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Gedenktafel mit Text und historischen Schwarz-weiß-Fotos zum Ernst-Reuter-Platz in Berlin
Brunnen mit mehreren Wasserfontänen vor Hochhäusern und bewölktem Himmel am Ernst-Reuter-Platz

Ernst-Reuter-Platz

Map Ernst-Reuter-Platz

ERNST-REUTER-PLATZ

In der Tradition repräsentativer Schmuckplätze
stellt der Ernst-Reuter-Platz ein herausra-
gendes Beispiel der Nachkriegsmoderne dar.
Auf der ehemaligen Ost-West-Achse der
Nationalsozialisten gelegen, wurde der West-
Berliner Stadtplatz zum Symbol der neuen
Städtebauauffassung. Durch die Gestaltung
der Platzränder und großzügigen Freiräume
mit verschieden hohen Solitärbauten ist
die städtebauliche Maxime einer aufge-
lockerten, autogerechten Stadt der 1960/70er
Jahre beispielhaft verwirklicht worden.

Entstanden ist der Platz 1705 an der Stelle, wo
die barocke Straßenachse vom Berliner Stadt-
schloss zum Charlottenburger Schloss ab-
knickte. Die Knickstelle wurde als ‚Knie‘ be-
zeichnet und laut alter Stadtpläne war dies bis
1953 auch die offizielle Bezeichnung für den
Platz und die dortige U-Bahn Station.
Im Zuge des rasanten Wachstums Berlins
Ende des 19. Jh. entstanden am ‚Knie‘ auf
der Grundlage des Hobrecht-Plans (1862)
zwei weitere Straßen, die Hardenbergstraße
und die Marchstraße. Die einschließlich der
Kurfürsten Allee (seit 1950 Hertzallee, im
nördlichen Abschnitt TU-Gelände) sechs-
strahlige und bis auf Straßenbäume schmuck-
lose Straßenkreuzung bestand bis zu ihrer
Umgestaltung Mitte der 1950er Jahre. Die
umgebende Bebauung war jedoch während
des Zweiten Weltkrieges vollständig zerstört
worden.
Kurz nach dem Tod von Ernst Reuter
(1889-1953), dem ersten Oberbürgermeister
von West-Berlin, wurde das ‚Knie‘ am
1. Oktober 1953 nach diesem umbe-
nannt. 1955 legte der Architekt Bernhard
Hermkes (1903 - 1995), im selben Jahr zum
Professor für Baukonstruktion und Industrie-
bau an der Technischen Universität Berlin be-
rufen, im Rahmen eines städtebaulichen Wett-
bewerbs einen Entwurf für die Neugestaltung
des Ernst-Reuter-Platzes vor. Dieser beinhal-
tete eine große, von einem Kreisverkehr um-
schlossene runde Platzfläche, um die sich, aus-
gehend vom Platz prägenden 80 Meter hohen
„Telefunken“ -Haus, in der Höhe gestaffel-
te Solitärbauten in moderner Formensprache
gruppierten.
Die Gestaltung der Freiflächen übernahm
der damalige Senatsbaudirektor Werner
Düttmann (1921-1983). Er gliederte sowohl
die Fußgängerbereiche vor den Gebäuden als
auch Teile der im Durchmesser 120 m brei-
ten Mittelinsel mit einem streng formalen 10
x 10 Meter großen Rasternetz. Die begehbaren
Flächen bestanden aus Basaltpflasterbändern,
die mit Bernburger Mosaikpflaster ausgefacht
waren. Daneben gab es in bewusst asymme-
trischer Anordnung Pflanzfelder, Beton-Pflanz-
gefäße, Baumgruppen und Rasenflächen.
Dem Thema Wasser widmete Düttmann be-
sondere Aufmerksamkeit. Aus 41 Fontänen
fällt es in zwei rechteckige, mit hellblau-
en Fliesen verkleidete Bassins, deren 160
Unterwasserscheinwerfer die Wasserkunst auch
nachts in Szene setzten.

Im großen Wasserbecken wird die 15 Meter
hohe Hauptfontäne von einer Schar niedriger
rotierender (tanzender) Sp[ringstrahlen beglei-
tet, die sich auch im kleineren Becken wieder-
finden. Die Wasserspiele bilden einen weit-
hin sichtbaren Blickpunkt und zugleich eine
Unterbrechung der Ost-West-Achse Großer
Stern, Straße des 17. Juni und Bismarckstraße
- Kaiserdamm.

Der neu gestaltete Platz wurde bei der Ein-
weihung am 15. September 1960 im Beisein
des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt
(1913-1992) und dessen Parteikollegen Hans-
Jochen Vogel (*1926) von Bevölkerung und
Presse begeistert aufgenommen. Doch schon
ein Jahr darauf setzte Kritik ein. Beanstandet
wurden der fehlende Blumenschmuck, die
lehnenlosen Bänke und insbesondere der
Fußgängertunnel als einziger Zugang zur
Platzmitte. Der Landschaftsarchitekt Walter
Rossow, der zunächst mit der Gestaltung
des Platzes beauftragt worden war, hatte für
die dann nicht zu betretende Mittelinsel nur
ein repräsentatives zentrales Becken mit gro-
ßer Fontäne vorgesehen. Er kritisierte die
Düttmannsche Gestaltung als „Idylle..., die
am Stadtrand ihre Berechtigung hat...., aus der
nun das beste gemacht werden muss" (Berliner
Tagesspiegel v. 27.6.1961).

Der Ernst-Reuter-Platz galt als freiheitliches
Gegenstück zum stalinistisch geprägten Straus-
berger Platz in Ost-Berlin, der wiederum als
Reaktion Ende der 1960er Jahre mit einer
repräsentativen Brunnenanlage ausgestattet
wurde. Die politische Konzeption wurde durch
die Aufstellung der 1962/63 von Bernhard
Heiliger (1915-1995) geschaffenen Bronze-
plastik ‚Flamme' vor dem Gebäude der Archi-
tekturfakultät der TU Berlin unterstrichen.
Willy Brandt enthüllte bei einem Festakt am
28. September 1963 - von im Boden eingelasse-
nen Scheinwerfern gleichsam „entzündet“ -die
damals größte Bronzeplastik Deutschlands vor
West-Berliner Publikum. Sie erinnert an Ernst
Reuters Bemühen um Frieden und Freiheit für
die Menschen im Angesicht des drohenden
Kalten Krieges.

Bis 1993 waren die sommerlichen Wasserspiele
voll in Betrieb. In den folgenden zwei Jahren
sprudelte noch die Hauptfontäne, die rotie-
renden kleinen Strahler hatten ihre Tätigkeit
bereits eingestellt. 1996 und 1997 wurden
die Becken lediglich gefüllt - mit einem monat-
lichen Wasserwechsel -, um den schlechten
Fliesenzustand zu kaschieren.

Die 1998/99 im Auftrag der Senatsverwaltung
für Bauen, Wohnen und Verkehr und unter
fachlicher Begleitung durch das Landesdenk-
malamt Berlin durchgeführte Sanierung der
Brunnenanlage und Platzfläche umfasste die
Restaurierung der Becken mit einem hellblauen
Anstrich und die denkmalgerechte Erneuerung
der gesamten Wasser- und Springbrunnen-
technik einschließlich der Brunnenbeleuch-
tung. Die Pflanzflächen wurden nach histo-
rischen Pflanzplänen wiederhergestellt, so dass
sich die Stauden- und Rosenpflanzungen nun
im originalen Farbkonzept präsentieren.

Der mit 180 m Durchmesser größte Rundplatz
Berlins steht wie auch die meisten flankierenden
Bauten (Telefunken-, IBM- und Osramhaus)
mit allen Platzräumen und Ausstattungen in
seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz. Die
Mittelinsel ist seit 1995 zusätzlich Garten-
denkmal.

Ernst-Reuter-Platz
In the tradition of grand town squares, Ernst-
Reuter-Platz is an outstanding example of post-
war modernism.
The square was originally laid out in 1705 at
the point where there was a bend in the Baroque
thoroughfare from the Berlin City Palace
(Berliner Stadtschloss) to the Charlottenburg
Palace (Charlottenburger Schloss). This inter-
section of six roads, which used to be known
as "the knee", was plain and without ornament
except for a few trees along het streets until
it was redesigned in the mid-1950s.

Shortly after the death of Ernst Reuter (1889-
1953), the first mayor of West Berlin, the
"knee" was named after him on October
1, 1953. In 1955, the architect Bernhard
Hermkes (1903-1995) submitted an entry to
the architecture competition to redesign Ernst-
Reuter-Platz. His design featured a large circu-
lar area in the middle of a roundabout encircled
by a number of singular high-rise buildings of
modern design. The design of the open spaces
was undertaken by West Berlin's director of
construction Werner Düttmann (1921-1983).
He organised the areas in front of the buil-
dings as well as parts of the centre island accor-
ding to a rigidly formal 10 x 10 m grid. The
walkways consisted of bands of basalt paving
infilled with Bernburger cobblestone mosaic.
In addition, there were planted beds, con-
crete planters, groups of trees, and lawn areas.

A special focus of Düttmann was water. It
cascaded from forty-one fountains into two
rectangular basins lined with light blue tiles
with 160 underwater spotlights that lit up this
artistic display of water at night.
The reconstructed square was opened on
September 15, 1960 by the reigning mayor
Willy Brandt (1913-1992). With a diameter of
180 m, it is the largest round square in Berlin,
and the entire ensemble is a protected historic
monument. In 1998-1999, the fountains and
central area underwent a complete renovation.

Diese blaue Informationstafel geht zurück auf eine Idee des Landesdenkmalamts. Weitere Tafeln desselben Designs existieren im gesamten Stadtraum Berlins. Die Tafeln sind gerahmt von einem Stahlgestell, die Texte und Bilder befinden sich auf einer beschichteten Kunststoffplatte. 

Die Bildunterschriften entsprechend der Einbettung im Fließtext lauten:
[1] Am Knie 1907, links Bismarckstraße, rechts Berliner
Straße (später Otto-Suhr-Allee) (Landesarchiv Berlin)
The "knee" in 1907, on the left Bismarckstrasse, on the
right Berliner Strasse (Otto-Suhr-Allee) (Landesarchiv Berlin)
[2] Ernst-Reuter-Platz 1956, links Otto-Suhr-Allee
(TU Berlin, Institut für Architektur) 
Ernst-Reuter-Platz 1956, on the left Otto-Suhr-Allee
(Technical University of Berlin, Institute for Architecture)
[3] Modell Ernst-Reuter-Platz, Bernhard Hermkes 1955
(Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin)
Model of Ernst-Reuter-Platz by Bernhard Hermkes,
1955 (Berlin Senate Administration for Urban Development)
[4] Ernst-Reuter-Platz 1970er Jahre mit 4-spuriger Fahr-
bahn, Postkarte
Ernst-Reuter-Platz in the 1970s with four lanes of traffic,
postcard
[5] Ernst-Reuter-Platz 1960 vom Telefunken-Hochhaus, links Straße des 17. Juni,
rechts Hardenbergstraße (Landesbildstelle Berlin)
Ernst-Reuter-Platz 1960, view from the Telefunken Building, on the left Strasse des 17. Juni,
on the right Hardenbergstrasse (Landesbildstelle Berlin) 
[6] Einweihung Ernst-Reuter-Platz am 15. September 1960
im Beisein von Willy Brandt und Hans-Jochen Vogel
(Landesbildstelle Berlin)
Official opening of Ernst-Reuter-Platz on September 15, 1960,
with Willy Brandt and Hans-Jochen Vogel
(Landesbildstelle Berlin)
[7] Ernst-Reuter-Platz, September 1960, Postkarte
[8] Die Flamme von Bernhard Heiliger, Postkarte o. D.
The "Flame" by Bernhard Heiliger, postcard, undated
[9] Installation der Wasserdüsen und der Beleuchtung 1998
(Foto Ralf Hartmana, HORTEC
Installation of the water jets and the lights, 1998 (photo
Ralf Hartmann, HORTEC

Angaben zu genutzten Quellen, Autorenschaft und Impressum:
Impressum

Finanzierung Tafel / Information Bond funded by:
Denk mal an Berlin!
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
v. Hinckeldey Stiftung
Redaktion/Editorial, Text:
Landesdenkmalamt Berlin, Klaus Lingenauber
Bildauswahl/Selection of Photographs, Text, Layout:
HORTEC Berlin, Esther Bercke
April 2016

 

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