Dorotheenstädtischer Friedhof
Map Chausseestraße 126
Einleitende Bemerkungen
Sie befinden sich auf dem Kirchhof der Dorotheenstädtischen
und Friedrichswerderschen Kirchengemeinden, kurz »Doro-
theenstädtischer Friedhof« genannt, der 1762 außerhalb der
Stadt vor dem »Oranienburger Tor« angelegt wurde. Auf dieser
großen Begräbnisanlage haben zahlreiche bedeutende Persön-
lichkeiten aus dem geistigen, kulturellen und politischen Leben
Berlins und Deutschlands ihre letzte Ruhestätte gefunden. Dies
gilt bis in die unmittelbare Gegenwart hinein. So wurde im Jahre
1998 hier der Schauspieler Bernhard Minetti bestattet, 1996
der Schriftsteller Heiner Müller. Auf dessen Grab befindet sich
eine Stele von Mark Lammert. Auch Heinrich Mann, Arnold
Zweig sowie Anna Seghers und ihr Mann haben hier ihre letzte
Ruhestätte gefunden. Sie gehören zu denen, die die Zeit des
Faschismus im Exil überlebten und auf Grund ihres allgemein
humanistischen Engagements nach dem 2. Weltkrieg in den
östlichen Teil Deutschlands zurückkehrten. Gleiches gilt auch für
Bertolt Brecht und Helene Weigel. Das Paar bezog eine
Wohnung in unmittelbarer Nähe des Dorotheenstädtischen
Friedhofes in der Chausseestraße 125. Dort befindet sich ne-
ben dem Eingangstor des Friedhofes die heutige Brecht-Ge-
denkstätte.
Zur Geschichte des Friedhofes
Die Gründung des Dorotheenstädtischen Friedhofes, benannt
nach der Kurfürstin Dorothea, erfolgte im Jahre 1762. Damals
stellte Friedrich der Große ein Gelände zur Verfügung, das als
Ersatz für die innerhalb der Akzisemauer liegenden Begräbnis-
plätze diente. In der rasch wachsenden Stadt waren die
vorhandenen Grabplätze knapp geworden, und freie Flächen
waren als Bauland begehrt. Auch fürchtete man, dass das Woh-
nen in unmittelbarer Nähe der Gräber Epidemien begünstigen
könnte. So wurden vor dem Oranienburger Tor in der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts noch einige Nachbarfriedhöfe
angelegt. Es handelte sich dabei um den Charité-Friedhof (18.
Jh. bis 1856), den Französischen Kirchhof (seit 1780, bis heute
in seiner ursprünglichen Ausdehnung erhalten) und den St.
Hedwigs-Friedhof (1777–1902). Bald jedoch lagen auch diese
neuen Friedhöfe schon wieder im innerstädtischen Bereich.
In den ersten Jahren seines Bestehens diente der Dorotheen-
städtische Friedhof vor allem der ärmeren Bevölkerung bzw.
den einfachen Bürgern als Begräbnisort. Dass sich dies bald
änderte, mag damit zusammenhängen, dass auf dem Territorium
der beiden Kirchengemeinden, auf dem Friedrichswerder und
in der Dorotheenstadt, die Wirkungsstätten vieler Gelehrter
wie z. B. die Sing- bzw. Bauakademie oder die Akademie der
Künste bzw. Wissenschaften oder die Berliner Universität
angesiedelt waren. In jedem Falle wurden, entsprechend der
gesellschaftlichen Bedeutung der Bestatteten, zunehmend die
Grabmale von bedeutenden Künstlern ausgestaltet.
Ab 1869 waren auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof aus
sanitätspolizeilichen Gründen nur noch Bestattungen auf den
bereits gekauften Grabstellen möglich. Gegen Ende des 19.
Jahrhunderts ist die Fläche des Friedhofes dann mehrmals ver-
kleinert worden. In den 60er Jahren dieses Jahrhunderts war
dann die Umwandlung in eine Grünanlage im Gespräch. Auf
der anderen Seite wurde 1921 der Friedhof neuerlich für
Bestattungen freigegeben. 1928 errichtete man die Kapelle nach
Plänen des Baurats Ludwig Dihn (1849–1928). Nach den
Zerstörungen vieler Wohnviertel im Zweiten Weltkrieg wurde
das Gebiet der ehemaligen Dorotheenstädtischen Gemeinde
der Friedrichswerderschen Schwestergemeinde zugeordnet,
die damit seit 1961 auch allein die Verantwortung für den
Friedhof trägt.
An dem geschichtlichen Auf und Ab lässt sich ablesen, wie sehr
die Substanz des Friedhofs immer wieder bedroht gewesen ist.
In wirtschaftlich oder politisch schwierigen Zeiten, wie den
Kriegs-, Revolutions- oder Inflationsjahren, kamen Vandalismus,
Metalldiebstahl, aber auch fehlende Pflege, mangelndes Wissen
und finanzielle Nöte als weitere Ursache des Verfalls hinzu.
Aber auch zu anderen Zeiten trat oftmals Gleichgültigkeit
zutage. So kam es etwa in den 30er Jahren zur Veräußerung
einiger Grabmale an Steinmetzmeister. Die Zerstörungen
durch Kampfhandlungen des 2. Weltkrieges waren darüber
hinaus ganz erheblich. Außerdem wurden nach dem Krieg
Eisengitter und -kreuze demontiert. Und noch während der
70er Jahre ist ein gußeisernes Gitter an der Litfaßschen Grab-
stelle verschwunden.
Aktivitäten der Denkmalpflege
Die denkmalpflegerischen Bemühungen um den Dorotheen-
städtischen Friedhof begannen 1935 mit einer 1. Inventarisie-
rung des Bestandes.
Seit 1983 steht der Friedhof in seiner Gesamtheit unter Denk-
malschutz. Seitdem wurden weitere Grabstellen restauriert.
Mit der Wende von 1990 übernahm das Referat Gartendenk-
malpflege des Landesdenkmalamtes Berlin in Zusammenarbeit
mit der Friedrichswerderschen Gemeinde die denkmalpfleger-
ische Verantwortung für die Anlage. Mit ihrem fachlichen
Engagement bzw. finanziellen Unterstützung verfolgt sie das
Ziel, den bedeutenden Friedhof mitsamt seiner herausragenden
Grabmalskunst zu sichern und konservatorisch zu betreuen. Im
Sinne dieser Zielsetzung wurden und werden verschiedenste
Grabstellen denkmalpflegerisch betreut. Wichtig ist in diesem
Zusammenhang auch die Mitwirkung der Stiftung Historische
Friedhöfe bzw. die Bereitstellung von erheblichen Mitteln durch
die Stiftung der Deutschen Klassenlotterie Berlin.
Die Wegestruktur
Der Dorotheenstädtische Friedhof wird durch ein auf der
Nordsüdachse bzw. Ostwestachse liegendes Hauptwegekreuz
erschlossen. Vom Friedhofstor aus sichtbar steht am Ende des
leicht ansteigenden Zugangsweges die Marmorstatue Martin
Luthers, eine Kopie des von Johann Gottfried Schadow geschaf-
fenen Originals für den Wittenberger Marktplatz. Begleitet wird
der Zugangsweg von der hohen nördlichen Begrenzungsmauer
des benachbarten Französischen Kirchhofs. Der von Nord nach
Süd verlaufende Weg war ursprünglich eine Lindenallee.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden im südlichen Abschnitt Birken
gepflanzt. Einst war dieser Alleeabschnitt als Gitterstraße
ausgebildet. Die einzelnen Grababteilungen hatten im Fried-
hofsregister unterschiedliche Namen: Aufgrund der vielen
Grabgitter wurde das südwestliche Grabfeld kurz als das »Git-
ter« aufgeführt. Das südöstlich des Wegekreuzes liegende
leicht ansteigende Feld nannte man den »Berg«. Zwischen den
Abteilungen »Berg« und »Gitter« lag eine schmale Abteilung,
die mit »Am katholischen Zaun« gekennzeichnet wurde. Im
nordöstlichen Teil des Friedhofs befand sich die Abteilung »Im
Kirchengitter«.
Künstlerisch und historisch bedeutende Grabmale
Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof findet sich ein Quer-
schnitt des Berliner bildhauerischen Schaffens vom Beginn des
19. Jahrhunderts bis hin zu den Werken der Neuzeit. Typologisch
ist fast das ganze Spektrum der Grabmalkunst des 19.
Jahrhunderts vertreten. Die Denkmäler aus dem Kreis der
klassizistischen Baumeister bzw. Bildhauer und deren Schulen
zeichnet eine besonders künstlerisch wertvolle Gestaltung aus.
Häufig verwendete Materialien waren Sandstein oder roter
bzw. schwarzer Granit, letzterer in geschliffener und polierter
Form. Es dominieren schlichte Denkmalsformen, wie Cippus,
Obelisk und Stele. Der plastische Schmuck und die Inschriften
wurden häufig in Bronze ausgeführt. Barocke Denkmäler sind
auf dem Friedhof nicht überliefert.
Gußeiserne Grabmalskunst
Charakteristisch für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts
waren gußeiserne Grabkreuze, die häufig in der Königlichen
Eisengießerei hergestellt wurden. Beispiele hierfür finden sich an
den Gräbern zweier preußischer Finanzminister: Friedrich
Christian Adolf von Motz (1775–1830) und Karl Georg Maaßen
(1769–1834). Maaßens Grabstelle ist zusätzlich mit einem
Eisengitter eingefriedet. Auch bei Motz sind noch Reste des
Eisengitters vorhanden. Beeindruckend ist die 1992/93 restau-
rierte Gruppe der vier hohen Eisenkreuze an der Grabstelle
Jacobi, die auf Sandsteinsockeln errichtet wurden. Das obere
Ende der Kreuzstämme schmücken christliche Insignien wie
Kreuz, flammendes Herz, Anker oder Kreuz. Der Fuß des Kreu-
zes für Isabella Caroline Friederike Jacobi wird an Vorder- wie
auch an der Rückseite von einem weiblichen Genius geziert.
Ein weiteres eindrucksvolles Beispiel für diese Art der Grab-
malgestaltung stellt die 1997 restaurierte Familiengrabstätte
Pattri an der westlichen Friedhofsmauer dar. Hier sind inner-
halb der gußeisernen Einfriedung für die Bestatteten eiserne
Grabmale aufgestellt bzw. Tafeln angebracht worden.
Einzigartig ist das Eisengußdenkmal an der Grabstätte von Georg
Christian Freund (1793–1819). Auf einem würfelförmigen Posta-
ment steht ein großer gußeiserner Lekythus mit einem Relief
der Norne Skuld vor einem schreitenden Pferd. Zusätzlich
werden die Insignien des Maschinenbauers abgebildet. Das
Grabmal wurde vom Bildhauer und Bruder des Verstorbenen
Professor Hermann Ernst Freund (1786–1840) geschaffen. Letz-
terer war ein Schüler Bertel Thorvaldsens.
Klassizistische Stelen in Anlehnung an Entwürfe
von Schinkel
Die Gestaltung der Grabstätten von Hermbstädt, Hossauer,
Stüler und Beuth geht auf Schinkel zurück. 1821 zeichnete
dieser fünf verschiedene Formen für Grabmale. Im Auftrag des
Vereins für Gewerbefleiß in Preußen entwarf er darüber hin-
aus ein Grabmal, das als Bronzeguß hergestellt werden sollte.
Unter diesen Entwürfen befand sich auch jener Typ von Stele,
der sowohl auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof wie auch
auf anderen Berliner Friedhöfen variantenreich Verwendung
fand. Auf diesen griff Schinkel zurück, als er 1833 den Entwurf
eines Grabmals für den Chemiker Dr. Sigismund Friedrich
Hermbstädt (1760–1833) anfertigte. Der Aufsatz der Stele
besteht aus einem Palmettenakroterion mit einer allegorischen
Figur. Auch die drei Stelen vor rechteckig vertieften Wandfel-
dern bei der Grabstätte des Goldschmieds George Hossauer
(1794–1874) und seiner Angehörigen stellen Repliken des
Schinkelentwurfs dar. Jede Stele schließt wiederum mit einem
Palmettenakroterion und einer allegorischen Figur ab. Ent-
sprechendes ist auch zu den Marmorstelen für Dr. G. W. Stüler
(1798–1838) und Philippine Stüler, geb. von Mieg (1784–1862)
zu sagen.
Etwas gedrungener wirkt das Grabmal von Peter Christoph
Wilhelm Beuth (1781–1853). Das Bildnismedaillon an der rötli-
chen Granitstele wurde vermutlich von August Kiss, einem
Schüler Rauchs, gearbeitet. Beuth war ein Freund Schinkels.
Gemeinsam mit diesem gab er von 1821–1837 eine Entwurfs-
sammlung für vorbildhaft gestaltete Gebrauchsgegenstände heraus.
Karl Friedrich Schinkels (1781–1841) eigene Grabstätte wurde
auf Anregung seines Freundes Beuth ebenfalls mit einer Stele
ausgestattet. In den Ranken der inzwischen erneuerten Bekrö-
nung steht ein zartgliedriger, geflügelter Genius.
Das vergoldete Porträtmedaillon entstand nach dem von
Christian Daniel Rauch gefertigten Modell von 1836. Die
Gittereinfassung mit Ornamentformen Schinkels geht auf den
Schinkelschüler Gustav Stier zurück.
Obelisken
Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte (1762–1814) erhielt einen
hohen gußeisernen Obelisken, der 1819 in der Königlichen
Eisengießerei hergestellt worden ist. Das eventuell auf einen
Schinkelentwurf zurückgehende Grabmal wurde 1945 zerstört.
Das von einem Eichenlaubkranz umrahmte und vergoldete
Bildnismedaillon aus Bronze wurde von Ludwig Wichmann
gefertigt. Als Ersatz für das zerstörte Grabmal wurde 1950 ein
gedrungener steinerner Obelisk aufgestellt.
Neben Fichtes Grabstätte findet man auch die von Georg
Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831). Es war dessen Wunsch
gewesen, neben Fichte begraben zu werden. Ein schlichter,
gedrungener, quaderförmiger Cippus aus rotem Granit erin-
nert an diesen weltberühmten Denker. Bei der Verbreiterung
der Hannoverschen Straße wurden die Grabstätten der beiden
Philosophen in die Abteilung »Berg« verlegt.
Ein weiterer aus Granit gefertigter Obelisk ziert das Grab des
Philologen August Boeckh (1785–1867). An diesen Rektor der
Berliner Universität erinnert auch das schöne Bildnistondo aus
Bronze von Reinhold Begas.
Baumeister und Bildhauer
Außer der bereits erwähnten Grabstelle Schinkels finden sich
auf dem Friedhof weitere, künstlerisch wertvolle Grabstätten
von bekannten Architekten und Künstlern. So etwa die des
berühmten Bildhauers Johann Gottfried Schadow (1764–1850),
der den realistischen Stil der Berliner Bildhauerschule begrün-
dete. Am Ende der Birkenallee befindlich, besteht diese aus
einem schlanken Pfeiler mit Volutenkapitell, darauf die Statue
des Bildhauers im Alltagsgewand und auch die Attribute seines
Handwerks. All dies entstand 1822 nach dem Modell des
Schülers Heinrich Kaehler. Das bronzene Original wurde durch
einen Zinkguss ersetzt und befindet sich nunmehr außerhalb des
Friedhofes.
Außer seiner eigenen Grabstätte hat Schadow eine hohe
schlanke Sandsteinsäule mit Deckelurne für seine zweite Frau
Marie Henriette Caroline Schadow, geb. Rosenstiel (1784–1832)
errichtet. Die gesamte Grabstätte ist von einem neuen
eisernen Eselsrückengitter umgeben.
Der nach Schadow bedeutendste Bildhauer des Klassizismus in
Preußen, Christian Daniel Rauch (1777–1857), ruht ebenfalls auf
dem Friedhof. Sein Grabmal wurde nach einem eigenen Ent-
wurf aus dem Jahre 1853 angefertigt. Eine Stele wird hier mit
einer allegorischen Figur der Hoffnung bekrönt. Diese hält
eine Granatapfelblüte in den Händen. Das Porträtmedaillon
stammt vom Rauchschüler Albert Wolff.
Bei der Grabstätte des Baumeisters Albert Dietrich Schadow
(1797–1869), einem Schinkelschüler und Mitarbeiter August
Stülers, handelt es sich um ein Wandgrab, das als Triptychon im
Stil der Neurenaissance gestaltet wurde. Wir finden hier ein
mittig angebrachtes Bildnismedaillon und die allegorischen
Figuren Innocentia und Caritas in den Seitennischen. Die Zink-
gussfiguren stammen vom Bildhauer Hermann Schievelbein.
Letzterer wurde ebenfalls auf dem Dorotheenstädtischen
Friedhof bestattet. Das Bildnistondo von Hermann Schievelbein
(1817–1867) an der Granitstele stammt von seinem Freund
Gustav Blaeser (1879). Außerdem soll noch auf das Grabmal
für Hermann Rennert (1866–1894) hingewiesen werden. Auf
dessen Grabstein findet sich eine bronzene, galvanoplastisch
hergestellte und dabei verkleinerte Nachbildung der vom Bild-
hauer Bertel Thorvaldsen 1821 geschaffenen segnenden
Christusfigur, die ansonsten insgesamt dreimal auf dem Fried-
hof auffindbar ist.
In ganz anderer Art präsentiert sich die Grabstätte Friedrich
August Stülers (1800–1865), einem der nach Schinkel wohl
bedeutendsten Baumeister in Berlin. Als Ersatz für das am
Ende des Krieges 1945 zerstörte Grabmal wurde hier 1996 eine
Eisenkonstruktion errichtet. Sie ist in Form und Proportion
dem ursprünglichen Denkmal nachempfunden. Ursprünglich
hatte ein Baldachingrab mit der Büste Stülers und einer reich
verzierten Eisengittereinfriedung an diesen Baumeister erinnert.
Zu erwähnen ist auch das Grabmal des Schinkelschülers Johann
Heinrich Strack (1806–1880), dem Erbauer der Siegessäule.
Mausoleen, weitere Familien- und Erbbegräbnisse
In der exponierten Lage des Hauptwegekreuzes steht das
Grabmal der Steinmetz- und Baumeisterfamilie Gottlieb
Christian Cantian. Es entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die Vorder- und Rückseite des monumentalen altrömischen
Sandsteinsarkophages schmücken je ein Opferkranz, der von
gekreuzten und gesenkten Fackeln gerahmt wird. Der Sarko-
phag wird von einer dreiseitigen Mauer eingefasst. Alte Bilder
zeigen, dass zwischen den seitlichen Einfassungsmauern und dem
Sarkophag ursprünglich ein eisernes Gitter angebracht war.
An der nördlichen Friedhofsmauer befindet sich das Erbbe-
gräbnis der Familie Liman, ein in ägyptisierendem Stil errichtetes
Mausoleum aus Ziegelmauerwerk. Hinzuweisen ist auch auf das
Mausoleum der Familie Hitzig. Der hier bestattete
Georg Heinrich Friedrich Hitzig (1811–1881) war ein Schüler
Schinkels. Der Entwurf für das in den Formen der italienischen
Renaissance errichtete, hochragende Bauwerk auf rechtecki-
gem Grundriss mit halbrunden Schmalseiten geht auf einen
Entwurf von Hermann Ende von 1882 zurück. Der Portikus wird
von ionischen Säulen eingefasst. Die Eingangsseite wird durch
prächtige Fresken betont.
Auf der Grabstätte des preußischen Ministerresidenten und
Geheimen Justizrats Dr. Max Siegfried Borchardt (1815–1880)
wurde eine Stele mit einem von Fritz Schaper geschaffenen
Bildnismedaillon errichtet. Diese wird von einer dreiseitigen
Säulenreihe gerahmt. Jeweils am Ende der seitlichen Säulenrei-
hen finden sich als sandsteinerne Sitzfiguren zwei trauernde
Engel. Diese wurden 1883 von Michael Lock gefertigt. Die
nachträglich angebrachten Überdachungen sollen sie vor Wit-
terungseinflüssen schützen.
Eindrucksvoll ist die wuchtige Grabstätte aus schwarzem
schwedischem Granit für Conrad Habel (1843–1897), welche
von einem Eisengitter mit floralem Dekor eingefasst wird. Ein
bronzenes Halbprofil erinnert an den Brauereibesitzer Habel.
Die Sarkophage für ihn und seine Frau sind ebenfalls aus
schwarzem schwedischem Granit.
Außergewöhnlich ist auch die prunkvolle Grabstätte für den
Industriellen August Borsig (1804–1854). Eingefasst von einem
niedrigen Eisengitter steht das Denkmal, ein tempelartiger
Baldachin auf vier dorischen Säulen. Es wurde 1857 von Johann
Heinrich Strack entworfen. Unter dem Baldachin steht die von
Christian Daniel Rauch gefertigte Büste des Verstorbenen.
Davor befinden sich die Statuen zweier Knaben, einer vermut-
lich Borsigs Sohn Albert, die das Medaillon der Ehefrau Luise
Borsig, geb. Praschl (1806–1887), halten. Die zweite Knabenfigur
kam leider Mitte der 90er Jahre abhanden.
Hingewiesen werden soll außerdem auch auf die Grabstelle von
Philipp Carl Buttmann (1764–1829) mit einem Relief des Bild-
hauers Friedrich Tieck. Dargestellt werden Thanatos mit
gesenkter Fackel, eine Muse, vermutlich Klio, und das Porträt-
medaillon dieses Altphilologen.
An der Familiengrabstätte Krüger von 1844 findet sich die
einfachste Form des klassizistischen Grabmals – eine in die
Mauer eingelassene Inschrifttafel. Hier liegt auch der preußi-
sche Hofmaler Franz Krüger (1797–1857), wegen seiner
vielfachen und ausgezeichneten Pferdedarstellungen auch
Pferde-Krüger genannt.
Gedenkplatz für die Widerstandskämpfer
Ein hohes Kreuz aus Walzstahlprofilen erinnert an die in der
Nacht vom 22. zum 23. April 1945 ermordeten Widerstands-
kämpfer. Der auf einem Sockel liegende Steinquader trägt die
Namen von Klaus Bonhoeffer (1901), Hans John (1911), Hans
Ludwig Sierks (1877), Carl Adolf Marks (1877), Wilhelm zur
Nieden (1878), Richard Kuenzer (1875), Friedrich August
Perels (1910) und Rüdiger Schleicher (1895). Darüber hinaus
werden zum Gedenken Dietrich Bonhoeffer (1906–1945) und
Hans von Dohnanyi (1902–1945) – jener in Flossenbürg, dieser in
Sachsenhausen ermordet – sowie Justus Delbrück (1902–1945)
namentlich genannt. Zu erwähnen sind außerdem noch etwa 70
zum Teil unbekannte Kriegstote, die hier in einem Massengrab
bestattet wurden.
Begräbnisplatz der Akademie der Künste
Eine weitere Sonderanlage stellt ein für die Mitglieder der Aka-
demie der Künste reservierter Bereich dar. Die Akademie
erwarb für diese Fläche die Nutzungsrechte. Hier liegen unter
anderem der Grafiker und Maler René Graetz (1908–74), die
Schriftstellerin Anna Seghers (1900–1983), ihr Mann Johann
Lorenz Schmidt (Laszlo Radvanyi, 1900–1978) und der Regis-
seur Maxim Vallentin (1904–1987). Hier befindet sich außerdem
das Grabmal des Lyrikers Erich Arendt (1903–1984), das vom
Bildhauer Rolf Klimek in Form eines großen gelochten Feuer-
steins gestaltet wurde. Ebenfalls hier begraben wurde Lin
Jaldati (1912–1988), mit bürgerlichem Namen Rebekka Rebling,
geb. Brilleslijper. Die in Amsterdam geborene Jüdin überlebte
die KZs Westerbork, Auschwitz-Birkenau und Bergen-Belsen.
Nach dem Krieg wurde sie als Tänzerin und Interpretin
jiddischer Lieder bekannt.
Künstlerisch bemerkenswerte
Grabmale der jüngeren Vergangenheit
Zum Abschluss noch eine Auswahl künstlerisch bemerkens-
werter Grabmäler aus der jüngeren Vergangenheit. Die
Stele am Grabmal von Heinrich Mann (1871–1950) trägt
eine von Gustav Seitz ausgeführte Büste des Verstorbenen. Die
Grabstätte des Komponisten Hanns Eisler (1898–1962) wurde
als Würfel aus österreichischem Konglomeratstein auf einfa-
cher Rasenfläche gestaltet. Der Entwurf stammt vom Land-
schaftsarchitekten Hugo Namslauer und vom Bildhauer
Werner Stötzer. Von Fritz Cremer stammt die symbolische
Darstellung in Bronze an der Grabstele für den Maler und
Grafiker Heinrich Ehmsen (1886–1964). Für den Internisten
Theodor Brugsch (1878–1963) schuf der Bildhauer Werner
Stötzer eine breite Stele mit vier szenischen Darstellungen aus
dem Leben eines Mediziners. Werner Stötzer erstellte auch für
das Grab des Musikwissenschaftlers Hans Bunge (1919–1990)
ein in Muschelkalkstein eingelassenes Bronzerelief mit zwei
menschlichen Torsi. Das Eisenrelief an der Grabstätte Herta
Ramthuns (1907–1988), einer Mitarbeiterin Bertolt Brechts,
stammt ebenfalls von Werner Stötzer. Bertolt Brechts und
Helene Weigels Gräber erhielten einfache Findlinge als
Gedenksteine. Die Grabstätte liegt direkt an der östlichen
Friedhofsmauer, also an der Grenze zum benachbarten Fran-
zösischen Kirchhof. Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof
sind auch die beiden Brecht-Mitarbeiterinnen Elisabeth Haupt-
mann (1897–1973) und Ruth Berlau-Lund (1906–1974) bestattet.
Von Karl Möpert wurde eine Stele aus Kunststein mitsamt
einem eingeritzten Signet für die Grabstätte John Heartfield
(1891–1968) entworfen.
Diese blaue Informationstafel geht zurück auf eine Idee des Landesdenkmalamts. Weitere Tafeln desselben Designs existieren im gesamten Stadtraum Berlins. Die Tafeln sind gerahmt von einem Stahlgestell, die Texte und Bilder befinden sich auf einer beschichteten Kunststoffplatte.
Die Bildunterschriften entsprechend der Einbettung im Fließtext lauten:
[1] Grabmal Bertolt Brecht
[2] Übersichtsplan des Dorotheenstädtischen Friedhofes
[3] Grabmal Karl Friedrich Schinkel
[4] Grabmal Johann Gottlieb Fichte
[5] Grabmal Johann Gottfried Schodow
[6] Friedrich August Stüler
[7] Mausoleum der Familie Hitzig
Angaben zu genutzten Quellen, Autorenschaft und Impressum:
Literatur
Etzold, Alfred/ Türk, Wolfgang: Der Dorotheenstädtische Friedhof. Die
Begräbnisstätten an der Berliner Chausseestraße. Berlin 1993; Hammer,
Klaus: Historische Friedhöfe in Berlin, Berlin, 1994.5.46-60; Bartel u.a:
Nekropole Berlin - Ewig ist zu lang- Projektbericht, FB14,TU-Berlin,
1988; Henckel, Wilhelm: Geschichte der evangelischen Dorotheen-Ge-
meinde und ihrer Kirche im ersten Vierteljahrtausend 1687-1937,
Berlin, 1937; Projektgruppe »Erhebung und Aufbereitung von Umwelt-
daten auf Friedhöfen (Hrsg): Historische Friedhöfe in der Mitte Ost-
Berlins. Senat für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Fachabteilung
Bau- und Gartendenkmalpflege. S.93-108. Rep. 107 17-20/1942. Lan-
desarchiv Berlin Breite Straße, Berlin 1995


