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Frauenprotest in der Rosenstraße

Rosenstraße

Inschrift (deutsche Seite):
Protest in der Rosenstraße
Der „Block der Frauen“
Die Rosenstraße im ehemaligen Marienviertel
ist eine der ältesten Straßen Berlins. Sie ist eng
mit der jüdischen Geschichte verbunden. Ecke
Heidereutergasse befand sich seit 1714 bis zu
ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg die erste
Synagoge der Stadt – zwischen dem Wohnort
der Berliner Juden an der Jüdengasse und dem
Begräbnisplatz am Spandauer Tor (heute:
Hackescher Markt).
1905 errichtete die jüdische Gemeinde ein Verwal-
tungszentrum neben der Synagoge an der Rosen-
straße 2-4. In der Zeit des Nationalsozialismus
wurde das Gebäude Schauplatz eines einzig-
artigen Aktes von zivilem Widerstand, dem die
Bildhauerin Ingeborg Hunzinger (1915-2009),
Kommunistin und Tochter einer jüdischen Mutter,
ihr wichtigstes Spätwerk gewidmet hat.
In einer großen Verhaftungsaktion hatten die
Nationalsozialisten am 27. Februar 1943 die
letzten noch in Berlin verbliebenen Juden von
ihren Arbeitsstätten weggeholt und den Großteil
von ihnen in der darauffolgenden Woche nach
Auschwitz deportiert. Unter den Verhafteten
waren auch 1500 bis 2500 Juden, die nach den
nationalsozialistischen Rassengesetzen „Misch-
linge“ waren (mit einem nichtjüdischen Eltern-
teil) oder in „Mischehe“ mit einem „arischen“
Partner lebten. Diese Gruppe wurde unter
anderem in die Rosenstraße 2-4 gebracht und
dort festgehalten.
Hunzingers Relief- und Skulpturenensemble
thematisiert den tagelangen Protest, mit dem
hier in der Rosenstraße hunderte nichtjüdischer
Frauen für die Freilassung ihrer jüdischen An-
gehörigen demonstrierten. Am 6. März wurden
die ersten Inhaftierten entlassen, andere folgten.
Die Ehefrauen
und Mütter gingen
mit ihrem Protest
ein hohes Risiko
ein. Seit 1941
waren „öffentlich
gezeigte freund-
schaftliche Bezie-
hungen zu Juden“ mit einer „Schutzhaft“ von drei
Monaten bedroht. Die Künstlerin entwickelt ihre
szenische Darstellung aus der Mitte des Ensembles
heraus: Den gefangenen Männern gegenüber
stehen zwei sich stützende und tröstende Frauen.
Links, dicht gedrängt ängstlich wartende und
rufende Frauen mit ihren Kindern, rechts, als
Erfolg des Protestes: Freilassung der Angehörigen
und Wiederbegegnung.
Über das historische Ereignis hinaus spricht die
Künstlerin mit dem mehrteiligen Denkmal auch
die Verfolgung und Vernichtung der europäischen
Juden im Nationalsozialismus an - Flucht, Leid,
Angst, Verzweiflung, Zerstörung der Kultur, aber
auch Gegenwehr, Liebe und Hoffnung.

Inschrift (englische Seite):
The Rosenstrasse Protest
Memorial ‘Block of Women’
Rosenstrasse in what was once the Marienviertel
neighbourhood is one of the oldest streets in
Berlin. It is closely linked to Jewish history. From
1714 until its destruction in the Second World
War, the city’s first synagogue stood at the corner
of Heidereutergasse – between the Berlin Jews’
place of abode at Juedengasse and the cemetery
at Spandauer Tor (today: Hackescher Markt).
In 1905, the Jewish community built an adminis-
trative center beside the synagogue, at Rosen-
strasse 2-4. In the National Socialist era, the
building was the scene of a unique act of civil
resistance to which the sculptor Ingeborg
Hunzinger (1915-2009), communist and daughter
of a Jewish mother, devoted her most important
late work.
On 27 February 1943, the National Socialists
rounded up the last Jews remaining in Berlin at
their places of work and deported the majority
of them to Auschwitz the following week. Those
arrested included 1.500 to 2.500 Jews deemed
“of mixed race” (with one non-Jewish parent) by
National Socialist race laws or who had entered
into “mixed marriages” with an “Aryan” partner.
This group was brought to Rosenstrasse 2-4
and held there.
Hunzinger’s ensemble of reliefs and sculptures
addresses the protest, lasting several days, in
which hundreds of non-Jewish women demonstra-
ted for the release of their kinsmen. The first
detainees were released on 6 March, others
followed. The wives and mothers were taking a
big risk with their protest. Since 1941, those who
engaged in “public shows of friendship towards
Jews” faced three months of “protective custody”.
The artist develops her scenic portrayal from the
centre of the
ensemble: two
women, support-
ing and consoling
each other, stand
opposite the arres-
ted men. To the left,
closely huddled,
are women with their children, waiting and crying
out in fear; to the right as the successful outcome
of the protest: the release of their menfolk and
reunion with them.
With her multi-part memorial, the artist addressed
the persecution and annihilation of European Jews
by the National Socialists beyond the historic
event itself – flight, suffering, fear, desperation,
the destruction of culture, but also resistance,
love and hope.

In den Text sind jeweils zwei dunkelgrau hinterlegte Blocks mit den Inschriften aus der benachbarten Denkmalanlage von Ingeborg Hunzinger eingefügt:
1943
DIE KRAFT DES ZIVILEN UNGEHORSAMS
DIE KRAFT DER LIEBE
BEZWINGEN DIE GEWALT DER DIKTATUR

GEBT UNS UNSERE MÄNNER WIEDER
FRAUEN STANDEN HIER
TOD BESIEGEN
JÜDISCHE MÄNNER WAREN FREI

A

uf der englischsprachigen Seite finden sich diese Inschriften in Übersetzung:
1943
THE POWER OF CIVIL DISOBEDIENCE
THE STRENGTH OF LOVE OVERCOME
THE VIOLENCE OF DICTATORSHIP

GIVE US BACK OUR MEN
WOMEN STOOD HERE
DEFEAT DEATH
JEWISH MEN WERE FREE


Außerdem sind auf jeder Seite neben dem Text fünf Abbildungen übereinander wiedergegeben. Auf der deutschsprachigen Seite sind es ein Kartenausschnitt und vier Fotos. Die Unterschriften lauten von oben nach unten:
Die Königlich Preussische und Churfürstlich Brandenburgische
Residenz-Stadt Berlin, Johann Friedrich Walther, 1737
The Royal Prussian and Electoral Brandenburg Residential City of
Berlin, Johann Friedrich Walther, 1737

Blick in die Rosenstraße mit Marienkirche, 1938
View of Rosenstrasse with Church of Our Lady, 1938

Alte Synagoge, Umbau von 1855, Heidereutergasse 4, o.J.
Old Synagogue after alterations in 1855, Heidereutergasse 4, undated

Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde, Rosenstraße 2-4, o.J.
Jewish Community Charity Centre, Rosenstrasse 2-4, undated

Gedenkfeier, Redner: Andreas Nachama, Vorsitzender der
Jüdischen Gemeinde Berlins, 27.2.2000 | Memorial Service,
speaker: Andreas Nachama, Chairman of the Jewish Community
in Berlin, 27 February 2000


Auf der englischsprachigen Seite befinden sich Ausschnittfotos aus dem Denkmal von Ingeborg Hunzinger:
Block der protestierenden Frauen | The protesting women

Jüdische Symbole: segnende Proesterhände, Thorakrone, Davidstern,
Löwe Judas | Jewish Symbols: Priestly Blessing, Torah Crown, Star of
David, Lion of Judah

Wiederbegegnung nach der Haftentlassung | Reunion after release

Mann mit zerbrochener Geige, Zerstörung der jüdischen Kultur
Man with broken violin, destruction of Jewish culture

Frühe Ausgrenzung, Juden wurde die Nutzung von Parkbänken
verboten | Early ostracisation: Jews were forbidden from using park
benches


Errichtet wurde die Stele im Auftrag der Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten, Kunst im Stadtraum. Der Text stammt von Cornelia Ganz (Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V.), Gestaltung und Design lagen in den Händen von Helga Lieser. Enthüllt wurde sie am 29.2.2016. Sie steht neben einem gepflasterten Fußweg zum Denkmal für die Frauen aus der Rosenstraße.

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