischer Platz

Der Fußball-Sport ist
während der NS-Diktatur gleichgeschaltet.

Ab 1935 wird in Deutschland ein Pokalwettbewerb
für Vereine nach englischem Vorbild ausgespielt. Die
Trophäe wird nach Hans von Tschammer und Osten
benannt, der dem Nationalsozialistischen Reichsbund
für Leibesübungen vorsteht, in dem der seit 1933
gleichgeschaltete Sport im NS-Regime organisiert
ist. Nach der Annexion im März 1938 nehmen auch
die Vereine Österreichs gezwungenermaßen an
den deutschen Wettbewerben teil. Im Januar 1939
gewinnt SK Rapid Wien im Finale im Berliner
Olympiastadion mit 3:1 gegen den FSV Frankfurt
den Pokal. Wenige Monate nach dieser Begegnung
beginnt mit dem Überfall Deutschlands auf Polen
der Zweite Weltkrieg.

Die Olympischen Spiele von 1936, die vom IOC bereits fünf Jahre
zuvor nach Berlin vergeben wurden, nutzt das NS-Regime für
seine Propaganda und versucht sich den Völkern der Erde als
moderner und friedliebender Staat darzustellen. Die mit großen
Erwartungen angetretene deutsche Mannschaft scheidet früh aus
dem Fußball-Turnier aus. Das Endspiel im Olympiastadion
entscheidet Italien gegen Österreich mit 2:1 n.V. für sich.

Die erfolgreichste Vereinsmannschaft in der NS-Zeit ist der
FC Schalke 04 mit sechs Meistertiteln. Unter den Bedingungen
des Zweiten Weltkriegs ist ein regulärer Spielbetrieb in den
verschiedenen Ligen nur schwer aufrecht zu erhalten, da viele
Fußballer zum Kriegsdienst eingezogen sind. Die »Kriegsmeister-
schaften« werden nicht mehr vom formal abgewickelten DFB,
sondern vom Nationalsozialistischen Reichsbund für
Leibesübungen ausgetragen.

70.000 Menschen erleben 1944 im Olympiastadion
das Finale um die letzte Deutsche Meisterschaft im
Zweiten Weltkrieg. Der Dresdener Sport-Club besiegt
den Lufwaffen-Sportverein Hamburg mit 4:0. Neben
Helmut Schön, dem späteren Trainer der DFB-
Auswahl, steht im Angebot der Sachsen auch
Herbert Pohl, der aufgrund einer 1942 erlittenen
schweren Verwundung einarmig Fußball spielt.


Hertha BSC zählt zu den
Gründungsmitgliedern der Bundesliga.

Erich »Ete« Beer ist Mittelfeldregisseur und Leis-
tungsträger von Hertha BSC in den 1970er Jahren.
Zwischen 1971 und 1979 schießt er in 253 Bundes-
ligaspielen 83 Tore und hat wesentlichen Anteil
an den Erfolgen des Vereins. Hertha wird 1974/75
Vizemeister, erreicht 1977 und 1979 das Endspiel
des DFB- Pokals sowie 1979 das Halbfinale des
UEFA-Pokals. Doch schon in der darauf folgenden
Saison steigt Hertha in die 2. Bundesliga ab und
es folgen Jahre des sportlichen Niederganges.
Bundestrainer Helmut Schön beruft Beer zu 24 Ein-
sätzen in der Nationalmannschaft. Er steht unter
anderem im Finale der Europameisterschaft 1976,
das die DFB-Auswahl nach Elfmeterschießen gegen
die Tschechoslowakei verliert.

Als am 24. August 1963 die Bundesliga ihren Spielbetrieb auf-
nimmt, zählt Hertha BSC als Vertreter Berlins zu den Gründungs-
mitgliedern der höchsten deutschen Spielklasse. Der junge
Otto Rehhagel steht als Verteidiger im Aufgebot der Herthaner.
Der Verein zieht für die Heimspiele von der traditionsreichen
»Plumpe« im Stadtteil Gesundbrunnen ins Olympiastadion.

Neben Hertha BSC spielen Tasmania 1900 (1965/66),
Tennis Borussia 1974/75, 1976/77) und Blau-
Weiß 90 (1986/87) in der Bundesliga und nutzen
das Olympiastadion für ihre Heimspiele. Einige
Karrieren prominenter Spieler nehmen in diesen
Vereinen ihren Anfang. Der spätere Weltmeister
Karl-Hein Riedle stürmt für Blau-Weiß 90.

Die Amateure von Hertha BSC schaffen 1993 den Einzug in
das Finale des DFB-Pokals. Die Mannschaft unterliegt Bayer
Leverkusen 04 nur knapp mit 0:1. Im Fernsehstudio von »ran«
zeigen sich die »Hertha-Bubis« wie der spätere Nationalspieler
Carsten Ramelow dennoch vergnügt. Mit der seit August 1992
vom Privatsender SAT 1 ausgestrahlten Sendung gelingt es,
ein neues Format der Fußballberichterstattung und der
Sportvermarktung bei einem breiten Publikum zu etablieren.

Unmittelbar nach dem Mauerfall im November 1989 begehen
Hertha BSC und der 1. FC Union Berlin den historischen Moment mit
einem Freundschaftsspiel. Über 50.000 Menschen strömen am
27. Januar 1990 ins Olympiastadion und feiern gemäß dem Ruf
der Ost-Berliner Fans: »Union und Hertha BSC, es gibt nur zwei
Klubs an der Spree.«


Mit dem »deutschen Wembley«
hat die Stadt eine Attraktion mehr.

Das Olympiastadion ist seit 1985 Austragungsort des
Finales um den DFB-Pokal. Da der Deutsche Fußball-
Bund bei seiner Bewerbung um die Europameister-
schaft 1988 politischen Hindernissen aus dem Weg
gehen will, verzichtet der Verband frühzeitig auf den
Austragungsort Berlin, über dessen Zugehörigkeit zur
Bundesrepublik international unterschiedliche Stand-
punkte vertreten werden. Im Gegenzug beschließt
der DFB, die Pokal-Endspiele für mindestens fünf
Jahre nach Berlin zu vergeben. »Berlin, Berlin, wir
fahren nach Berlin« wird zum Schlachtruf der Fans
im ganzen Land. Bayer 05 Uerdingen erringt 1985
als erste Mannschaft im »deutschen Wembley«
den Pokal. Das Interesse für dieses Ereignis in Berlin
steigt in den kommenden Jahren so an, dass die
Fußballbegeisterten bereits weit im Voraus und
unabhängig von der Finalpaarung Karten bestellen.
Die Stadt hat eine Attraktion mehr und präsentiert
sich alljährlich als guter Gastgeber.

Der DFB-Pokal der Frauen wird seit 1980 ausgespielt. Zwischen
1985 und 2009 findet das Finale im Olympiastadion unmittelbar
vor dem Endspiel der Männer statt. Der 1. FFC Turbine Potsdam
erringt von 2004 bis 2006 die Trophäe in Serie und beweist
die Stärke des Frauenfußballs in der Region Berlin-Brandenburg.
Herausragende Akteurin in Reihen der »Turbinen« ist die
174-malige Nationalspielerin Ariane Hingst aus Berlin.

Das Olympiastadion ist Ort zahlreicher gesellschaftlicher
Höhepunkte. Neben Sportereignissen wie dem Deutschen Turnfest
und dem traditionsreichen Internationalen Stadionfest Berlin
(ISTAF) finden Konzerte, politische und konfessionelle Veranstal-
tungen und Volksfeste statt. In den 1950er und 1960er Jahren
sind Darbietungen der Motoradstaffel der Berliner Polizei
Höhepunkte. 1996 versammeln sich Tausende Katholiken, um
Papst Johannes Paul II zu erleben.


Die Weltmeisterschaft ist
ein gesellschaftliches Ereignis.

Die FIFA-WM 2006 in Deutschland geht als
»Sommermärchen« in die Geschichte ein. Während
des Turniers zeigt sich das Land als weltoffener
Gastgeber, was viele Deutsche selbst überrascht und
in der Welt die Sympathie für Deutschland enorm
steigert. Die DFB-Auswahl gewinnt das Viertelfinale
in Berlin nach dramatischem Verlauf im Elfmeter-
schießen gegen Argentinien, scheitert jedoch im
Halbfinale am späteren Weltmeister. Im Endspiel
stehen sich im Olympiastadion Italien und Frankreich
gegenüber. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung
steht es 1:1, nach Elfmeterschießen geht Italien
schließlich als Sieger vom Platz. Zur Bilanz der
Weltmeisterschaft gehört die gewachsene gesell-
schaftliche Akzeptanz des Fußballs in Deutschland.
Durch den Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft
2014 in Brasilien werden das öffentliche Interesse
und die Begeisterung nochmals gesteigert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der deutsche
Fußball über Jahre hinweg von internationalen
Begegnungen und aus den Gremien des Weltsports
ausgeschlossen. Der im Juli 1949 wiedergegründete
DFB wird im September 1950 wieder Mitglied der
FIFA. Die Mannschaften der Türkei und Deutschlands
begegnen sich im Juni 1951 zu einem
Freundschaftsspiel im Olympiastadion.

Auch bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 in der
Bundesrepublik Deutschland ist das Olympiastadion
Austragungsort. In Berlin spielt unter anderem
die Auswahl der DDR, die zum ersten und letzten
Mal für die WM-Endrunde qualifiziert ist. Die Partie
gegen Chile endet 1:1 unentschieden. Die Sensation
gelingt dem Team dann in Hamburg, als es über-
raschend den Favoriten und Gastgeber bezwingt.

Herta BSC tritt 1999 erstmals in der Champions
League an und spielt am 23. November im Olympia-
stadion gegen den FC Barcelona 1:1. Wegen des
starken Nebels ist es den über 60.000 Zuschauern
unmöglich, die Begegnung zu verfolgen, die Bericht-
erstattung im Fernsehen und Rundfunk wird ein
Kuriosum. Am 6. Juni 2015 findet das UEFA
Champions League-Finale im Olympiastadion statt.

Bereits 2011 ist Deutschland erneut Ausrichter einer Fußball-
Weltmeisterschaft. Die Eröffnung der FIFA Frauen-WM findet
in Berlin statt. Das mit großen Erwartungen ins Turnier
gestartete deutsche Team muss sich im Viertelfinale dem
späteren Überraschungssieger Japan geschlagen geben.
Während der Weltmeisterschaft wird dem Frauenfußball
in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit gewidmet.


Football was forced into line
under the Nazi dictatorship.

Beginning in 1935 a cup competition based on the
English model was held in Germany. The trophy was
named after Hans von Tschammer und Osten, at the
time the head of the National Socialist Association
for Physical Exercises, which was the umbrella
organization under which the Nazi regime had
brought all sports into line since 1933. After the
annexation of Austria in March 1938, the Austrian
clubs were also compelled to participate in the
German competitions. In January 1939, SK Rapid
Vienna scored 3:1 against the FSV Frankfurt and won
the cup in the final match in Berlin‘s Olympic
stadium. A few months after that match, Germany’s
attack on Poland set off the Second World War.

Hertha BSC: One of the founding
members of the Bundesliga.

As midfield maestro and key player of Hertha BSC
in the 1970s, Erich »Ete« Beer scored 83 goals in a total
of 253 Bundesliga matches between 1971 and 1979
and contributed significantly to the club’s successes.
In 1974/75, Hertha was runner-up, and in 1977 and
1979 it advanced to the DFB Cup finals. Though
Hertha BSC advanced to the UEFA Cup semifinals in
1979, in the next season after that the team dropped
down to the German second league, and years of
further decline followed. National coach Helmut Schön
drafted Beer to play in 24 matches with the national
team. Among other matches, Beer played in the
final match of the 1976 European Championship,
which the team, then the DFB all-star team, lost
to Czechoslovakia on penalties.

With the addition of the
»German Wembley«, the city
has one more attraction.

Since 1985 the Olympic stadium has been the site
of the DFB Cup finals. In its bid for the 1988
UEFA Football Championship the German Football
Association (DFB) wanted to avoid political obstacles,
and therefore the association decided early on to back
away from designating Berlin as the championship
venue because internationally opinions on whether
or not Berlin was part of the Federal Republic of
Germany differed. In return, the DFB decided to hold
its cup finals in Berlin for at least five consecutive
years. »Berlin, Berlin, we’re going to Berlin« became
the rallying cry of football fans all over the country. In
1985, Bayer 05 Uerdingen was the first team to win
the cup in the »German Wembley«. In subsequent
years, interest in this event has grown to such an
extent that fans order their tickets way in advance
and regardless of which teams play in the final match.
Thus, the city has an additional attraction to offer, and
every year it proves itself a genial host to fans.

The World Cup is a
grand social event.

The 2006 FIFA World Cup in Deutschland will go
down in history as the »summer’s tale«. During the
championship the country proved itself a genial and
cosmopolitan host – surprising even many Germans
– and greatly enhanced goodwill and benevolence
toward Germany all over the world. In a white-
knuckle match against Argentina, the DFB all-star
team won the quarter-finals on penalties, but in
the semifinals the team lost to the future World Cup
holder. In the final match in the Olympic stadium the
teams from Italy and France were lined up against
each other. At the end of normal time and overtime
the score was still 1:1; finally, Italy came off victorious
on penalties. One of the many positive outcomes of
the World Cup games in Germany is the increased
social acceptance of football has since found in
Germany. Thanks to the German team’s World Cup
win in Brazil in 2014, the general interest in and
enthusiasm for football has grown even more.


Route 3 …
führt vom Brandenburger Tor in Richtung Westen
mit dem Endpunkt am Olympiastadion bzw. auf dem
Olympiagelände. Sie umfasst insgesamt 11 Stationen
und erschließt so unterschiedliche Orte wie Sport-
anlagen, öffentliche Plätze und Wohnhäuser. Inhalt-
lich behandelt dieses Teilstück sämtliche Epochen
der Berliner Fußballgeschichte, wobei neben dem
Fußball im ehemaligen West-Berlin ein wesentlicher
Schwerpunkt auf der Weimarer Republik sowie
der Zeit des Nationalsozialismus liegt. Besondere
Wichtigkeit kommt dabei natürlich dem gesamten
Ensemble des Olympiageländes hinsichtlich seiner
komplexen historischen wie auch seiner
sportpolitischen Bedeutung zu.

Route 3 …
runs west from the Brandenburg Gate and ends at
the Olympic stadium on the Olympic grounds. This
route has a total of 11 stations and includes a variety
of sites, such as sports facilities, public squares,
and homes. In terms of content, this route segment
covers all periods of Berlin’s football history, focusing
on football in the former West Berlin and also
particularly on football in the years of the Weimar
Republic and under National Socialism. Of particular
importance in this context is, of course, the entire
ensemble of the Olympic grounds due to its complex
historical significance and its role in sports policy.

Die FUSSBALL ROUTE BERLIN existiert seit Mai 2015; sie führt in drei Routen zu 40 Orten in der Stadt und macht die Geschichte des Fußballs erfahrbar. Sie ist ein Projekt von Sport:Kultur e.V. auf Initiative des Berliner Fußball-Verbandes.

Aus Gründen des Denkmalschutzes können nicht alle Tafeln im Stadtraum aufgestellt werden; an einigen Standorten sind alternativ demnächst Bodenplatten zu finden. Konkrete Hinweise dazu sowie zusätzliche Tondokumente, Literaturhinweise und weitere Informationen unter: www.fussballrouteberlin.de sowie auf den Tafeln „0:0 Brandenburger Tor“ und "Fußballroute - 1:3 Askanisches Gymnasium".

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