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Informationstafel mit Text und historischen Bildern zur Dorfkirche und dem Kirchhof Tempelhof, darunter eine Statue der Madonna mit Kind und weitere historische Darstellungen.
Kopfsteinpflasterweg mit Bäumen und Sträuchern führt zu einer Dorfkirche aus Stein im Hintergrund

Dorfkirche und Kirchhof Tempelhof

Map Parkstraße 5

DORFKIRCHE UND KIRCHHOF TEMPELHOF

Die Anlage des einstigen Tempelritterhofes
mit der alten Komturei- und Pfarrkirche ist
namengebend für den Bezirk Tempelhof.
Sie hat eine lange, bewegte und größtenteils
noch immer unerforschte Geschichte. Ihre
Anfänge im späten 12. und frühen 13. Jh.
liegen im Dunkeln: Auf wessen Veranlassung
hin Ritter des Templerordens auf dem
Teltow siedelten und die Niederlassungen
Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und
Rixdorf gründeten, ist nicht sicher zu klären.
Dazu trägt auch die schlechte schriftliche
Überlieferung bei. Die Templer sicherten die
südliche Handelsroute nach Berlin-Cölln und
leiteten gleichzeitig die von den angesiedelten
Bauern erwirtschafteten Abgaben an ihre
Ritterbrüder im Heiligen Land weiter. Dort
oblag den Tempelrittern der Schutz christ-
licher Pilger. 1318, nach der spektakulären
Auflösung des Tempelritterordens durch
Papst Clemens V., traten die Johanniter auch
in Tempelhof die Rechtsnachfolge an; Details
über den Besitzwechsel sind unbekannt.

Ebenso wenig eindeutig präsentiert sich
die Geschichte des Kirchenbaues und
des sie umgebenden Kirchhofes. Die
meisten Erkenntnisse basieren auf einer
archäologischen Grabung von Prof. Ernst
Heinrich, Bauforscher an der TU Berlin. Sie
wurde, 1952 im Vorfeld des Wiederaufbaus
der von Brandbomben und bei Gefechten
der Wehrmacht 1943/1944 zerstörten Kirche
durchgeführt. Dabei wurde der umliegende
Kirchhof nicht beachtet, weshalb viele der
alten Grabstätten heute unbekannt sind.
Hinzu kommt eine Vermengung mit
Grabsteinen vom Alten Kirchhof an der
Stolbergstraße im Bose-Park. Nach dessen
Schließung wurden einige Steine auf den
Kirchhof verbracht.

Die heutige Gestalt des Kirchhofes geht,
ebenso wie der Großteil des Kirchengebäudes,
auf die 1950er Jahre zurück. Der die
Dorfkirche umgebende Begräbnisplatz birgt –
außer im Westen - zahlreiche Erbbegräbnisse
wirkungsreicher Tempelhofer Familien wie
Dunkel und Lehne, den Namensgebern für
nahegelegene Straßen und den angrenzenden
Park. Gedenksteine für herausragende
Einzelpersonen wie den ersten Tempelhofer
Arzt, Dr. Eduard Greve, finden sich hier
ebenso wie jüngere Kriegsgräber. Das
kunsthistorisch bemerkenswerteste Grabmal
ist das südlich der Kirche gelegene Wandgrab
der Familie Berlinicke. Es beeindruckt durch
eine aufwendige, historistische Gestaltung;
die Grabsteine liegen vor dem Wandgrab
auf dem Boden, darunter auch der für den
angeheirateten Amtsbaumeister Paul Opitz.
Opitz entwarf zahlreiche noch erhaltene,
repräsentative Villen und Wohnhäuser in
Tempelhof. Neben dem Wandgrab befinden
sich gusseiserne Kreuze der Familie Bredereck
mit vergoldeten Inschriften und Verzie-
rungen. Solche Kreuze, von schmiedeeisernen
Gittern eingefriedet, dominierten im 19. Jh.
den Kirchhof. Sie wurden 1903 zur
Modernisierung des Erscheinungsbildes der
Kirche und ihrer Umgebung entfernt.

Hinter der Sakristei befindet sich eine Kopie
des ältesten, noch erhaltenen Gedenksteines;
das Original lagert im Museum Tempelhof.
Die Inschrift erinnert an den Ulanen Anton
Bischoff, der bei einem Brand sein tapferes
Verhalten mit dem Leben bezahlte.

Auf der Nordseite liegen die Begräbnisse
von Gemeindepfarrern. Die Reste des
einst prächtigen Grabdenkmals der jung
verstorbenen Pauline Kroll fanden hier 2013
nach ihrer Bergung Aufstellung. Seit 2006
steht im Norden Richtung Apsis – ein
Gedenkstein für die 47 Opfer aus Berlin und
Brandenburg des Tsunami vom 26.12.2004
im Indischen Ozean.

Beim Wiederaufbau der Kirche zwischen
1954 und 1956 nach Plänen des Architekten
Wolfram Koniarz achtete man vor allem
auf einen mittelalterlichen, handwerklich
geprägten Charakter, den der Bau aus-
strahlen sollte. Man bemühte sich um
eine bäuerlich-ländliche Atmosphäre des
einstigen Tempelritterortes und wählte
einen unhistorischen Fachwerkturm, eine
mittlere Fenstergröße und fügte eine Sakristei
aus Quadermauerwerk hinzu. Spuren
zwischenzeitlich eingebrochener, zusätzlicher
Fenster sind noch im sorgfältig gearbeiteten
und im Mittelalter äußerst kostspieligen
Quadermauerwerk aus behauenen Feld-
steinen sichtbar. Die Glasfenster in der
Apsis, von denen nur das mittlere seine
historische Form behalten hat, gestaltete
der Berliner Künstler Paul Ohnesorge.

Die spätromanische Apsissaalkirche ist mit
ihren 235 m2 die größte Dorfkirche auf Berliner
Gebiet. Sie diente ursprünglich
sowohl den Tempelrittern, später dann den
Johannitern, als auch den Gutsbewohnern
und der Dorfbevölkerung. Aufgrund
der Doppelfunktion als Ordens- und
Pfarrkirche lag das Gebäude nicht direkt
im Ort wie in den beiden südlich gelegenen
Templergründungen Mariendorf und
Marienfelde. Im 18. und besonders im 19.
Jh. kam es zu umfassenden Bautätigkeiten
an der Dorfkirche: Die Bevölkerungszahl
Tempelhofs stieg dramatisch, die Land-
wirtschaft wurde aufgegeben, und das
Kirchengebäude sollte den zunehmenden
Reichtum der ehemaligen Bauernfamilien
widerspiegeln. Dabei passte man das Gebäude
außen und innert dem neuen Zeitgeschmack
an: Der Kirchturm erhielt einen barocken
Haubenaufsatz, 1847/1848 wurden die
Fensteröffnungen vergrößert und im Inne-
ren die mittelalterlichen Wandmalereien zu-
gunsten rein weißer Wände beseitigt.

Nach dieser Modernisierung und aufgrund
des gewandelten Glaubensverständnisses
übergab 1876/1877 der Gemeindekirchenrat
zahlreiche mittelalterliche Kunstwerke an das
kurz zuvor gegründete Märkische Museum:
Eine Madonna des Schönen Stils mit zwei
weiblichen Heiligen als Begleitfiguren
und eine Pietà mit einem zugehörigen,
reich verzierten Holzschrein zeugen von
Wohlstand und Kunstsinn der Johanniter
in ihrer Komturei. Später befand sich
zusätzlich eine zweite Pietà unbekannter
Provenienz auf einem versilberten Thron
in der Tempelhofer Kirche. Die Figur eines
St. Georg im Drachenkampf ist ebenso ein
Kriegsverlust wie ein Kreuzigungsgemälde;
die aus Rüdersdorfer Kalkstein gefertigte
Taufe aus dem späten 15. Jh. ist hingegen
erhalten.

Auch heute beherbergt der architektonisch
schlicht gehaltene Kirchenraum künstlerische
Kleinode: die Taufschale aus dem 16. Jh.,
das hölzerne Altarkruzifix des Genter
Bildhauers Jacobus Coppens (1695-1735),
vier Tafelbilder (1577-1646) aus der Berliner
Heilig-Geist-Kapelle und vor allem die zweite,
1596 vom Torgauer Maler Daniel Fritsch
gefertigte Kopie des Katharinen-Altars von
Lucas Cranach d. A.. Der Goldrahmen der
in der Fachwelt weitgehend unbekannten
Tempelhofer Kopie entstammt einer 1836
von König Friedrich Wilhelm III.
angeordneten Renovierungsmaßnahme.]

Wie diese Kopie nach Tempelhof gelangte,
ist nicht überliefert. Nach der Abgabe
des Tempelhofes im Jahr 1435 an die
aufstrebende Doppelstadt Berlin-Cölln
wechselten die Gutsbesitzer in rascher Folge;
ab 1601 gehörte der Hof der Kurfürstin
Katharina von Brandenburg. Aufgrund der
Namensähnlichkeit mit der Hauptheiligen
des Altars geht die Forschung gelegentlich
von ihr als Stifterin aus. Das Original des
Triptychons von Lucas Cranach d. Ä. befindet
sich in der Gemäldegalerie Dresden, die
Flügelaußenseiten in der National Gallery
London. Die in fünf Teile zerlegte erste
Kopie von Fritsch hängt im Gotischen Haus
in Wörlitz.

Um das Gartendenkmal des aufgelassenen
Kirchhofs bemühen sich heute vor allem
Ehrenamtliche, die dank der Spenden en-
gagierter TempelhoferInnen gemeinsam mit
dem Landesdenkmalamt bereits zahlreiche
Restaurierungs- und Instandhaltungsmaß-
nahmen durchführen konnten. Dem Enga-
gement dieser Privatpersonen und Tempel-
hofer Unternehmen ist die Spendertafel im
Schaukasten vor dem Kirchhofstor gewid-
met. Die Kirche wird von der Evangelischen
Kirchengemeinde Alt-Tempelhof und vor
allem von den Mitgliedern des Förderver-
eins Dorfkirche e. V. umsorgt. Sie ist jeden
Donnerstag zwischen 14 und 18 Uhr zu be-
sichtigen; der Kirchhof ist ständig zugängig.

Diese blaue Informationstafel geht zurück auf eine Idee des Landesdenkmalamts. Weitere Tafeln desselben Designs existieren im gesamten Stadtraum Berlins. Die Tafeln sind gerahmt von einem Stahlgestell, die Texte und Bilder befinden sich auf einer beschichteten Kunststoffplatte.  

Die Bildunterschriften entsprechend der Einbettung im Fließtext lauten: 
[1] Ruine der Dorfkirche - Blick von Nordwesten, nach 
1945 (Gemeindearchiv) 
[2] Dorfkirche und Kirchhof- Nordseite, 1940 (Museen 
Tempelhof-Schöneberg, Inv. Nr. T3/3872) 
[3] Entwurfszeichnung des Architekten W. Konwiarz, 
1951 (Gemeindearchiv) 
[4] Ulanenstein (Original), o. J. (Museen Tempelhof- 
Schöneberg, Inv. Nr. T3/5011) 
[5] Grabstein der Pauline Auguste Kroll, geb. Richnow, 
1929 (Bildarchiv Foto Marburg) 
[6] Kircheninneres nach Osten, vor 1945 (Gemeindearchiv) 
[7] Pietà aus dem Altarretabel um 1420 (Stiftung Stadt- 
museum Berlin - Peter Knüvener) 
[8] Alltagsseite der Kopie des Katharinen-Altars von 
1596 (Gemeindearchiv - Michael Wartmann) 

Angaben zu genutzten Quellen, Autorenschaft und Impressum: 
Literatur: 
Hoppe, Marion: Die Dorfkirche Alt-Tempelhof. Regensburg, 2012. 
Donath, Matthias/Schulz, Gabriele / Hofmann, Michael: 
Denkmale in Berlin. Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Ortsteile 
Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade. 
Petersberg, 2007. 
Haspel. Jörg/von Krosigk, Klaus: Gartendenkmale in Berlin. 
Friedhöfe. Petersberg, 2008. 
Impressum 
Denkmalbehörden: Landesdenkmalamt Berlin, Gartendenkmalpflege 
Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin, Untere 
Denkmalschutzbehörde 
Eigentümer: Evangelische Kirchengemeinde Alt-Tempelhof 
Text: Marion Feise 
Konzeption/Redaktion: HORTEC Berlin 
Layout: ringkamp kommunikationsdesign 

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