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Erlöserkirche (II)

Nöldnerstraße 43

Erlöserkirche – Ort des Widerstands
gegen die SED-Herrschaft
In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war
die evangelische Erlöserkirche mit dem sie umgebenden
Gelände ein herausragender Ort zahlreicher kirchlicher
Veranstaltungen regimekritischen Inhalts. Sie wurden
DDR-weit beachtet und aus allen Teilen des Landes auf-
gesucht. In Bluesmessen artikulierten Punks und andere
unangepasste Jugendliche ihre Befindlichkeit und ihre
Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen. In
Friedenswerkstätten kritisierten kirchliche Friedensgruppen
die zunehmende Militarisierung der Schule, brachten
Umweltgruppen die verheerenden, aber tabuisierten
Schädigungen der Natur zur Sprache, forderten Menschen-
rechtsgruppen die Beachtung der Menschen- und Bürger-
rechte, zu denen sich die DDR öffentlich bekannt hatte.
Die SED-Führung sah in diesen Veranstaltungen eine
Bedrohung ihrer Alleinherrschaft, bedrängte die evange-
lische Kirchenleitung massiv, allerdings erfolglos, sie zu
verbieten und ließ sie mit immensem Aufwand beobachten.
Die Beteiligten versuchte man einzuschüchtern, teilweise
durch Verhaftung an der Mitwirkung zu hindern. Dennoch
zogen diese Veranstaltungen Tausende an, ermutigten zum
Weitermachen und bewirkten die zunehmende Vernetzung
der zahlreichen Gruppen. Damit hat die Erlöserkirche einen
erheblichen Anteil an der Herausbildung einer revolutionä-
ren Situation in der DDR.

Den oberen Teil der Stele nimmt ein Foto ein mit jungen Menschen vor dem Kircheneingang, neben dem links ein Transparent mit einem Programmablauf aufgehängt ist. Die Bildunterschrift lautet: Eingang zur Friedenswwerkstatt

Neben der Inschrift sind übereinander drei weitere Fotos wiedergegeben. Deren Unterschriften lauten (von oben nach unten):
Teilnehmende Kirchenvertreter:
2. v. links: Bischoff[!] Albrecht Schönherr
2. v. rechts: Pfarrer Rainer Eppelmann
1. v. rechts: Superintendent Joachim Rissmann


Diskussion im Freien
Mitte: Reverend Paul Oestereicher, England,
Stefan Heym


Informationstafeln auf dem Gelände

Darunter wird noch erläuternd angegeben: Alle Fotos von der Friedenswerkstatt am 27. Juni 1982 / (Evangelisches Landeskirchliches Archiv Berlin)
        
Die Stele ist unmittelbar vor der Grundstücksmauer rechts neben dem Zugang zur Kirche aufgestellt. Enthüllt wurde sie am 17.5.2017. Es sprachen Bezirksbürgermeister Michael Grunst, der Initiator der Stele Manfred Becker und Gemeindepfarrerin Sapna Joshi. Ein Grußwort kam von dem unter den zahlreichen Gästen anwesenden einstigen mecklenburger Pfarrer Markus Meckel - nachmaliger erster demokratisch legitimierter Außenminister der DDR -, der nach seinen Worten auch zu den Bluesmessen kam.

Finanziert wurde die von Helga Lieser gestaltete Stele aus dem Lichtenberger Fonds für Erinnerungskultur.

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