zurück zur Suche

Flucht aus der DDR

Neue Grünstraße 16

Die größte Massenflucht aus der DDR
Durch die Kanalisation vor diesem Haus flüchteten
vom 13. September bis zum 14. Oktober 1961
etwa 500 Menschen nach West-Berlin.
Entdeckt wurde dieser Weg in die Freiheit unter
der Neuen Grünstraße, der Seydelstraße und der
Alten Jakobstraße durch zwei Ost-Berliner.
Die Fluchttour für viele Menschen organisierten dann
Fluchthelfer aus West-Berlin, die sich in der
Girrmann-Gruppe zusammengeschlossen hatten.
Die Mauer zwischen Ost und West stand damals
entlang der Bezirksgrenze zwischen Berlin-Mitte
und Kreuzberg in Höhe der Kommandantenstraße/
Stallschreiberstraße.
Die Kanalröhre ist hier, beim Einstieg,
einen Meter hoch, beim Ausstieg im Westen, an der
Einmündung der Feilnerstraße, 1,50 Meter.
Der Weg, den die Flüchtlinge kriechend im Wasser
zurücklegen mussten, war etwa 550 Meter lang.
Direkt unter der Grenze mussten sie sich
außerdem durch ein von den Fluchthelfern
durchgesägtes Gitter zwängen.
Trotzdem ist niemand, der hier ankam,
davor zurückgeschreckt, in die enge, schmutzige
Röhre einzusteigen.
Dieser Fluchtweg war der sicherste, den es je gab.
Niemand wurde hier verhaftet oder erschossen.
Gestiftet von Burkhart Veigel, ehemaliger Fluchthelfer der Girrmann-Gruppe,
und dem Berliner Unterwelten e.V.
2. Oktober 2015

Burkhart Veigel, später ein promovierter Arzt, war als Medizinstudent an der Freien Universität ein äußerst erfolgreicher (wenn nicht der erfolgreichste) und einfallsreicher Fluchthelfer in der ersten Zeit nach dem Mauerbau.

Die Einweihung der goldfarbenen Kunststofftafel am Hauseingang fand am 2.10.2015 in Anwesenheit von Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke statt.

Rechts neben dem Hauseingang auf der Fassade steht auf einer kleineren, quadratischen, ebenfalls goldfarbenen Tafel:
Durch den Kanaleinstieg auf
der Straße vor diesem Haus
flüchteten 1961 nach dem Bau
der Mauer etwa 500 Menschen
nach West-Berlin.
Näheres finden Sie auf der Tafel
im Hauseingang.

Auf dem den Zugang zur Kanalisation verschließenden Deckel steht in erhabenen Großbuchstaben:
EINSTIEG
ZUR
FREIHEIT

Weil sich Eigentümer des Hauses beim Tafeltext übergangen fühlten, wurden beide bereits nach drei Tagen vom Initiator, Herrn Veigel, wieder demontiert, berichtete die Berliner Woche (Ausgabe für Mitte, online) am 2.11.2015. Allein der Kanaldeckel ist seither noch vorhanden.

zurück