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Informationstafel mit dem Titel 'Der Parkring Neu-Tempelhof' zeigt historische Karten, Fotos und Textinformationen zu einem Parkring in Neu-Tempelhof.
Park mit kahlen Bäumen, einem Informationsschild und mehreren Personen auf einer Bank im Hintergrund.

Der Parkring Neu-Tempelhof

Map Rumeyplan 1

DER PARKRING NEU-TEMPELHOF
 
Der Wettbewerb
Um 1910 war das seit 1722 meist als Exerzierplatz
genutzte Tempelhofer Feld die letzte zentrumsnahe
unbebaute Freifläche. Tempelhofer Bürger kauften
das 145 ha große Terrain für 72.000.000 Mark
vom preußischen Staat zurück, um es als Bauland
zu vermarkten. Die zu diesem Zweck gegründete
Tempelhofer Feld AG legte in einem Verwertungs-
vertrag mit der Deutschen Bank Kriterien für ei-
nen städtebaulichen Wettbewerb zur Entwicklung
des Geländes fest, den Baurat Friedrich Gerlach
(1856-1938) 1911 für sich entscheiden konnte.
Auf seinen Entwurf von 1911 gehen die Strukturen
der heutigen Erschließung der Siedlung und die
eigentümliche Grundform des Parkrings zurück.
 
Zeitgleich erfolgte die Auslobung eines Wettbewerbs
für den Grünring auf der Basis des Gerlachschen
Entwurfs. Zu den Wettbewerbsvorgaben zählten
u. a. die Anlage eines Parkgürtels in geschlossener,
zusammenhängender Gestalt mit sich abwechseln-
den, gartenkünstlerisch durchgebildeten, formalen
und landschaftlich-idyllischen Partien. Zusätzlich
waren Vorschläge für Ausstattungselemente sowie
Spiel- und Schmuckplätze zu machen. Ein Was-
serbecken für Gondelfahrten, das im Winter als
Eisbahn genutzt werden konnte, sollte ebenfalls
enthalten sein.
 
Regierungsbaumeister Fritz Bräuning (1869-1951)
errang mit seinem Beitrag den ersten Preis; der
dritte Preis des Gartenkünstlers Alfred Hensel
(1880-1969) fand ebenfalls Bewunderung. Die
erste Bebauung im nördlichen Teil erfolgte als
repräsentative Blockbebauung für ein avisiertes
Mittelschichtsklientel. Mit dem Ende des Ersten
Weltkrieges war die geplante Bebauung jedoch aus
sozialpolitischen und finanziellen Gründen obsolet
geworden.
 
Die Gartenstadt
Nach dem Krieg gelang es durch Bemühungen
des Preußischen Wohlfahrtsministeriums (Adolf
Scheidt, 1870-1947) und des Wohnungsverbandes
Groß-Berlin das 100 ha große Gelände der gemein-
nützigen Tempelhofer Feld Heimstätten GmbH zu
verkaufen, die sich nun zum Bau von Einfamilien-
häusern mit Gärten für ehemalige Kriegsteilnehmer
verpflichtete. Bräuning, der auch den Bebauungs-
plan entwickelte, griff den Gartenstadt-Gedanken
als städtebauliche Grundlage der Siedlung erneut
auf. Um 1928 fanden bereits 40.000 Menschen,
ob zur Miete oder im Eigenheim, eine Wohnung
in der Siedlung. Die Bautätigkeit kam jedoch 1931
vorerst zum Erliegen; ihre Fortsetzung erfolgte ab
1955 meist in offener Zeilenbauweise.
 
Der Parkring
Bis 1913 entstanden die ersten drei nördlichen Seg-
mente des nahezu hufeisenförmigen Parkrings.
Seine Architekten waren Bruno Möhring (1863-
1929) und Paul Jatzow (1875-1940); die Park-
gestaltung oblag Rudolf Fischer (1883-1942), der
ab 1913 Gartendirektor der Gesellschaft wurde.
Zwischen Bundesring und Manfred-von-Richtho-
fen-Straße entstand ab 1911 ein Schmuckplatz mit
Diagonal- und Querwegen in der Grundform eines
Hippodroms. Die anschließende Wasserfläche, von
der Boelckebrücke überspannt, gliederte sich in ein
formales Wasserbecken und in einen landschaft-
lichen See. Sie reichte bis zum Löwenhardtdamm,
wo sich unterhalb der Skulptur „Mutter mit zwei
Kindern“ (Walter Kniebe) eine Wasserkaskade in
den See ergoss. Das Becken gestaltete Fischer als
größte Plansche Berlins zum Baden und Bootfah-
ren. Säulen-Pappeln und Flieder betonten die Eck-
punkte des Wasserparks. Zwischen Wüsthoffstraße
und Löwenhardtdamm setzte Fischer das Thema
Wasser mit Quelle, Bachlauf und kleinem See als
Auftakt für die Wasserfläche um. Eine Promenade
mit Holzbrücke und Bankplatz erschloss die An-
lage, die von einer mit Pappeln betonten Kuppe
überblickt werden konnte. Ab 1928 wurde westlich
der Hugo-Gaudig-Oberschule eine von Bäumen
gesäumte, abgesenkte Schulsportwiese angelegt.
Die südlich angrenzende Fläche am Bäumerplan
mit ovalem Feuerlöschteich und säumenden Ge-
hölzflächen erschloss ebenfalls ein breiter Fußweg:
sie entstand in den Dreißiger Jahren. Nach der Ein-
stellung der Bautätigkeit 1932 wurde das folgende
Segment des Rumeyplan der „Kleingartenkolonie
Zähringer Korso“.
 
Um 1931 wurde die anschließende Ringfläche mit
Staudengärten und Spielflächen gestaltet. An der
Boelckestraße ließ Fischer einen üppig bepflanzten
Senkgarten mit Vogelbrunnen anlegen. Trittsteine
führten durch den Gartenraum in einen zweiten
Staudengarten mit symmetrisch angelegten Pflan-
zungen und weiter zu einer quadratischen Spielflä-
che mit Pavillon. Von hier gelangte man in einen
ovalen Baumsalon mit Sitzbänken, in dessen Mitte
eine rechteckige Spielfläche lag. Gegenüber wurde
ein zweiter Pavillon auf einer mit Bäumen überstan-
denen Fläche errichtet. Stufen führten auch hier
in eine abgesenkte, von Hecken und Baumreihen
gefasste, langgestreckte Spielwiese. An ihrem Ende
wurde ein Rosengarten angelegt.
Mit Hilfe einer Spange, deren Gestaltung auf
Hensel zurückgeht, verband Fischer die beiden
Enden des Parkrings, Rumeyplan und Wolffring.
An der Paradestraße zierten Staudenbeete sym-
metrisch angelegte Gartenräume. Platzflächen mit
Springbrunnen, umstanden mit Kastanien, gingen
in weitere Staudengärten mit Bankplätzen über.
Neben den Park- und Gartenflächen des Rings
schuf Fischer mit bepflanzten Korsos, Straßen, Plät-
zen und Höfen im gestalterischen Zusammenspiel
mit den Vorgärten gartenkünstlerisch gestaltetes,
vorbildliches Siedlungsgrün.
 
Bereits in den Vierziger Jahren beeinträchtigten
Bunkerbauten am Bundes- und Wolffring und Ru-
meyplan die Freianlagen. In den Fünfziger Jahren
wurden einzelne Segmente im Stil der Zeit über-
formt. So entstand im Planschbecken der „Garten
der Blumen und Wasserspiele“ durch den Gar-
tenamtsleiter Bernhard Kynast (1890-1981). Die
Grünanlage am Löschteich gestaltete sein Nachfol-
ger Cuno Cablitz als Heidegarten. Auf der Schul-
sportwiese zerschneidet seit 1968 eine Sporthalle
den Grünring. Bäumerplan und Bundesring er-
hielten in den Siebziger Jahren zusätzliche Spiel-
plätze.
 
Der Rosengarten
1926 gestaltete Fischer am Ende der Spielwiese den
Rosengarten in klassischer Grundform mit Wege-
kreuz, Beetrosen und Rosenhochstämmchen. Seine
mit Rosenbögen betonte Mitte zierte das Bronze-
Bildwerk der „Eva“ von Ernst Seeger (1884-1939).
Im Zusammenspiel mit den einheitlich bepflanz-
ten Vorgärten der umliegenden Häuser, bildete
der Rosengarten eine geschlossene, aber dennoch
weiträumige Platzfläche. Ihre Ausgänge verengten
Gartenmauern mit zierenden Putti. Säulenpappeln
hinter den Mauern betonten spannungsvoll die re-
duziert gestaltete, harmonisch wirkende Freifläche.
 
Eine vom Landesdenkmalamt veranlasste Doku-
mentation führte 2007 zur Eintragung des Park-
rings in die Denkmalliste Berlins. Auf Initiative
des Parkring e. V., in Zusammenarbeit mit dem
Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und begleitet
vom Landesdenkmalamt erfolgte die Wiederher-
stellung der Rosengartenfläche.
Auf Basis gartendenkmalpflegerischer Such-
grabungen und historischer Unterlagen entstand
der Rosengarten mit Buchsbaum-Hecken als Beet-
einfassung, Beetrosen und historischen Hoch-
stamm- und Kletterrosen. Anstelle der „Eva“ wurde
die „Große Stehende“ der Künstlerin Hildegard
Lutze (*1937) aufgestellt. Der Parkring e. V. setzt
sich seither für die Pflege und Erhaltung dieses für
die Zwanziger Jahre typischen Rosengartens ein.

Diese blaue Informationstafel geht zurück auf eine Idee des Landesdenkmalamts erstellt.. Weitere Tafeln desselben Designs existieren im gesamten Stadtraum Berlins. Die Tafeln sind gerahmt von einem Stahlgestell, die Texte und Bilder befinden sich auf einer beschichteten Kunststoffplatte. 

Die Bildunterschriften entsprechend der Einbettung im Fließtext lauten:
[1] Der Parkring Neu-Tempelhof um 1930. BA Tempelhof-Schöneberg, Archiv. 
[2] "Eva" 1931 im Zentrum des Rosengartens.
Museum Tempelhof-Schöneberg, Archiv.
[3] Rosengarten und Vorgärten um 1928. Museum Tempelhof-Schöneberg, Archiv.
[4] Spielwiese und Rosengarten um 1928. Museum Tempelhof-Schöneberg, Archiv.

Angaben zu genutzten Quellen, Autorenschaft und Impressum:
Literatur: 

Die Deutsche Bauzeitung, 45. Jahrgang 1911. Der Neubau, 10. Jahrgang, 1928. Gartendenkmale in Berlin. Parkanlagen und Stadtplätze, 2013.

Beteiligte Institutionen:
Landesdenkmalamt Berlin, Fb. Gartendenkmalpflege und Archäologie, Klosterstraße 47, 10117 Berlin. Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Abteilung Bauwesen, Tiefbau- und Landschaftsplanungsamt, Manteuffelstraße 63, 12103 Berlin.
Parkring e. V. Gartenstadt Neu-Tempelhof, Manfred-von-Richthofen-Straße 36, 12101 Berlin
Bearbeitung:
Hartmut Teske Garten- und Landschaftsarchitekt, Berlin.

 

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