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Ansicht Gedenktafel Eitel-Friedrich von Rabenau

Eitel-Friedrich von Rabenau

Schweidnitz (Świdnica/Polen) 13.1.1884 - Berlin 5.10.1959

Map Grunewaldstraße 77a

Widerstehen im Nationalsozialismus
Pfarrer Dr. Eitel-Friedrich von Rabenau

Pfarrer Eitel-Friedrich von Rabenau
(1884-1959) prägte die Geschichte
der Apostel-Paulus-Kirchengemeinde
im 20. Jahrhundert durch seinen Mut,
seinen dauerhaften und kompromiss-
losen Widerstand gegen die national-
sozialistischen “Deutschen Christen”
(DC) und seine Hilfen für Verfolgte.
Der Sohn eines Juristen war theologisch pietistisch und politisch
nationalkonservativ eingestellt. Er lehnte die Republik ebenso ab
wie beispielsweise das Pfarramt für Frauen. Nach dem Studium
arbeitete er in der krankenhausseelsorge und Trinkerhilfe. 1912
ging er als Pfarrer an die deutsche Gemeinde in Jaffa/Palästina.
1920 zurückgekehrt, war er jahrzehntelang im Jerusalemsverein
aktiv, der bis heute christliche, wohltätige Einrichtungen und
Schulen im Land der Bibel unterhält.
Im Mai 1923 an unsere Gemeinde berufen, hatte er hier bis zu
seiner Pensionierung 1954 das Pfarramt inne. Er konnte große
Teile der Gemeinde für die Bekennende Kirche (BK) und somit
auch für die innerkirchliche Opposition gegen die Dominanz der
Nationalsozialisten in der evangelischen Kirche gewinnen.

Ein Gründungsvater der
Bekennenden Kirche

Von Rabenau bekämpfte die DC seit
deren Gründung im Jahr 1932. Nach der
Machtübergabe an die Nationalsozialisten
erlangten die DC innerhalb weniger Monate
Mehrheiten in den meisten evangelischen
Kirchengremien und erzwangen einen radikalen
Umbau hin zu einem am “Führerprinzip” orientier-
ten Kirchenregiment. Sie verfälschten die christliche
Lehre mit Elementen der nationalsozialistischen
Ideologie und etablierten den “Arierparagraphen”
zur Entlassung aller Kirchenbediensteten mit
jüdischen Angehörigen.
Dagegen formierte sich die Kirchenopposition,
in der von Rabenau gut vernetzt war. Er gehörte
1933 zum Gründerkreis des Pfarrernotbundes, der
zwangsentlassene Pfarrer unterstützte. Im Mai
1934 zählte er zu den Mitbegründern
der BK und war als Mitglied mehrerer
Brüderräte einer ihrer maßgeblichen
Vertreter. Schon 1933 zogen SA-Leute in
den Gottesdiensten von Rabenaus auf und
bedrohten ihn. Kirchliche und staatliche
Behörden verfolgten ihn mit mehreren
Suspendierungen und Gehaltssperren
sowie mit der zweimaligen Festnahme
durch die Geheime Staatspolizei.

Kirchenkampf in der Gemeinde

Im Gemeindekirchenrat an Apostel-Paulus
errangen die DC bei den politisch erzwungenen
Kirchenwahlen 1933 die Mehrheit. Es folgten
erbitterte Auseinandersetzungen zwischen der
Bekenntnisgemeinde um Pfarrer von Rabenau
und der DC-Gruppe um Pfarrer Gerhard Peters.
Wiederholt denunzierten DC-Anhänger von Rabenau
bei den Kirchenbehörden, was seinen Einfluss nicht
schmälern konnte: Der zunächst “neutrale” dritte
Pfarrer Heinrich Roterberg wandte sich bald der BK
zu. Über 900 Gemeindemitglieder schlossen sich ihr
im Laufe der Zeit an.
Am ersten Advent 1934 brachen die tiefen Gräben
innerhalb der Gemeinde weithin wahrnehmbar
auf. Trotz kichenamtlicher Suspendierung sollte
von Rabenau predigen, da mit ihm auch Pfarrer
Roterberg und Hilfsprediger Kube, beide BK-nah,
seine Zwangsbeurlaubung als unrechtmäßig
werteten. Doch Pfarrer Peters kam ihm zuvor und
vereinnahmte mit der kleineren DC-Gruppe den
Altarraum. Lange rangen von Rabenau von der
Kanzel, unterstützt vom Posaunenchor, und Peters,
an der Orgel begleitet, um die Durchführung des
gutbesuchten Gottesdienstes. Von Rabenau rief
schließlich zum Auszug der BK-Gruppe auf.
Die Konflikte hielten jahrelang an. Zeitweise wurde
die BK-Gruppe aus den Kirchenräumen verbannt.
Die Auseinandersetzungen endeten erst 1943 mit
der kriegsbedingten Versetzung von Pfarrer Peters.

Offene und heimliche Hilfen
für Verfolgte

Pfarrer von Rabenau verschloss weder die Augen
vor der Verfolgung seiner jüdischen Nachbarn in
Berlin-Schöneberg noch vor der Not der Gemeinde-
glieder jüdischer Herkunft. Diesen stand die Apostel-
Paulus-Kirche uneingeschränkt offen. Er wollte den
Ausgestoßenen “Gemeinschaft innerhalb der Kirche
Jesu Christi geben”. Solch eine Haltung war damals
in der evangelischen Kirche nicht selbstverständlich.
Von Rabenau wurde mit einem anonymen Schreiben
als “Judenknecht” beschimpft.
Er taufte weiterhin konversionswillige Jüdinnen
und Juden, erwartete aber, dass der Glaube und
nicht allein formale Gründe sie leiten solle. Doch
Taufscheine konnten sie nicht schützen. Standen
Deportationen bevor, leistete von Rabenau
seelsorgerische Betreuung und befähigte einige
Verfolgte zur Seelsorge unter Mitgefangenen.
Als aber deutlich wurde, dass den Verfolgten der
Tod drohte, entschlossen sich er, seine Ehefrau
Elisabeth und einige Mitarbeitende zur riskanten
Unterstützung von Menschen, die vor den Deporta-
tionen flohen. Sie boten ihnen im Pfarrhaus Hilfe,
suchten geheime Unterkünfte bei gleichgesinnten
Pfarrfamilien in ganz Deutschland und versorgten
die Verfolgten materiell.
“In dieser Lage mussten wir aushalten,
Gottes Wort wahrheitsgemäß verkünden und
recht beten, durften unser Gewissen nicht betäuben,
unsere Gedanken nicht verwirren lassen.”

Die großformatige Tafel ist im Kirchenschiff links vom Mittelgang an einem Pfeiler befestigt. Die Inschrift ist in drei Blöcke geteilt. Oben links ist ein Porträtfoto von Rabenaus eingefügt. In der Mitte links befindet sich ein Stempelabdruck “Brüderrat der Bekennenden Kirche Berlin-Brandenburg”. Untern links ist ein Schreiben vom 1.7.1939  abgebildet und unter dem zweiten und dritten Block befinden sich vier Fotos. Die Unterschriften lauten (v.l.n.r.):

Eines der Schreiben von Gemeindegliedern an den
Konsistorialpräsidenten der Kirchenprovinz Mark
Brandenburg von 1939. Sie stellten sich an die Seite
von Rabenaus, als er von September 1938 bis
Mai 1940 für die längste Zeit suspendiert war.

Renate Wolf (l. später Rahel R. Mann,
1937-2022) bei ihrer Konfirmation 
durch Pfarrer von Rabenau (r.) am
29.3.1953. Ihre Mutter war getaufte 
Jüdin, ihrem jüdischen Vater ist sie
nie begegnet. Pfarrer von Rabenau
taufte sie während des Krieges. Das
Mädchen überlebte die Verfolgung
in mehreren Verstecken, wobei ihm
auch das Ehepaar von Rabenau zu
Hilfe kam.

Das jüdische Ehepaar Ines (1894-
1972) und Max (1888-1965) Krakauer
im Juni 1945. Sie waren im Januar
1943 in Berlin vor den Deportationen
geflohen und baten Pfarrer von
Rabenau um Hilfe. Er spendete ihnen
Geld für die Flucht, auf der sie bis zur
Befreiung in über 40 Pfarrhäusern
Unterschlupf fanden.

Beate Steckhan geb. Hecht
(1892-1974), eine christliche Sozial-
arbeiterin jüdischer Herkunft, war
mit Pfarrer von Rabenau befreundet
und besuchte bei ihm einen Kurs zur
Laienordination. Mehrmals entging
sie nur knapp der Deportation. Im
August 1942 floh sie mit gefälschten
Papieren aus Berlin. Pfarrer von
Rabenau unterstützte sie mit Geld 
und Lebensmitteln. Sein in Tübingen 
studierender Sohn Konrad nahm 
sie zeitweise auf. Sie musste häufig 
neue Quartiere finden und überlebte 
in zahlreichen Verstecken in ganz 
Deutschland.

Die Grabstätte von Eitel-Friedrich
und Elisabeth von Rabenau auf
dem Evangelischen Kirchhof
Alt-Schöneberg. Auf dem Grabstein
steht in einer älteren Übersetzung
der Vers aus dem Johannesevange-
lium 8,36: “Wenn euch nun der Sohn
frei macht, so seid ihr wirklich frei.”

Die Hilfe, die aus der Bekennenden Kirche in Berlin von Pfarrern wie von Rabenau oder Burckhardt von der Gemeinde “Zum Heilsbronnen” geleistet wurde, auch in Pommern und in besonderem Maße von der württembergischen “Pfarrhauskette” schildert Max Krakauer äußerst eindrücklich in seinem schon 1947 erstmalig erschienenen Überlebensbericht über seine und seiner Frau Karoline (Ines) Flucht und Rettung vor der Deportation vom 29. Januar 1943 über 27 Monate hinweg bis zur Befreiung am 23. April 1945: Lichter im Dunkel. Flucht und Rettung eines jüdischen Ehepaares im Dritten Reich.

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