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Fußballroute - 2:8 Plumpe

Behmstraße/Bellermannstraße

Das Fußballgeschehen im Norden Berlins
verlagert sich vom »Exer« an den Gesundbrunnen.

Der geschäftstüchtige Gastwirt Joseph Schebera baut
kurz nach der Jahrhundertwende beiderseits der
Behmstraße Sportplätze, ein Casino sowie Umkleide-
räume. Durch die Errichtung der modernen Anlage
verlagert sich das Fußballgeschehen im Norden
Berlins vom »Exer« im Prenzlauer Berg an den
Gesundbrunnen. 1904 zieht auch BFC Hertha 1892
um und erringt hier erste Erfolge wie die Berliner
Meisterschaft 1906. In der Saison 1909/1910
besuchen insgesamt über 17.000 Zuschauer die
Heimspiele des Vereins. Neben Hertha wird die
Entwicklung am Gesundbrunnen vor allem vom
SV Norden-Nordwest geprägt, der seit 1919 ebenfalls
seine Heimspiele auf dem Schebera-Platz austrägt
und das Areal 1923 erwirbt. Während auf der gegen-
überliegenden Seite der Straße in den 1920er Jahren
die »Plumpe« als populäres Stadion entsteht, behält
der NNW-Platz dennoch über Jahrzehnte hinweg
Bedeutung für den Berliner Fußball.

(Bildunterschriften:)

Berliner Traditionsmannschaften wie der BFC Preussen tragen auf
dem NNW-Platz internationale Begegnungen aus. Selbst als der
Spielbetrieb schon zunehmend professionalisiert ist, behalten die
als »Gesellschaftsspiele« bezeichneten Freundschaftsspiele einen
hohen Stellenwert. Auch der Arbeitersport nutzt die Spielstätte
im »roten Wedding« der Weimarer Republik zur Austragung von
Wettkämpfen des eigenständigen Fußballvereins.

Anfang der 1920er Jahre ist BFC Hertha 1892 wegen
der Inflation wie viele Vereine in wirtschaftlichen
Schwierigkeiten. 1923 fusioniert Hertha mit dem
finanzstarken Berliner Sport-Club, dem die Platz-
anlage auf der Südseite der Behmstraße gehört, und
trägt fortan den Namen Hertha BSC. So wird der Bau
Eines eigenen Stadions möglich, das im Volksmund
»Plumpe« genannt wird. 1929 wird die Verbindung
wieder gelöst, nach Zahlung von 75.000 Reichsmark
darf Hertha Namen und Sportplatz behalten.

Das 1924 eröffnete Hertha-Stadion wächst in
den kommenden Jahren kontinuierlich, vor allem
die Tribünen hinter den Toren – »Uhrenberg«
und »Zauberberg« – beeindrucken. Bis zu
35.000 Zuschauer können schließlich die Spiele
besuchen. Das Stadion wird auf Grund seines
Fassungsvermögens zum Austragungsort
zahlreicher internationaler Begegnungen, drei
Spiele des Olympischen Fußballturniers 1936
finden hier statt.

Während der Weimarer Republik gehören die Begeg-
nungen von Hertha BSC und Tennis Borussia zu den
Höhepunkten des Berliner Sports. Beide Vereine
verkörpern nationale Spitzenklasse. Die nicht selten
dramatischen Spiele ziehen die Massen an, über
30.000 Besucher strömen ins Stadion und bejubeln
Herberger, Sobek & Co.

(nächste Seite:)

Die Mannschaft um Kapitän Hanne Sobek
wird in ganz Deutschland bekannt.

Hertha BSC erreicht von 1926 bis 1931 sechs Mal in
Folge das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft
und gewinnt nach vier Finalniederlagen 1930 und 1931
den Titel, die Mannschaft um Kapitän Hanne Sobek
wird in der Stadt und in ganz Deutschland bekannt.
Zum großen Teil aus einfachen Verhältnissen stam-
mend, machen die Erfolge die Spieler zu gern
gesehenen Gästen bei den gesellschaftlichen Höhe-
punkten und zum Teil der gehobenen Schicht. Das
Selbstbewusstsein der Fußballer wächst, entspre-
chend präsentieren sie sich in der Öffentlichkeit.
Ihre sportlichen Leistungen und die gewonnene
Anerkennung lassen sie zu Vorbildern und Idolen
ihrer Zeit werden.

(Bildunterschriften:)

Hertha BSC ist im Norden der Stadt beheimatet, doch in ganz
Berlin geschätzt und beliebt. Die weiter aufstrebende Metropole
bietet in der Weimarer Republik für den Sport eine solide
Entwicklungsbasis, von der auch Hertha profitiert. Das
Zuschauerinteresse wächst ständig. Werbeartikel wie Post-
karten bringen dem Verein auch an entlegenen Orten
Aufmerksamkeit und machen Werbung für den Fußball.

Der Wanderpreis Viktoria wird von 1903 bis 1944 vom DFB an
den deutschen Fußball-Meister verliehen. Gestalterisches Vorbild
ist die Marmorstatue »Kranzwerfende Viktoria« des bedeutenden
Bildhauers Christian Daniel Rauch, der sie 1845 fertig stellte.

Nach der Errichtung der NS-Diktatur ordnen sich die Vereine
und Verbände des DFB den Machthabern zum Teil in
vorauseilendem Gehorsam unter. Im Fußball findet – wie
in weiten Teilen der Gesellschaft – ein verhängnisvolles
Arrangement mit der Diktatur statt. Die Unterordnung wird auch
auf dem Platz sichtbar. Seit Ende 1933 erweisen Spieler und
die Masse der Zuschauer den »Deutschen Gruß«. Ab Juli 1934
ist für Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren die Mitgliedschaft
in der Hitlerjugend die Voraussetzung für die Aufnahme in den
Sportverein. Das »Führerprinzip« wird für alle Vereine verbindlich
vorgeschrieben, auch bei Hertha BSC wird ein der NSDAP
angehörender Präsident eingesetzt.

(nächste Seite:)

Seit der Gründung der Bundesliga
verliert die »Plumpe« an Bedeutung.

1963 sichert sich Hertha BSC als Berliner Meister die
Teilnahme an der neu gegründeten Bundesliga. Das
Stadion am Gesundbrunnen wird den Anforderungen
der höchsten deutschen Spielklasse nicht mehr
gerecht. Die Mannschaft trägt ihre Heimspiele fortan
im Olympiastadion aus und die »Plumpe« verliert an
Bedeutung. Das Training der Profis findet aber noch
einige Jahre am traditionsreichen Ort statt. Im
Vergleich zu den anderen Vereinen in der Bundes-
republik hat Hertha wie der gesamte Fußball in der
geteilten Stadt einen schwierigen Stand. Im seit 1961
eingemauerten Westteil Berlins schwindet die wirt-
schaftliche Basis zunehmend. Da es den Verant-
wortlichen von Hertha BSC immer schwerer fällt,
Profis an die Spree zu locken, zahlen sie hohe Hand-
gelder. Als die Gepflogenheiten bekannt werden,
handelt der DFB. Hertha verliert die Lizenz für die
Bundesliga und steigt in die Regionalliga ab.

(Bildunterschriften:)

Der Zweite Weltkrieg hat auch für Hertha BSC katastrophale
Folgen. Zahlreiche Mitglieder verlieren ihr Leben. Der Platz am
Gesundbrunnen ist im Mai 1945 nach ca. 200 Bombentreffern
ein Trümmerfeld. Nach der Kapitulation wird die Geschäftsstelle
von den Alliierten beschlagnahmt und der Verein wie alle anderen
Sportorganisationen in Deutschland vorübergehend aufgelöst.
Unter dem Namen SG Gesundbrunnen versuchen die Spieler
zusammen mit NNW einen Neuanfang. Seit dem 1. August 1949
trägt der Verein offiziell wieder seinen Namen Hertha BSC.

1950 flieht eine Gruppe Dresdener Spieler aus der DDR in den
Westen und schließt sich Hertha BSC an. Der namhafteste unter
ihnen ist Helmut Schön, der dem Verein kurze Zeit als Spieler-
trainer angehört. Nach Zwischenstationen im Saarland und als
Assistent von Herberger wird Schön 1964 als Bundestrainer
berufen. 1974 führt er die DFB-Auswahl im eigenen Land zu
ihrem zweiten Weltmeistertitel.

In der Saison 1970/71 kommt es zu Unregelmäßigkeiten
in der höchsten deutschen Spielklasse, die den so genannten
Bundeliga-Skandal auslösen. Auch Hertha BSC ist belastet,
die Spieler und Manager Wolfgang Holst werden bestraft.
Die Folgen sind trotz sportlicher Erfolge schwerwiegend.
Der finanziell angeschlagene Verein muss zur Entschuldung
das Stadion am Gesundbrunnen an eine Berliner Wohnungs-
baugesellschaft verkaufen, die auf dem Areal Wohnhäuser
errichtet.

(auf der anderen Seite unter dem Orientierungsplan:)

Football events and games in the
northern part of Berlin move from
the »Exer« to the Gesundbrunnen
neighbourhood.

Not long after the turn of the century, the enterprising restaurant owner
Joseph Schebera built sports fields on both sides of the Behmstraße as well
as a casino and locker rooms. Thanks to this modern facility, all things football
in Berlin’s northern area shifted from the »Exer« in Prenzlauer Berg to the
Gesundbrunnen neighbourhood. In 1904, BFC Hertha 1892 also moved there
and in its new location achieved its first successes, for example, the Berlin
championship in 1906. In the 1909/1910 season, more than 17,000 spectators
came to see the club’s home games. Developments on the fields in the
Gesundbrunnen area were shaped predominantly by Hertha and the
SV Norden-Nordwest, which had also been playing its home games on the
Schebera-Platz since 1919 and later, in 1923, was to buy the site. Across the
street, the popular stadium affectionately called the »Plumpe” was built in the
1920s, but the NNW fields for decades remained important for football
in Berlin.

The team led by team captain
Hanne Sobek becomes renowned
throughout Germany.

Between 1926 and 1931, Hertha BSC made it six times in a row to the final
round in the German football championship, and after being defeated four
times in the final, the team at last won the championship in 1930 and 1931.
With these wins the team led by team captain Hanne Sobek became famous
in Berlin and throughout Germany. Most of the players had grown up in
modest circumstances, but after their successes they were welcome guests
at glamorous social events and even in Berlin’s high society. As their self-
assurance grew, they showed more confidence and welcomed publicity. Their
sports achievements and the public recognition they gained turned them
into heroes of their time.

Ever since the establishment of
the Bundesliga, the importance of
the »Plumpe« has been waning.

In 1963, Hertha BSC won the Berlin championship and thus secured place
in the newly established Bundesliga. The stadium in the Gesundbrunnen
neighbourhood, however, did not meet the requirements of Germany’s highest
league. Therefore, the team moved its home games to the Olympic stadium,
and the importance of the »Plumpe« began to wane. Still, for several more
years the professional players continued to have their training sessions at the
place so steeped in football tradition. Compared to the other clubs in the
Federal Republic, Hertha, and football as a whole in the divided city, was in a
tough position. West Berlin, walled in since 1961, was losing its economic
basis. Since it was increasingly difficult for Hertha BSC’s officials to attract
professional players to the city on the banks of the Spree river, they paid high
signing bonuses. When these practices became known, the DFB stepped in,
and Hertha lost its license for the Bundesliga and was relegated to the third
division, the regional league.

Die FUSSBALL ROUTE BERLIN existiert seit Mai 2015; sie führt in drei Routen zu 40 Orten in der Stadt und macht die Geschichte des Fußballs erfahrbar. Sie ist ein Projekt von Sport:Kultur e.V. auf Initiative des Berliner Fußball-Verbandes.

Aus Gründen des Denkmalschutzes können nicht alle Tafeln im Stadtraum aufgestellt werden; an einigen Standorten sind alternativ demnächst Bodenplatten zu finden. Konkrete Hinweise dazu sowie zusätzliche Tondokumente, Literaturhinweise und weitere Informationen unter: www.fussballrouteberlin.de sowie auf den Tafeln „0:0 Brandenburger Tor“ und "Fußballroute - 1:3 Askanisches Gymnasium".

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