Dritte Bekenntnissynode der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union
Map Albrechtstraße 81a
Kirche der Altpreußischen Union in Steglitz
Vom 23. bis 26. September 1935 tagte im Gemeindehaus Markus
die dritte Bekenntnissynode der Evangelischen Kirche der
Altpreußischen Union (APU). Dieser Landeskirche gehörte die
Steglitzer Gesamtgemeinde mit der Matthäus-, Lukas- und
Markuskirche an. Während des Kirchenkampfes ab 1933 standen
sich in der evangelischen Kirche die nationalsozialistisch geprägte
Glaubensgemeinschaft der Deutschen Christen und die oppositionelle
Bekennende Kirche gegenüber. Letztere organisierte landeskirchliche
Gemeindetage und Synoden, darunter auch diese Synode.
Ringen der Kirche um Selbstbehauptung
Eingriffe der Nationalsozialisten in die kirchliche Leitungsstruktur, die
zu einer protestantischen Reichskirche führen sollten, zeigten sich
bereits bei den Kirchenwahlen am 23. Juli 1933, bei denen die
Deutschen Christen reichsweit, auch in der NS-Hochburg Steglitz,
die Mehrheit gewannen. Die preußische Landeskirche unterstand
nun einem deutschchristlichen Kirchenregiment. Offene Kritik wurde
mit Suspendierung, Diffamierung und Verhaftung verfolgt. In Steglitz
schlossen sich neun von elf Pfarrern, darunter auch die der
Markuskirche, der späteren Bekennenden Kirche an. Aus Protest
gegen den NS-Totalitätsanspruch und die Übertragung des
„Arierparagraphen“ auf die Kirchenordnung wurde im September
1933 in der kirchlichen Opposition der Pfarrernotbund gegründet. In
christlicher Solidarität unterstützte er Pfarrer und Gemeinde-
mitarbeitende jüdischer Herkunft ideell und materiell. Eine
Stellungnahme gegen die Judenverfolgung im öffentlichen Leben
blieb jedoch aus. Der theologische Widerstand wurde bei der ersten
Bekenntnissynode in Barmen im Mai 1934 formuliert. Die auf der
Grundlage der Barmer Theologischen Erklärung gegründete
Bekennende Kirche verstand sich künftig als rechtmäßige Vertretung
der evangelischen Kirche.
Planung der Synode und programmatischer Konflikt
1935 wurde die NS-Kirchenpolitik forciert. Eine Synode zur Beratung
über die Eingriffe in die Eigenverwaltung wurde von der Bekennenden
Kirche der APU einberufen und für den 16. September in Königsberg
geplant. Einen Tag zuvor wurden die „Nürnberger Rassegesetze“
erlassen. Meinungsverschiedenheiten über die von einigen Bekenntnis-
pfarrern eingeforderte Thematisierung der „Judenfrage“ und die
Haltung der evangelischen Kirche zur Judenverfolgung erschwerten
die Planung der Synode. Sie sollte nun vom 23. bis 26. September
in Steglitz stattfinden.
Ergebis der Synode
Auf der Synode wurde über Fragen der Verkündigung, Sakraments-
und Finanzverwaltung beraten und entschieden. Die zumindest einem
Teil der Synodalen bekannte erschütternde Denkschrift der bekenntnis-
treuen Studienrätin Dr. Elisabeth Schmitz gegen die Judenverfolgung
wurde dagegen nicht verhandelt. Nach ernsten Auseinandersetzungen
konnte sich die Synode nur zur Anerkennung der christlichen Taufe
von Jüdinnen und Juden in der evangelischen Kirche durchringen.
Zu den „Nürnberger Gesetzen“ schwieg sie; eine weitere Auslassung
dazu wurde vertagt. Das Ergebnis demonstrierte theologische
Entschiedenheit bei politischer Entsagung.
Die Synode war die letzte reguläre der insgesamt 12 bis 1943
stattfindenden Bekenntnissynoden der APU. Zwei später ebenfalls
hier tagende Synoden fanden am 31. Juli 1938 und 21. Mai 1939 in
der Illegalität statt.
Christiane Scheidemann
Rechts neben der Inschrift befinden sich übereinander fünf Fotos bzw. Abbildungen. Die Unterschriften lauten (v.o.n.u.):
Gemeindehaus in der Albrechtstraße,
um 1930
Evangelisches Landeskirchliches
Archiv Berlin
Mitgliedsausweis der Evangelischen
Bekenntnisgemeinde Steglitz
Evangelisches Landeskirchliches
Archiv Berlin
Mitteilung über den neuen Tagungs-
ort der Synode in Berlin-Steglitz,
18.9.1935
Landeskirchliches Archiv der
Evangelischen Kirche von Westfalen
Schreiben der vorläufigen Leitung
der Deutschen Evangelischen
Kirche an den Präses der dritten
Bekenntnissynode, 23.9.1935
Landeskirchliches Archiv der
Evangelischen Kirche von Westfalen
Großer Gemeindesaal, um 1930
Die Markuskirche von Berlin-Steglitz
1912-1937. Eine Festschrift zum
28. April 1937, S. 32
Auf der linken Seite der Tafel steht von unten nach oben: Historische Information. Im unteren Bereich befinden sich die Signets “Fachbereich Kultur Steglitz Zehlendorf” sowie “Erinnern für die Zukunft Steglitz-Zehlendorf” und der Hinweis, dass “Konzeption & Gestaltung:” in den Händen von Karin Rosenberg lagen
Enthüllt wurde die Stele in Anwesenheit von über 60 Teilnehmern am 7.5.2026 vor der Mauer des Gemeindehauses. Sie ersetzt bisherige kleinere, auf der Mauer angebrachte Gedenktafeln.
Zur Enthüllung sprachen Bezirksstadträtin Malgorzata Sijbrandij, die Superintendentin des Kirchenkreises Steglitz, Christa Olearius, Pfarrer Sven Grebenstein und die Historikerin und Verfasserin des Stelentextes, Dr. Christiane Scheidemann.

