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Blaue Informationstafel mit Text, Lageplan und historischen Bildern zum Parochialkirchhof.

Der Parochialkirchhof

Map Parochialstraße / Waisenstraße

Der Parochialkirchhof

Der Kirchhof an der Parochialkirche ist einer der weni-
gen erhaltenen Kirchhöfe in der historischen Mitte von
Berlin und stellt in Zusammenhang mit der Kirche ein
Objekt hoher kultur- und kunstgeschichtlicher Bedeu-
tung dar. Neben dem standort- und stadthistorischen
Wert ist das Ensemble auch ein bedeutungsvolles Denk-
mal der preußischen Geschichte. Kurfürst Friedrich III.
legte im Beisein seiner Gemahlin Sophie Charlotte und
eines großen Hofstaats vor über Jahren den Grund-
stein.
Die Einrichtung eines Begräbnisplatzes nahe der mittel-
alterlichen Stadtmauer stand in unmittelbarem Zusam-
menhang mit der Errichtung der Evangelischen Paro-
chialkirche für die neue reformierte Stadtgemeinde.
Die „Reformierten“ hatten nach dem 1613 erfolgten
Übertritt von Kurfürst Johann Sigismund zu dieser
evangelischen Glaubensrichtung gemeinsam mit sei-
nem Hof die Domkirche und deren Begräbnisplatz
mitbenutzt, baten jedoch schließlich 1694 Kurfürst
Friedrich III. um Erlaubnis, eine unabhängige „refor-
mierte Stadtgemeinde“ gründen zu dürfen - mit einem
eigenen Kirchengebäude.
Die Parochialkirche, der früheste bedeutende barocke
Sakralbau in Berlin, entstand daraufhin seit 1695. Der
ursprüngliche Entwurf stammt von dem Architekten
Johann Arnold Nering. Nach seinem Tod wurde der
Bau nach Überarbeitung der Pläne 1696 und insbe-
sondere 1698 nach Einsturz eines Teils des Gewölbes
unter dem Architekten Martin Grünberg verändert
ausgeführt. 1705 war der Kirchenbau (Einweihung am
8. Juli 1703) bis auf den Turm fertiggestellt. Der Turm
wurde nach einem Entwurf von Jean de Bodt unter Lei-
tung von Philip Gerlach 1715 vollendet. In ihm befand
sich ein europaweit berühmtes Glockenspiel.

Der Kirchhof 1705 - 1998
Schon 1705 wurde der Kirchhof errichtet und ab 1706
sind erste Bestattungen belegt. Der Kirchhof war durch
die ihn umgebenden Gebäude und Straßen räumlich
eng begrenzt. Dennoch sind in den Totenbüchern über
5.000 Begräbnisse sowie etwa 250 Beisetzungen in den
sogenannten Seitengewölben (unterirdische Gruftanla-
gen) nachgewiesen.
Namhafte Berliner Repräsentanten und Protagonisten
aus Politik, Theologie, Wissenschaft und Wirtschaft
des 18. und 19. Jahrhunderts fanden hier ihre letzte
Ruhestätte. So z.B. der Theologe und Gelehrte Daniel
Ernst Jablonski (1660 - 1741), die Königliche Erziehe-
rin Auguste Henriette Bock (1762 - 1845) und der
Gründer der ersten Berliner Porzellanmanufaktur (heute
KPM) Wilhelm Caspar Wegely (1714 - 1764).
An der Süd- und Ostseite der Kirche und an der Kirch-
hofsmauer befinden sich barocke Epitaphien. Daneben
waren die Flächen entlang der Einfriedungen bevorzugte
Belegungsbereiche. Beim „Erbbegraebnis des Director
Brink“ ist dies anhand der Reste der Seitengewölbe
noch heute nachvollziehbar. Auf den Gruftanlagen wur-
den zum Teil Erbbegräbnisse und Kapellenbauten er-
richtet.
Des weiteren sind die beiden spätbarocken Grabdenk-
mäler „Ankersheim“ und „Pistor“, das von Friedrich
August Stüler entworfene Ädikula- und Tisch-Grabmal
„Bock“, das Obeliskengrabmal „Möser“ sowie die mit
einem Engel geschmückte „Gemeinschaftsgruft“ beson-
ders zu erwähnen.
Auch die zahlreich erhaltenen gusseisernen Kreuze des
19. Jahrhunderts prägen das Erscheinungsbild des Kirch-
hofs und vermitteln zugleich einen Eindruck von der
Leistungsfähigkeit des Berliner Eisenkunstgusses.
1854 wurde der Kirchhof behördlich geschlossen, trotz-
dem fanden Bestattungen auf reservierten Grabstellen
auch danach noch statt. Im Mai 1945 wurden zwei
Kriegstote beigesetzt.
Die Verbreiterung der ehemaligen Parochial-Kirch-Gasse
zur Parochialstraße bedingte im Jahr 1888 eine Umbet-
tung der dort Beigesetzten, u.a. in die „Gemeinschafts-
gruft“.
Mitte der 1930er Jahre wurden Umgestaltungen vorge-
nommen, die insbesondere den Wegebereich südlich
der Kirche und vor dem Gemeindehaus betrafen.
Nach der Zerstörung durch Brandbomben am 24. Mai
1944 wurde die Kirche bis 1951 notdürftig wiederher-
gestellt. Bereits 1946 wurde eine Gottesdienststätte im
Bereich unter dem Turm eingeweiht und bis 1990
durch die Gemeinde genutzt.
Im Vorfeld der 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin und
auch in den 1980er Jahren fanden verschiedene Wie-
derherstellungs- bzw. Instandsetzungsmaßnahmen auf
dem Kirchhof statt, die jedoch nicht immer im Sinne
der Denkmalpflege ausgeführt werden konnten und
das historische Erscheinungsbild beeinträchtigten.

Die Mausoleen
Bis heute sind zwei Mausoleen erhalten, die zu den auf-
wendigsten Anlagen des Kirchhofs gehören und auch
innerhalb der sepulkralen Kleinarchitektur Berlins eine
Besonderheit darstellen: das sogenannte „Mausoleum 11“
(z.Z. noch ohne sichere Zuordnung zu einer Person
oder Familie) und das „Erbbegraebnis des Director
Brink“. Die Einmaligkeit liegt in der Verbindung der
früheren barocken Gruftanlagen mit einer architektoni-
schen Erweiterung durch einen spätklassizistischen Ka-
pellenbau des mittleren 19. Jahrhunderts.
Insbesondere das „Mausoleum 11“ ist aufgrund seiner
baulichen Form und seiner künstlerischen Ausgestal-
tung von herausragender Bedeutung. Es ist einem anti-
ken Tempel nachempfunden und verweist mit seinen
verschiedenen Formelementen auch auf die ägyptische
und frühchristliche Kunst. Den Mittelpunkt des mit
hellen Farben und einer blauen Decke mit goldenen
Sternen gestalteten Kapellenraumes bildet die im Re-
naissancestil gestaltete Altarnische mit einem Christus-
Kopf, der einem von Christian Daniel Rauch 1839 ge-
schafften Relief nachempfunden wurde.
Das gesamte Erscheinungsbild des Mausoleums reflek-
tiert den Zuspruch, den die Formensprache und die Ge-
staltungskraft Karl Friedrich Schinkels und Christian
Daniel Rauchs um die Mitte des 19. Jahrhunderts vor
allem in Berlin hatten. Die Vielzahl der Entwürfe
Friedrich August Stülers für derartige sepulkrale Klein-
architekturen legt es nahe, den Architekten des „Mauso-
leums II“ aus dem Umkreis Stülers zu vermuten.

Wiederherstellungsmaßnahmen ab 1999
Nach vollständiger Sicherung und weitgehender Fertig-
stellung der Außenfassade der Parochialkirche rückte
1999 auch der Kirchhof in den Mittelpunkt der Be-
trachtungen. Auf Initiative des Landesdenkmalamts
Berlin, Gartendenkmalpflege, wurde mit umfassenden
Maßnahmen zur Sicherung des Kirchhofes begon-
nen.
So konnte mit Hilfe des Denkmal-Sonderprogramms
„Dach + Fach“ 1999/2000 die Erhaltung und Sicherung
einiger akut gefährdeter Objekte gewährleistet werden.
Im Jahre 2001 gewährte die Stiftung Deutsche Klassen-
lotterie Berlin Mittel für weitere Maßnahmen auf dem
Kirchhof. Neben der Sicherung, Konservierung und
Restaurierung der Mausoleen, der Einfriedungen und
der einzelnen Grabanlagen konnten 2001 bis 2003 die
historischen Wege- und Vegetationsstrukturen weitge-
hend wiederhergestellt werden. Daneben wurden mit
Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Lan-
desdenkmalamts Berlin, des Lions Club Berlin-Sans-
souci und privater Spenden weitere Grabmale instand-
gesetzt.
2001 bis 2005 wurde die Durchführung umfangreicher
Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an dem
aufwendig gestalteten Innenraum des „Mausoleums 11“
durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Stif-
tung Deutsche Klassenlotterie Berlin und das Landes-
denkmalamt Berlin ermöglicht.
Dank der o.g. Zuwendungen und Initiative aller Betei-
ligter ist das denkmalgeschützte Ensemble Kirchhof
und Parochialkirche heute wieder als Einheit und als
Kulturraum erlebbar und bildet in dem dichten Innen-
stadtraum einen Raum der Ruhe und Besinnung.

Diese blaue Informationstafel geht zurück auf eine Idee des Landesdenkmalamts. Sie befindet sich an der Ecke Parochialstraße / Waisenstraße auf dem Friedhof der Parochialkirche. Weitere Tafeln desselben Designs existieren im gesamten Stadtraum Berlins. Die Tafeln sind gerahmt von einem Stahlgestell, die Texte und Bilder befinden sich auf einer beschichteten Kunststoffplatte.

Die Bildunterschriften entsprechend der Einbettung im Fließtext lauten:
[1] Blick vom Gemeindehaus auf die Grabfelder und Mausoleen, um 1900 (Gemeindearchiv)
[2] Ansicht der Parochialkirche von Nordwesten, um 1930
(Gemeindearchiv)
[3] Grabanlagen (Grabfeld A), im Hintergrund Parochialkirche
und ehemalige Wohnbauten, um 1936 (Gemeindearchiv)
[4] Haupteingangsbereich südlich der Kirche, vor der Umgestaltung
1936 (Gemeindearchiv)
[5] „Mausoleum 11", Ostwand mit Ädikula-Altar, blaue Decke mit
Sternen in Gold, 2005 (Restaurierungsatelier Rolf-Gerhard Ernst)
[6] Grabmal Bock, Zustand nach der Restaurierung, 2003
(Planer in der Pankemühle)

Auf der unteren rechten Seite der Tafel befindet sich zudem ein Lageplan des Areals Parochialkirche und Friedhof mit 19 ausgewiesenen Gräbern.

Impressum:
Fachbehörde:
Landesdenkmalamt Berlin, Gartendenkmalpflege
Bauherr / Eigentümer:
Evangelische Kirchengemeinde Marien
Konzept, Text, Redaktion / Layout:
HORTEC Berlin

 

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