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Fluchttunnel

Bernauer Straße 97

Vom Keller einer stillgelegten Bäckerei des 1968 abgerissenen
Hauses Bernauer Straße 97 haben
Wolfgang Fuchs
*8. Januar 1939 in Jena +7. Juni 2001 in Berlin
und seine Freunde 1963 und 1964 in jeweils halbjähriger Arbeit zwei
rund 145 Meter lange Tunnel in 10 Metern Tiefe zur Strelitzer Straße
54/55 nach Ost-Berlin gegraben. Sie wollten Menschen aus der DDR
die Flucht unter der Mauer hindurch in die Freiheit ermöglichen.
In der Nacht des 7./8. Januar 1964 konnten drei Frauen durch den
ersten Tunnel flüchten. Am darauffolgenden Tag wurde dem Staats-
sicherheitsdienst der DDR der Tunnel bekannt und durch Einwurf
einer Granate unpassierbar.
Durch den etwa 5 Meter parallel dazu gegrabenen zweiten Tunnel
gelangten in den Nächten zwischen dem 3. Und 5. Oktober 1964
insgesamt 57 Männer, Frauen und Kinder in den Westen.
Dieser »Tunnel 57« war der erfolgreichste Fluchttunnel in Berlin.
Die DDR legte daraufhin in 6-8 Metern Tiefe einen quer verlaufen-
den Gegentunnel an, der mit Abhörtechnik ausgestattet wurde,
um weitere Grabungen frühzeitig orten zu können.
Der Bau weiterer Fluchttunnel wurde damit an diesem Abschnitt
der innerstädtischen Grenzanlagen unmöglich gemacht.
Gestiftet von den Freunden von Wolfgang Fuchs
und dem Berliner Unterwelten e.V. Berlin, im Oktober 2011

Die Bronzetafel ist im Durchgang zum Eingang des heutigen Hauses Nr. 97 an der rechten Wand befestigt und von der Straße aus kaum wahrnehmbar. Enthüllt wurde sie am 2.10.2011. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist im Bereich des einstigen „Todesstreifens” der Verlauf der beiden Tunnels durch Eisenplatten sichtbar gemacht. Allerdings sind sie hier nur gerade etwa drei Meter voneinander entfernt.

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