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Friedrich Jacobs

St. Petersburg/Russland 11.5.1889 - Maidenhead/Großbritannien 1.11.1964

Fanningerstraße 32

Dr. Friedrich Jacobs
*1889 (St. Petersburg)
+1964 (Maidenhead)
Dr. Friedrich Jacobs richtete 1920 die erste Entbindungs-
station des Städtischen Krankenhauses Lichtenberg ein
und entwickelte sie zu einer der modernsten Kliniken
Berlins. 1933 vertrieb ihn die NS-Bezirksverwaltung aus
seinem Amt. Auch seine Ehefrau, die jüdische Kinder-
ärztin Dr. Toni Jacobs, durfte ihren Beruf nicht weiter
ausüben. Von 1945 bis 1948 leitete Friedrich Jacobs als
Ärztlicher Direktor das Oskar-Ziethen-Krankenhaus.
Danach wanderte das Ehepaar nach Großbritannien aus.

Friedrich Jacobs studierte Medizin in Berlin und Straßburg, wo er 1913 promovierte. Anschließend arbeitete er in Göttingen und Königsberg (Ostpreußen) sowie in der Privatklinik des Gynäkologen Paul Straßmann in Berlin, an der Charité und in Neukölln. 1920 wurde er Arzt am Städtischen Krankenhaus Lichtenberg. Bereits im Sommer 1933 wurde er vorläufig amtsenthoben und Anfang März 1934 endgültig aus dem Dienst entlassen. Jacobs fand zunächst eine Anstellung in einer Privatklinik im Berliner Westen. Mit seiner Frau, der Kinderärztin Dr. Toni Jacobs (Jauer/Niederschlesien [Jawor/Polen] 20.6.1888 - Maidenhead/Großbritannien 5.2.1973), war er seit 1914 verheiratet. Wegen der antijüdischen Gesetze wurde sie nach und nach aus ihrem Beruf gedrängt. Das Ehepaar hatte vier Kinder. Der Sohn kam 1937 bei einem Bergunfall ums Leben, ihre drei Töchter konnten sie 1938/39 in Edinburgh unterbringen. Der Kriegsbeginn verhinderte jedoch die eigene Auswanderung des Ehepaares. Sie blieben unter schwierigsten Bedingungen in Berlin. Im Sommer 1945 wurde Jacobs Ärztlicher Direktor des Oskar-Ziethen-Krankenhauses in Lichtenberg und füllte dieses auch angesichts der Zerstörungen schwierige Amt bis zur Übersiedlung nach Großbritannien zu den Kindern im März 1948 aus. Dort fasste er jedoch nicht wieder richtig Fuß und konnte auch seinen Beruf als Arzt nicht mehr ausüben.

Die 60x60cm große Glastafel wurde rechterhand im Eingangsbereich des Eltern-Kind-Zentrum (Haus F) der Sana-Klinik Lichtenberg am 9.10.2014, 10 Uhr, enthüllt. Gestaltet wurde die Tafel von Helga Lieser. Zur Enthüllung sprachen der Ärztliche Direktor Dr. Gebhard von Cossel und der Leiter des Museums Lichtenberg Dr. Thomas Thiele.

Im Foyer wurde die anläßlich des Themenjahres 2013 „Zerstörte Vielfalt” gestaltete Ausstellung zum Schicksal der Familie Jacobs gezeigt.

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