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Gedenktafel mit historischen Texten und Abbildungen zur St.-Petri-Kirche und Alt-Cölln in einem wettergeschützten Rahmen

Die St. Petri-Kirche zu Alt-Cölln im Wandel der Zeiten

Map Petriplatz

Die St. Petri-Kirche zu Alt-Cölln im Wandel der Zeiten

Das heutige Berlin entstand aus den zwei selbständigen Gemeinden

Berlin und Cölln
Im Jahre 1237 wurde Cölln - auf dem Gelände der heutigen Fischerinsel
- erstmalig urkundlich erwähnt. Hier befindet sich der Gründungskern des
heutigen Berlin, direkt neben einer Furt gelegen, ursprünglich besiedelt von
Kaufleuten. Das historische Berlin ist erst seit dem Jahre 1244 urkundlich
Belegt.
Beide Gemeinden bildeten später eine Doppelstadt, Berlin auf dem nördlichen
und Cölln auf dem südlichen Spreeufer. Der Mühlendamm (Mohlendam)
verband beide Städte (vgl. Bild 1). Erst 1709 wurden die Stadtgemeinden
zu einem Gemeinwesen mit dem Namen Berlin vereinigt.
Heute bildet das Territorium der beiden ehemaligen Städte den Kern der
Innenstadt.
Zwischen der Gertrauden- und Brüderstraße, anf dem heutigen Petriplatz,
stand die erste Pfarrkirche von Cölln.

St. Petri
Die im zweiten Weltkrieg schwer zerstörte und in den 60er-Jahren gesprengte
St. Petri-Kirche war die fünfte Kirche an diesem Ort.

Fine spätromanische erste Kirche wurde vermutlich als Feldsteinkirche in
der enten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Nach einer Urkunde aus
dem Jahre 1237, der heute offiziellen Gründungsurkunde Berlins, dürfte
der darin genannte Pfarrer Symeon hier seine Amtsgeschäfte ausgeübt
haben.
Nach 1260 entstand die zweite Kirche, ein Neubau im frühgotischen Stil.
Aus unbekannten Gründen wurde am gleichen Ort schon im Jahre 1370
eine dritte Kirche, eine dreischiffige spätgotische Hallenkirche erbaut (vgl.
Bild 2). Sie diente über 350 Jahre ihrer Zweckbestimmung. Nachdem in
den Jahren 1726 bis 1730 ein Turm in barocker Bauweise errichtet worden
war (vgl. Bild 3), wurde der gesamte Kirchenbau am 29. Mai 1730, dem
zweiten Pfingsttag, durch einen Brand völlig zerstört. Außerdem wurden
37 Bürgerhäuser ein Opfer der Flammen.

Der Turm der vierten, 1733 nach Plänen von Grael fertiggestellten barocken
Kirche stürzte schon im folgenden Jahr ein und verursachte erneut große
Schäden. lm Jahre 1809 zerstörte ein großer Brand auch diese Kirche (vgl.
Bild 4). Der Kirchplatz wurde mit Bäumen bepflanzt.
Erst in den Jahren 1846-1852 entstand nach Entwürfen von Johann Heinrich
Strack auf dem Petriplatz die fünfte Kirche, ein neogotischer Backsteinbau
mit einem Querschiff, einem Fünf-Achtel-Chorschluß, vier achteckigen
Türmen an den Ecken und einem schlanken 96 Meter hohen Hauptturm
an der südwestlichen Frontseite. Letzterer war damals der höchste der Stadt
(vgl. Bild 5).
Zu der reichen neugotischen Ausstattung des letzten Baues gehörten eine
der größten Orgeln Berlins, gebaut von Carl August Buchholz. und eine in
Halle/Saale von dem Bildhauer Merkel gearbeitete farbige Sandsteinkanzel,
die auf acht Pfeilern ruhte. Die Kirche bot rund 1500 Sitzplätze.
1945 wurde diese Kirche durch Bomben, Beschuß und Brand schwer
beschädigt (vgl. Bild 6).

Beim Wiederaufbau des Stadtzentrums kam es infolge der politischen
Verhältnisse und der allgemein geringen Wertschätzung der Bauwerke des
19. Jahrhunderts zur Beseitigung der Kirchenruine (vgl. Bild 7). Dabei bot
sich in den Jahren 1965-67 die Gelegenheit zu umfangreichen Ausgrabungen,
bei denen man die Grundmauern der verschiedenen Kirchenbauten,
die teilweise übereinander lagen, freilegen konnte. Das für die
Entstehungsgeschichte Berlins entscheidende Ergebnis der Ausgrabungen
in Berlin und Cölln war die Entdeckung von Friedhöfen, auf denen bereits
vor der Erbauung der spätromanischen Pfarrkirchen im noch unberührten
Boden bestattet worden war.

Die St. Petri-Gemeinde errichtete 1914 in der Neuen Grünstraße 19 ihr
erstes Gemeindehaus. Dieses ersetzt der Gemeinde auch heute noch den
verlorenen Kirchenraum.

Diese Informationstafel entstand auf Anregung der Ev. Kirchengemeinde St. Petri-Luisenstadt im Zusammenwirken mit der  Gedenktafelkommission bei der Bezirksverordnetenversammlung Mitte von Berlin.

Die Bildunterschriften lauten:
Bild 1, Johann Gregor Memhardt, Plan von Berlin und Cölln aus dem Jahre 1652.
(†) Standort der mittelalterlichen St. Petri-Kirche, (1) Brüderstraße, (2) Breite
Straße, (3) Grünstraße, (4) Roßstraße, (5) Fischerstraße, (6) Gertraudenstraße.
Bild 2, Unbekannter Künstler, Die Petrikirche zu Berlin vor 1726. Aus: Reinbeck
„Nachricht vom Brand der Petrikirche 1730“.
Bild 3, Schleuen, Johann David d. ä: Die Petrikirche zu Berlin mit dem Turm nach einem Entwurf von J.F. Grael.
Bild 4, Schleuen, Johann David d. Ä., Die Petrikirche zu Berlin mit Blick
auf die Scharrenstraße und das Haus Petrikirchplatz 1, von 1757.
Bild 5, Max Missmann, Die Petrikirche auf dem Petriplatz zu Berlin mit Blick auf
das Stadtschloß und die Gertraudenstraße aus dem Jahre 1904.
Bild 6, Gerhard Boß, Blick vom Spittelmarkt auf die im II. Weltkrieg ausgebrannte
Kirche, aufgenommen im Jahre 1959.
Bild 7, Gerhard Boß, Sprengung der Kirchenruine im Jahre 1964,
im Hintergrund – Blick in die Brüderstraße.
Bild 8, Gerhard Boß, Situation wie Bild 6 nach der Beseitigung der Kirchenruine.
Das Bild zeigt den Zustand im Jahre 2000.

Angaben zu genutzten Quellen, Autorenschaft und Impressum:
Text: Gerhard Boß, Gestaltung: Jürgen Schmidt
Literatur in Auswahl:
Seyer, H.: Berlin im Mittelalter, Berlin 1987; Gottschalk, W.: Altberliner Kirchen,
Leipzig 1985; Badstübner, E.: Kirchen in Berlin, Berlin 1987; Publikation St. Petri,
1898.
Fotos: Bestände des Stadtmuseums Berlin (Bild 1-5), G. Boß (Bild 6-8)

 

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