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DDR-Frauengefängnis

Grünauer Straße 140

[links]
Das Frauengefängnis in der Grünauer Straße
An dieser Stelle, Grünauer Straße 140, befand sich von 1973 bis 1990 eine Strafvollzugsabteilung für
Frauen, betrieben vom Innenministerium der DDR. Sie wurde als Ersatz für das abgerissene
Frauengefängnis in der Barnimstraße im Bezirk Friedrichshain errichtet. Ab September 1973 standen
im Unterkunftsgebäude (UG I) für 360 bis 540 Frauen etwa 40 Zellen zur Verfügung. Nach Fertigstellung
des zweiten Unterkunftsgebäudes (UG II) im April 1984 bot das Gefängnis Platz für maximal 610
weibliche Gefangene.

Die Haftanstalt gehörte zum erleichterten Strafvollzug. Nur Strafgefangene, deren Strafmaß maximal
fünf Jahre betrug, verbüßten hier ihre Haftzeit. Etwa 70 Prozent der inhaftierten Frauen wurden wegen
"asozialen Verhaltens" nach § 249 verurteilt. Mit diesem Paragrafen des Strafgesetzbuches der DDR
konnten Menschen kriminalisiert werden, die in keinem festen Arbeitsverhältnis standen. Die übrigen
Insassinnen hatten Straftaten der allgemeinen Kriminalität verübt oder wurden aus politischen
Gründen inhaftiert, etwa aus bürgerlichem Engagement, weil sie in die Bundesrepublik Deutschland
ausreisen oder fliehen oder einfach nur anders sein wollten.

Zu den Zielen des sozialistischen Haftvollzugs gehörte die Umerziehung der Gefangenen - wenn nötig
mit Zwang. Die inhaftierten Frauen lasen in der Mehrzweckhalle des Gefängnisses den Schriftzug: "Was
du nicht kannst, musst du lernen, wenn es dir schwerfällt, werden wir dir helfen, wenn du nicht willst,
zwingen wir dich."

Bis zu 18 Frauen teilten sich in der Grünauer Straße eine Zelle. Diese waren mit zwei- oder dreietagigen
Metallbetten, mehreren Waschbecken und Toiletten ausgestattet. Die Frauen mussten für die Berliner
Großwäscherei "Rewatex" im Drei-Schicht-System von Montag bis Samstag arbeiten. In vier
Waschstraßen mit insgesamt 190 Maschinen wurde ein Drittel des Gesamtvolumens von "Rewatex"
gewaschen, darunter vor allem Hotel- und Privatwäsche. Wer die Arbeit verweigerte, wurde in eine
Arrestzelle im Keller eingesperrt.

Am 30. November 1990 wurde die Strafvollzugsabteilung im Zuge der Wiedervereinigung
Deutschlands geschlossen.

[Rechts befinden sich der Texte in Brailleschrift.]

Zwischen dem Tafeltext links und dem Tafeltext in Brailleschrift rechts werden zwei Fotos mit folgenden Bildunterschriften und Quellenangaben gezeigt:

 [oben]

UG II, Flur 2.00, Landesarchiv Berlin, F. Rep 290 Nr. 0327234 Fotograf: Edmund Kampinski

 

 [unten]

Eingangsbereich, links: Personenpforte, rechts: Kfz-Schleuse, Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 Nr. 0327254 Fotograf: Edmund Kampinksi

 

Unter den Fotos befinden sich drei QR-Codes für weitere Informationen und Gefangenenberichte.

 

Im Berliner Stadtteil Treptow-Köpenick befand sich von 1973 bis 1990 eine Strafvollzugsabteilung für Frauen. Die Haftanstalt gehörte zum erleichterten Strafvollzug in der DDR. Etwa 70 Prozent der inhaftierten Frauen wurden wegen „asozialem Verhalten“ verurteilt, was oftmals ein vorgeschobener Haftgrund war, um Missliebige wegzusperren. Die Erinnerungstafel dokumentiert die Haftgründe und Haftbedingungen der Frauen, die überwiegend in der am Ort angesiedelten Wäscherei tätig waren. Zudem gibt sie Auskunft über das Haftgebäude. Anhand von QR-Codes können Berichte von Zeitzeuginnen aufgerufen werden.

Die barrierefreie Informationstafel zum ehemaligen DDR-Frauengefängnis in der Grünauer Straße 140, 12557 Berlin, wurde am 7. Oktober 2021 um 12 Uhr eingweiht. Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen betreute die inhaltliche und praktische Umsetzung dieses Projektes, das durch die Senatskulturverwaltung finanziert wurde.  Die Einweihung erfolgt durch Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa. Grußworte entrichten Dr. Helge Heidemeyer, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Dieter Gollnick, Gründer der Gruppe für Gerechtigkeit von SED-Opfern und Initiator, sowie der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel.

„Die spezifischen Repressionserfahrungen von Frauen im DDR-Strafvollzug sind in der Erinnerungskultur noch immer unterrepräsentiert. Ich bin daher sehr froh, dass mit einer Informationstafel am Standort des ehemaligen Frauengefängnisses
in Köpenick an die aus politischen Gründen inhaftierten Frauen erinnert wird. Die häufig schwerwiegenden Folgen für die inhaftierten Frauen prägen deren Biografie ein Leben lang. Ihr Schicksal am authentischen Ort in Berlin zu würdigen, ist ein wichtiges Zeichen der Anerkennung für die Betroffenen und ein Beitrag zu einer nachhaltigen Aufarbeitung der politischen Verfolgung in der DDR
in Berlin. Ich bedanke mich dabei besonders bei den Initiator*innen der Tafel, den ehemaligen inhaftierten Frauen und der ‚Initiative für Gerechtigkeit von SED-Opfern‘, ohne deren unermüdliches Engagement diese Tafel nicht hätte realisiert werden können“, sagte Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa, Stiftungsratsvorsitzender der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, bei der Einweihung.

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